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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 16.2.2021 Drucken

„Wir haben ein falsches Altersbild“

Senioren sind digitale Analphabeten, wenig mobil und nicht mehr für den Arbeitsmarkt brauchbar. Gegen dieses völlig überholte Bild der älteren Generation macht sich die Gründerin des Forums „Alterskompetenz“ stark.

Das Forum „Alterskompetenz“ bietet Kurse und Online-Veranstaltungen für die Generation 50plus an rund um das Thema Älterwerden mit Schwerpunkt Digitalisierung. Wie bereite ich mich auf die Zeit nach dem offiziellen Berufsleben vor? Was muss ich im Internet beachten und wie erkenne ich eigentlich Fake News? Dem Forum ist es dabei ein besonderes Anliegen, ein realistisches Altersbild aufzuzeigen.

„Wir haben ein falsches Altersbild“

Die Gründerin des Forums ist die 68-jährige Ria Hinken. Sie selbst ist das beste Beispiel, dass das gängige Altersbild über Senioren nicht stimmt. Hinken gründete bereits zwei eigene Firmen, darunter eine IT-Beraterfirma. In jungen Jahren testete sie Motorräder für den Hörfunk und arbeitete als Flugbegleiterin. An Ruhestand ist für die 68-Jährige noch lange nicht zu denken. Das DIA sprach exklusiv mit ihr im Interview.

Was hat Sie bewegt, eine solche Initiative ins Leben zu rufen?

Es waren mehrere Gründe. Ich finde, dass in zu vielen Köpfen noch immer ein Altersbild vorherrscht, das sich längst überholt hat. Wir sind heute fitter und neugieriger, als es noch unsere Eltern in unserem Alter waren. Die Digitalisierung spielt eine ganz wichtige Rolle. Sie ermöglicht vielen älteren Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, selbst wenn sie nicht mehr so mobil sind. Gerade die jetzige Situation zeigt, dass ein sicherer Umgang mit Computer und mobilen Geräten sehr wichtig ist.

Worum geht genau es in Ihrem Forum?

Es geht um Themen rund um das Älterwerden mit Schwerpunkt Digitalisierung. Die optimistische Veränderung der Altersbilder in unserer Gesellschaft und die Akzeptanz von Älteren in der Wirtschaft – sowohl als Arbeitnehmer als auch als Konsument. Ich richte mich an alle interessierten Menschen, auch junge Leute, aber überwiegend an die Generation 50plus.

In zu vielen Köpfen herrscht noch immer ein Altersbild, dass längst überholt ist.

Meinen ersten Beitrag dazu habe ich im Oktober 2013 auf meinem Blog gepostet. Bald darauf gab es Workshops zu Themen wie Demografie, Mitarbeiter 50plus, Digitalkompetenz von Senioren oder Fake News. Die Online-Talks finden mittlerweile alle zwei Wochen dienstags von 16 bis 18 Uhr statt.

Was wünschen Sie sich?

Mein Ziel ist es, Menschen dafür zu sensibilisieren, dass man nicht alles glauben darf, was im Netz steht. Ihnen Hilfestellung im sicheren Umgang mit den digitalen Angeboten zu leisten, damit sie vor Betrügern und Falschmeldungen weitestgehend geschützt sind. Ich möchte dazu beitragen, dass wir Älteren nicht als die hilfsbedürftige Risikogruppe angesehen werden, sondern als das, was wir größtenteils sind: geistig fitte Menschen, die auch im fortgeschrittenen Alter noch viel zu bieten haben. Dabei will ich nicht die wirklich Hilfsbedürftigen verleugnen, die es auch gibt, aber eben nicht nur. Mein Wunsch ist es, dass es hierfür Unterstützung von Politik, Organisationen, Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen gibt.

Wie finanzieren Sie sich?

Für Workshops, Seminare und Präsenzvorträge werde ich bezahlt. Die Online-Angebote sind kostenfrei. So auch die Online-Talks, die alle zwei Wochen zu verschiedenen Themen stattfinden.

„Wir sind keine hilfsbedürftige Risikogruppe, sondern größtenteils geistig fitte Menschen, die auch im fortgeschrittenen Alter noch viel zu bieten haben.“

Wie kommt Ihre Botschaft bei Älteren, aber auch Jüngeren an?

Die Resonanz ist bisher sehr gut. Bei meinem Meetup auf der re.publica 2018 in Berlin haben mehr junge Menschen als ältere teilgenommen. Das hat mich selbst sehr überrascht. Für 2020 hatte mich die re:publica wieder eingeladen. Leider ist das wegen Corona ausgefallen. Ich habe dazu einen Podcast gestartet. Ich interviewe Menschen zu diesem Thema, die das Erwerbsleben hinter sich gelassen haben.

Wie erleben Sie die Digitalkompetenz der derzeitigen Senioren?

Die hat sich sehr verbessert. Dennoch sind viele noch sehr unsicher, weshalb sie dann lieber nicht online gehen. Da und dort mangelt es auch an einer kritischen Einschätzung von Meldungen, die man als Fake News bezeichnen kann. Da werden leider noch zu viele von Freunden und Bekannten weitergereichte Informationen ungeprüft geglaubt. Gerade über die Messenger WhatsApp und Telegramm werden da sehr viele Falschmeldungen in Umlauf gebracht.

Was müsste Ihrer Meinung nach getan werden, um die Digitalkompetenz der Älteren zu verbessern?

Es gibt schon tolle Angebote, um sich zu informieren. Allerdings setzen viele dieser Angebote voraus, dass man schon Online ist. Die „Offliner“ erreicht man so natürlich nicht. Ich habe Postkarten drucken lassen, um darauf aufmerksam zu machen. Bin auf Ausstellungen präsent gewesen, habe Konferenzen und Messen besucht. Das fällt aktuell coronabedingt weg. Die Kommunen müssten mehr dafür tun, um die älteren Bürger mitzunehmen. Es gibt kein Geld für gute Angebote. Es wird zwar viel über die Wichtigkeit der Digitalisierung geredet, dass man die ältere Bevölkerung mitnehmen möchte, aber wirklich getan wird kaum etwas. Natürlich gibt es da auch positive Ausnahmen. Die Städte Ettlingen und Bühl im Badischen zählen ganz klar dazu. In Freiburg aber hat sich der Stadtseniorenrat lange gegen jedes Angebot zur Digitalisierung gewehrt.

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