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    Sparverhalten

    Auf der hohen Kante: So spart Deutschland.

    Sparverhalten | 15.11.2022 Drucken

    Investieren ist mehr als sparen

    Ende Oktober war es mal wieder so weit, die Uhr wurde auf Winterzeit umgestellt und es war Weltspartag. Beides wirkt wie aus der Zeit gefallen. Über die Abschaffung der beiden teuren Rituale wird schon lange diskutiert.

    Zeitgleich fällt auch der Startschuss für die jährliche Steuersparrally. Doch die Handlungsmöglichkeiten sind in den letzten Jahren stark geschrumpft. Vorbei sind die Zeiten, als man mit Schiffen, Flugzeugen oder Windrädern noch schnell Steuern sparen und vermeintliche Verluste in einen Gewinn wandeln konnte.

    Mittlerweile müssen Anleger gar nicht mehr in obskure Anlagen investieren, um unter dem Strich mit einem Minus rauszukommen. Es reicht schon das Sparbuch oder ein Guthaben auf dem Girokonto. Bei einer Inflation von ca. zehn Prozent und Guthabenzinsen von knapp über null Prozent ist der Wertverlust garantiert. Wer sein Geld einfach nur auf Tagesgeldkonten parkt, der verliert Geld. Experten sprechen von einem negativen Realzins. Mit jedem Zehntel Prozentpunkt mehr Inflation schmilzt die Kaufkraft des Spargeldes ab wie ein Alpengletscher in der Erderwärmung. Völlig unbeeindruckt von dieser Entwicklung feiern die Banken den Weltspartag und das klassische Sparbuch. Wie jedes Jahr fordern Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken am letzten Arbeitstag im Oktober auf, Geld zu sparen. Die Marketingabteilungen, vor allem von Spar- und Volksbanken, laufen an diesem Tag zur Höchstform auf. So manch lokaler Bankvorstand erklärte sogar die gesamte Woche zur Weltsparwoche.

    Deutsche halten an alten Gewohnheiten fest

    Als der Internationale Sparkassenkongress den Weltspartag im Jahr 1924 ins Leben rief, lohnte es sich noch, klassisch zu sparen. Das Geld auf den Sparkonten vermehrte sich, üppigen Zinsen und dem Zinses-Zins-Effekt sei Dank, wie von selbst.  Daran änderte sich auch in den kommenden Jahrzehnten nichts. Wer sein Geld auf Sparkonten parkte, wurde fürstlich belohnt. Für Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von zwölf Monaten bekamen Sparkassen- und Bankkunden in den 1940er bis 1960er Jahren vier bis fünf Prozent Zinsen pro Jahr. In den 1970er Jahren stieg der Zinssatz sogar zeitweise auf rund sieben Prozent. Auch wenn in diesen Phasen die Inflation wesentlich höher war, so verblieb immer noch ein positiver Ertrag und die Deutschen liebten es zu sparen.

    Losgelöst von der aktuellen Zinssituation zeigten sich die deutschen Sparer überraschenderweise bis jetzt äußerst beständig. Wer gemeint hatte, ohne Zinsen werde der Anreiz zum Sparen sinken und die Deutschen würden ihr ganzes Geld verjubeln, sieht sich eines Besseren belehrt. Knapp zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens legen die Deutschen Monat für Monat auf die hohe Kante. Die Ziele waren und sind dabei völlig unterschiedlich. Von der teuren Anschaffung über die eigene Immobilie bis zur Altersvorsorge. Manchmal ist es auch nur der Notgroschen für unvorhersehbare Ausgaben. Nur der gehört auf Sparbücher oder Tagesgeldkonten.

    Sparer verlieren und Anleger gewinnen

    Das Geld, das nicht kurzfristig für Notfälle zur Verfügung steht, sollte jedoch nicht gespart, sondern investiert werden. Aus dem Weltspartag sollte endlich ein Weltanlagetag oder noch besser ein Weltaktientag werden. Das fordern viele Experten schon lange. Eines wird gerade in diesen Tagen offensichtlich: Sparer verlieren und Anleger gewinnen. Aktien sind in den zurückliegenden Jahren, im Zuge der Nullzinspolitik und der stabilen wirtschaftlichen Entwicklung, gestiegen. Auch langfristig ist die Aktie die erfolgreichste Anlageklasse. Langfristige Investoren konnten in der Vergangenheit Renditen von durchschnittlich acht Prozent pro Jahr erzielen.

    Schwankungen des Depotwertes sind normal

    Allerdings gilt das nur, wenn Investoren langfristig engagiert sind. Wer nur kurzfristig am Aktienmarkt Geld verdienen will, sollte sich auf heftige Schwankungen seines Depotwertes einstellen. Korrekturen und mitunter auch ein Crash gehören zu einem Investment am Aktienmarkt dazu. Anleger sollten also bei einer Anlage einen ausreichend langen Anlagezeitraum einplanen. Der Einstiegszeitpunkt in den Aktienmarkt ist dabei für den Erfolg nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist immer der Zeitpunkt, wann das Kapital benötigt wird. Langfristig, das belegen viele Untersuchungen, wird das Risiko immer geringer und verschwindet irgendwann sogar ganz.

    Das Börsenjahr 2022 ist bis jetzt keine Erfolgsstory

    Zurzeit sind wieder viele Anleger verunsichert und zögern mit einem Einstieg in den Aktienmarkt. Die vorangegangenen Jahre liefen an den Aktienmärkten hervorragend. Lediglich die Corona-Pandemie sorgte im Frühjahr 2020 für einen heftigen Einbruch. Allerdings führten die massiven Stützungsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken dafür, dass die Märkte sich überraschend schnell erholten. In diesem Jahr zeigen sich die Aktien- und Rentenmärkte launisch. Seit Jahresbeginn korrigierten die großen Indizes stark und die Depots der meisten Anleger erlitten Verluste. Vor allem große ETF wie der MSCI World haben teilweise zweistellig verloren. Seit einigen Tagen scheint sich jedoch der Markt wieder zu drehen. Der DAX hat sich in der letzten Woche kräftig erholt. Auch in den USA spricht die Statistik für ein versöhnliches Ende. Der Grund sind die Midterm-Wahlen. Der S&P 500 ist im Jahr nach jeder einzelnen der 19 Midterm-Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen und kein einziger Fall verzeichnete eine negative Rendite.

    Beginnt jetzt die Jahresendrally?

    Viele Anleger wurden durch den plötzlichen Aufwärtstrend überrascht. Sie wollten einsteigen, wenn die Kurse wieder etwas günstiger sind. Wie so oft haben sie den besten Einstiegspunkt schon wieder verpasst. Dabei zeigen viele Untersuchungen regelmäßig, dass Market-Timing an der Börse eine recht aussichtslose Methode ist. Selbst Profis scheitern meist daran. Die letzten Wochen des Jahres sind immer ein guter Zeitpunkt, um über die eigene Zukunft, das neue Jahr und neue Ziele nachzudenken. Um Wertverlust durch Inflation zu vermeiden, müssen auch die konservativsten Anleger heute stärker ins Risiko gehen. Sie müssen ihr Geld arbeiten lassen und auch über Aktien nachdenken. Es lohnt sich immer noch. Mit der Zeitumstellung hat die Winterzeit begonnen. Häufig ist das der Beginn einer Jahresendrally.


    Markus Richert

    Gastautor Markus Richert ist CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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