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    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

    Die Börse im Blick: So wird investiert.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 12.12.2022 Drucken

    Mehr Performance durch weniger Fehler

    Im ausklingenden Jahr sorgten die sprunghafte Inflation mit den folgenden steilen Zinsanstiegen dafür, dass praktisch alle Anlageklassen unter die Räder kamen.

    Lediglich US-Dollar-Investments konnten für europäische Anleger einen positiven Performancebeitrag liefern. Auch Investoren, die gezielt auf die Kursschwäche bestimmter Anlageinstrumente oder Märkte setzten und Short-Positionen hielten, konnten Gewinne generieren. In solchen Phasen ist es noch wichtiger, Fehler bei der Portfoliostrukturierung und Titelselektion zu vermeiden.

    Transaktionshäufigkeit. Obwohl Konsens besteht, dass Aktien und aktienähnliche Anlagen langfristige Investitionen sein sollten, schichten viele Privatanleger zu häufig um. Die durchschnittliche Haltedauer bei Einzelaktien beträgt nur etwa sieben Monate. Bei Investmentfonds findet nach etwa zweieinhalb Jahren ein Tausch oder Verkauf statt. Das führt zu höheren Kosten und dazu, dass viele Anleger nicht an den nachhaltigen Entwicklungen der Börsen teilnehmen.

    Herdentrieb und Home-Bias. Privatanleger schwanken meist zwischen Angst und Gier und verfallen dann dem Herdentrieb. Der Fehler dabei: Sie kaufen, wenn alle kaufen, und verkaufen in Schwächephasen, wenn die Kurse niedrig sind. Die Verwendung von fast kostenfreien Handelsplattformen und Apps, die oft auf „die beliebtesten Finanzprodukte“ verweisen, verstärkt dieses Verhalten. Zudem kaufen Anleger oft Aktien, die ihnen vertraut erscheinen. Dabei bevorzugen sie in der Regel Aktien aus dem Heimatland (Home-Bias). Dadurch verzichten Anleger auf eine breite Streuung und erhöhen ihr Risiko.

    Grundrauschen erschwert die Orientierung

    Umgang mit der Informationsflut. Schnell und viel ist nicht gleich gut. Durch zu viele Informationen, die permanent veröffentlicht werden, entsteht ein Grundrauschen, das es schwer macht, wirklich relevante Informationen herauszufiltern. Mittlerweile erhalten Anleger extrem viele Informationen über das Internet. Auch beim Einsatz sozialer Medien ist Vorsicht geboten. Oft gehen Selbstentscheider nur noch über die angemeldete Plattform ins Netz. Da das Suchverhalten registriert wird, landet man letztlich immer auf den gleichen Seiten oder bei ähnlichen Informationen.

    Eine echte Horizonterweiterung findet dann nicht statt. Ein monatlich oder wöchentlich erscheinendes Fachmagazin ist völlig ausreichend. Außerdem sind hier die Textbeiträge ausführlicher und man erhält auch Informationen zu Themen, die man selbst vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat. Zusätzlich sollte man sich noch ein oder zwei Finanzportale im Internet aussuchen, mit denen man gut zurechtkommt

    Vorrang für Substanzwerte

    Riskante Themen-Wetten. Erfolgsstorys wie Google/Alphabet, Microsoft oder Nvidia haben Anlegern extreme Kursgewinne beschert. Doch wer kann schon sicher sagen, welche Technologie oder Entwicklung sich künftig durchsetzen wird? Für einen Einsteiger ist es daher besser, zunächst in Substanzwerte zu investieren. Nur ein kleinerer Teil des Vermögens sollte zu Beginn in Wachstumswerte investiert sein. Sonst besteht das Portfolio nur noch aus Metaverse-, Cannabis-, Lithium-, Start-Up- oder Krypto-Investments. Das Rückschlagpotential ist hier überproportional. Die Erholungsphasen dauern aber deutlich länger als bei bewährten Unternehmen, die Gewinne generieren und über ein krisenerprobtes Management verfügen.

    Nüchternheit bei extremen Entwicklungen

    Emotionen vermeiden. Anleger verlieben sich oft in ihre Aktien. Allerdings sollte man keine emotionale Bindung zu einem finanziellen Investment aufbauen. Hierdurch werden häufig Ausstiegszeitpunkte verpasst und Aktien zu lange gehalten. Extrem negative oder positive Eindrücke sollten nicht extrapoliert werden. Ich erinnere mich an Phasen mit sehr positiven Kursentwicklungen (zum Beispiel der Neue Markt in den 90er Jahren), in denen Kunden unterstellten, die Märkte werden sich jahrelang so weiterentwickeln, und schon planten, mit 45 in Rente zu gehen. Genauso unvernünftig ist es aber auch zu behaupten, dass eine negative Entwicklung immer so weitergeht und man dann in sechs oder sieben Jahren kein Geld mehr hat (zum Beispiel Zusammenbruch Dotcom-Blase, 9/11, Finanzkrise oder Pandemie).

    Trennungsschmerz verwinden

    Einstiegskurs verbilligen? Ein psychologisches Problem besteht darin, dass man sich nicht mit Verlust von Aktien trennen und Fehler eingestehen möchte. Orientiert man sich am Einstiegspreis und will diesen verbilligen, werden Aktien, die im Kurs gefallen sind, oft einfach nachgekauft. Meist gibt es aber einen fundamentalen Grund, warum ein Wert fällt. Wenn Unternehmen nachhaltig Probleme haben, das Management oft wechselt, Marktanteile verloren gehen, die Dividende ausfällt, Ergebniskorrekturen vorgenommen werden müssen oder Marktentwicklungen falsch eingeschätzt werden, sollte man sich von einem Wert trennen, auch mit Verlust. Nur wenn eher exogene Faktoren Kurse von Wertpapieren unter Druck bringen, die eigentlich einwandfreie Fundamentaldaten aufweisen, sollten Zukäufe erfolgen.

    Übergewichtungen bergen Gefahr

    Mangelnde Diversifikation. Privatanleger sollten zu starke Übergewichtungen von einzelnen Aktien unbedingt vermeiden, da Totalausfälle drohen, die die Performance von Jahren zunichte machen können. Bei kleineren Anlagebeträgen und längerem Anlagehorizont sind Aktienfonds oder gemischte Investmentfonds mit höherem Aktienanteil die bessere Wahl. Mit einigen dieser Hinweise kann man Fehler vermeiden und sich unnötige Buchverluste ersparen.


    Andreas Görler

    Gastautor Andreas Görler ist Senior-Wealth-Manager und zertifizierter Fachmann für nachhaltige Investments bei der -Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH in Berlin. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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