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Private Altersvorsorge

In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

Private Altersvorsorge | 20.4.2017 Drucken

Höchste Zeit für ein Online-Rentenkonto

Skandinavische Länder machen es vor, Deutschland hinkt hinterher: Ein übergreifendes Online-Rentenkonto lässt hierzulande immer noch auf sich warten. Dabei würde rund die Hälfte der Deutschen ein solches Konto sofort nutzen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

Schätzungen, wie hoch die Einkünfte im Rentenalter einmal sein werden, gehen oft daneben. Viele setzen die künftige gesetzliche Rente zu hoch an. Andere übersehen die Betriebsrente, die der Arbeitgeber zugesagt hat. Die Policen privater Rentenversicherungen verschwinden gewöhnlich nach dem Abschluss irgendwo in einer Schublade. Allenfalls mit den jährlichen Standmitteilungen der Altersvorsorgeträger oder mit der Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung taucht hin und wieder eine Information zur finanziellen Lage im Alter auf. Eine Zusammenschau aller Alterseinkünfte gibt es in Deutschland bislang nicht. Diesen Überblick muss sich jeder selbst verschaffen. Das machen aber nur die wenigsten.

Zustimmung zu Online-RentenkontoDaher fordern Experten schon seit Längerem ein übergreifendes individuelles Rentenkonto, das online jederzeit aufgerufen werden kann. Mit einem solchen Konto werden alle künftigen Rentenansprüche aufgeführt und summiert. In Skandinavien existieren solche Konten schon geraume Zeit. In Deutschland gibt es die eine oder andere Initiative dazu, mit minimalen Fortschritten. Dabei fände eine solche permanente Informationsquelle durchaus auch hierzulande Anklang. Knapp die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) gaben in einer Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) an, dass sie ein solches Konto nutzen würden. Die Männer (52 Prozent) mehr noch als die Frauen (42 Prozent). Wäre der Nutzen und die Funktionsweise dieses Rentenkontos ausreichend bekannt, stiege der Nutzerkreis wahrscheinlich sogar noch deutlich an. Rund ein Viertel der Befragten zeigte sich nämlich unentschieden. Lediglich 20 Prozent können mit einer solchen Informationsquelle nichts anfangen.

Akzeptanz durch unabhängigen Träger

41 Prozent der Befragten halten ein übergreifendes Online-Rentenkonto sogar für notwendig, wobei vor allem Männer für diese Dienstleistung plädieren (46 Prozent). Je höher das Einkommen der Befragten, umso höher ist der Anteil der Befürworter eines solchen Kontos. Damit es ausreichend Akzeptanz in der Bevölkerung findet, müsste es von einer neutralen und unabhängigen Stelle geführt werden, die mit keiner Einrichtung der Alterssicherung in Verbindung steht. Diese Forderung formulierte mit 62 Prozent der Befragten eine deutliche Mehrheit. Die gesetzliche Rentenversicherung oder die private Versicherungswirtschaft kommt also für eine Trägerschaft eher nicht in Frage. Die Einrichtung der Konten und die Bündelung der vielen Einzelinformationen könnte aber zum Beispiel als Dienstleistung ausgeschrieben werden. Dafür gibt es sogar schon ein Vorbild: die Produktinformationsstelle Altersvorsorge gGmbH (PIA). Sie übernimmt als neutrale Stelle im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen die Chancen-Risiko-Klassifizierung der geförderten Altersvorsorgeprodukte. Erhalten hat sie diese Aufgabe im Zuge einer öffentlichen Ausschreibung.

Datenschutz wird sehr hoch angesetzt

Eine solche neutrale Einrichtung könnte auch den Datenschutz gut gewährleisten. Den beurteilten die Befragten in der DIA-Erhebung nämlich als außerordentlich wichtig. Drei von vier sind der Meinung, dass der Datenschutz eines Online-Rentenkontos durch geeignete technische Maßnahmen gewährleistet werden muss. Die Sensibilität für den Datenschutz nimmt mit steigendem Alter zu. So forderten 84 Prozent der über 64-Jährigen einen ausreichenden Datenschutz. Dafür gibt es durchaus Lösungsmöglichkeiten. So müssen die vielen individuellen Daten beim Träger der Rentenkonten gar nicht ständig vorgehalten werden, sondern brauchen nur beim Online-Abruf des Versicherten erzeugt und zusammengeführt werden.

Von der Politik kamen bislang nur Lippenbekenntnisse

Die Deutsche Renteninformation e.V., ein Verein zur Förderung der Transparenz in der Altersvorsorge, wirbt schon seit etlichen Jahren für eine neutrale Plattform, auf der alle relevanten Daten im Bereich Altersvorsorge für die Bürger visualisiert werden. Das Projekt kommt jedoch nicht recht vom Fleck. Einer selbst verantworteten Initiative der verschiedenen Altersvorsorgeträger stehen die unterschiedlichen Interessen im Wege. Große Versicherer und Finanzvertriebe würden wahrscheinlich sofort bei einer entsprechenden Plattform mitmachen. Kleinere Pensionskassen hingegen sehen sich überfordert mit der permanenten Bereitstellung ihrer Daten. Die Träger der ersten Säule wie die Deutsche Rentenversicherung Bund, die Künstlersozialkasse oder die vielen berufsständischen Versorgungswerke wären ohnehin wohl nur auf Verlangen des Gesetzgebers mit von der Partie.

Die Politik gelangte aber bislang über einzelne Lippenbekenntnisse nicht hinaus. So halten zwar die meisten Abgeordneten eine größere Transparenz in der Altersvorsorge für geboten. Die Auflagen für die private Wirtschaft wurden in dieser Hinsicht zum Beispiel mit dem neuen Produktinformationsblatt, das seit Anfang dieses Jahres vorgeschrieben ist, auch schon verschärft. Ein übergreifendes Rentenkonto, mit dem die verschiedenen Altersvorsorgeansoprüche zusammengefasst werden, gehörte bislang aber nicht zu den ernsthaft vorangetriebenen Projekten.


Die deutschlandweite Umfrage zum Online-Rentenkonto führte das Meinungsforschungsunternehmen INSA Consulere vom 7. 4. bis zum 10. 4. 2017 durch. Daran nahmen 2030 Personen ab 18 Jahren teil.


 

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