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Private Altersvorsorge

In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

Private Altersvorsorge | 8.5.2017 Drucken

In Großbritannien wird Altersvorsorge bald digital

Rentenplanung? Gibt es da nicht eine App für? In Großbritannien wird diese Frage schon bald bejaht werden können. Im April stellte Simon Kirby, der Staatssekretär für Wirtschaft des britischen Finanzministeriums, den Prototyp für ein Onlineportal vor, auf dem Sparer ab 2019 mit einem Klick ihre Rentenansprüche sehen.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals scheint der Brexit doch nicht das einzige Thema zu sein, das momentan den öffentlichen Diskurs bestimmt. Seit ein paar Wochen ist nämlich bekannt, dass die Briten in zwei Jahren ihre gesamten Renteneinzahlungen online verfolgen können.

In Großbritannien wird Altersvorsorge bald digitalDas Besondere daran: Das Tool wird sowohl Einzahlungen in staatliche als auch private Altersvorsorge berücksichtigen. Der präsentierte Prototyp wurde vom Verband der britischen Versicherer in Zusammenarbeit mit dem britischen Finanzministerium und der Versicherungsindustrie entwickelt. Die britische Regierung hat jedoch in der letzten Instanz alleinige Entscheidungskompetenz. Großbritannien folgt hier Ländern wie Australien, Schweden und den Niederlanden, die bereits Online-Rentenkonten entwickelt haben.

Wichtige Entscheidungen einfacher treffen

Seit 2012 gibt es in Großbritannien eine automatische Rentenanmeldungspflicht für Arbeitgeber. Es muss natürlich im 21. Jahrhundert davon ausgegangen werden, dass das traditionelle Modell langfristiger Anstellung bei einem einzigen Arbeitgeber nicht mehr zeitgemäß ist. Folglich werden die Briten im Laufe ihres Arbeitslebens in unterschiedliche Rentenfonds einzahlen und dabei früher oder später die Übersicht verlieren. Eine Umfrage unter Briten im Alter 50+ durch die Onlineplattform Which? hat dies bestätigt: Laut dieser Erhebung weiß fast die Hälfte der Befragten nicht, wie viel Geld sie aktuell fürs Alter zurückgelegt haben. 37 Prozent geben zudem an, dass sie Probleme damit haben, den Überblick über ihre Renteneinzahlungen zu behalten. Das Online-Tool soll Erwerbstätigen helfen, die richtigen Entscheidungen für den Renteneintritt zu treffen, indem die relevanten Informationen übersichtlich an einer Stelle präsentiert werden.

Vielfalt statt Einfalt

Das Besondere daran: das sogenannte Dashboard ist so konzipiert, dass andere Anwender es auf ihren Webseiten integrieren und auch erweitern können. So können zum Beispiel private Versicherungsunternehmen, die in Großbritannien Rentenpläne anbieten, ihre eigenen Versionen entwickeln, die zusätzliche Funktionalitäten haben. Auf diesem Wege sollen daraus Apps entstehen, sodass man die späteren Rentenleistungen auch auf dem Smartphone einsehen kann.

Gleichzeitig wünscht das Finanzministerium die Entwicklung ergänzender Software, die Sparer bei ihrer Rentenplanung unterstützt. Es ist also vorstellbar, dass die Briten auch auf integrierte Funktionen Zugriff bekommen, die beispielsweise errechnen, wie lange man noch arbeiten muss, um die eigene Wunschrente zu erreichen. Staatssekretär Kirby sagte in seiner Rede bei der Vorstellung des Prototyps dazu, dass es kein Monopol für Weisheit gebe. Das Potential der modernen Technologie könne nur realisiert werden, wenn viele Akteure an innovativen Lösungen arbeiten.

Ist das denn überhaupt sicher?

Es ist natürlich verständlich, dass angesichts der Pläne zur Rente 4.0 bei Datenschützern die Warnlampen angehen. Allerdings soll hierfür auch vorgesorgt sein. Der Prozess zur Identitätsbestätigung basiert auf dem offiziellen Online-Verifizierungssystem der britischen Regierung, dass sich bereits in der Vergangenheit als verlässliche und sichere Identifikationsmethode bewährt hat. Obwohl es also unterschiedliche Plattformen geben wird, die das Tool in ihre Benutzeroberflächen „einstricken“, soll die Anmeldung immer zentralisiert über den sicheren Mechanismus der britischen Regierung erfolgen.

Wie geht es nun weiter?

Die Stärke des Tools – die Einbindung von privaten Versicherungen –  könnte sich als Klippe entpuppen. Das Online-Rentenkonto ist nämlich nur attraktiv, wenn sichergestellt werden kann, dass alle großen Versicherer ihre Daten zur Verfügung stellen und die virtuell präsentierten Rentenangaben vollständig sind. Das britische Finanzministerium hofft also auf die Kooperation der Versicherungsindustrie. Es ist aber auch bereit, diese Zusammenarbeit verpflichtend zu machen, sollte es auf freiwilliger Basis nicht klappen.

Großbritannien gilt übrigens als Vorreiter für das Angebot von Regierungsdienstleistungen im Internet. So standen die Briten in der E-Government-Umfrage der UNO im Jahre 2016 weltweit auf Platz eins. Deutschland ist in dem Ranking auf Platz 15 zwar oben mit dabei, kann aber definitiv in diesem Bereich noch das eine oder andere vom Vereinten Königreich lernen. Die Einführung eines deutschen Online-Rentenkontos wäre da ein Schritt in die richtige Richtung.

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