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    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

    Die Börse im Blick: So wird investiert.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 10.1.2023 Drucken

    Kryptoinvesting – geht noch was?

    Öffnet man die Internet-Seite der US-amerikanischen Handelsplattform Coinbase, findet man auf 300 Seiten Preisangaben für etwa 9.000 Assets, sprich Kryptowährungen.

    Gleichzeitig hat das Unternehmen im eigenen Transparenzbericht in den letzten vier Quartalen 12.000 Informationsabfragen von Strafverfolgungsbehörden vermerkt. Das entspricht einem Anstieg von 66 Prozent. Die meisten Anfragen beziehen sich dabei auf die USA. Über 1.000 Anfragen kamen aus Spanien, das waren immerhin 940 Prozent mehr als im Vorjahr. Da stellt sich schon die Frage: Was ist los mit dem Kryptoinvesting?

    Ende Mai 2022 hatte der Anbieter für Kryptowährungen „Voyager“, eine der bekanntesten Krypto-Börsen der Welt, Insolvenz angemeldet. Dadurch stehen rund 1,3 Milliarden Dollar an Krypto-Vermögen auf dem Spiel. Der Börsenkurs hat mittlerweile 98 Prozent von seinem Höchststand verloren. Nach der Pleite der Krypto-Börse FTX im November, die sich kurz vorher noch als Retter für Voyager versucht hatte, stehen weitere Plattformen unter Druck. Der Firmenlenker Bankman-Fried wird sich nun verantworten müssen.

    Gemein ist den meisten dieser Pleiten die völlige Unfähigkeit oder Ignoranz der Geschäftsführung bei Themen wie Buchhaltung und Risiko-Controlling, obwohl einige Akteure von Firmen, wie Jane Street, ausgebildet wurden, sich genau auf die Entwicklung und Bepreisung von Risikomodellen zu fokussieren. Vielmehr wird auf Probleme meist reflexartig mit unterschiedlichsten Vermeidungsstrategien reagiert, um die Fassade solange aufrecht zu erhalten, bis „sich das Problem schon lösen wird“. So wird die Implosion dann aber nur verzögert und schließlich verstärkt.

    Das große Problem von El Salvador

    Ist es schon für Anleger stressig, auf die fallenden Bitcoin-Kurse zu schauen, hat El Salvador ein noch größeres Problem. Das Land erklärte die Kryptowährung zum legalen Zahlungsmittel. Die Bürger können Waren und Dienstleistungen mit der virtuellen Währung bezahlen. Die Abwertung der Kryptowährung führte dazu, dass internationale Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit herabstuften. Da vor 20 Jahren auch noch der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel eingeführt wurde, gibt es aber keine eigene Landeswährung mehr. Einfach mehr Geld drucken – das geht also nicht.

    Reputation erlitt großen Schaden

    Mit der Plattform OneCoin entstand außerdem noch einer der größten Betrugsskandale, bei dem ca. zwei Millionen Anlegern auf der ganzen Welt ein Schaden von ca. drei Milliarden US-Dollar entstand. Die Plattform verkaufte Informationspakete mit Token auf eine eigene Kryptowährung, die „natürlich“ in Zukunft zu der führenden und weltweit anerkannten Kryptowährung avancieren würde. Echte Konten für die Kunden mit einer wirklichen Blockchain bestanden vermutlich nie. Die Gelder wurden einfach weitertransferiert und schließlich von den Organisatoren vereinnahmt. Um die Reputation des Kryptoinvesting ist es also gelinde gesagt nicht so gut bestellt.

    Blockchain bleibt trotzdem relevant

    Wendet man sich aber von der reinen Währungsbetrachtung hin zum Register für digitale Datensätze, Transaktionen und Ereignisse, kurz „Blockchain“, hat auf diesem Feld bereits eine Integration in unterschiedliche Prozesse stattgefunden. Blockchain-Applikationen sind, neben Kryptowährungen, auch Smart Contracts und dezentrale, autonome Organisationen. In der Finanzindustrie kann Blockchain bei Echtzeitüberweisungen, bei der Abwicklung von Aktien, Bonds und derivativen Finanzinstrumenten, bei der Information über die Kreditwürdigkeit, der Abwicklung von Konsortialkrediten, bei Crowdfunding oder im Compliance eingesetzt werden. Das Rechtswesen kann die Eigenschaft als manipulationssichere Datenbank oder bei der Übertragung von Eigentums- und Urheberrechten einsetzen. Im öffentlichen Sektor könnten Staaten beispielsweise Steuern über Blockchain-Systeme einziehen. In diesem Sektor sinken so die administrativen Kosten und Vorgänge beschleunigen sich. Im internationalen, öffentlichen Sektor kann die große Transparenz dazu führen, dass Korruption schwerer wird.

    Kryptoinvesting auf unterschiedliche Art und Weise

    Anleger, die dieses Thema trotz oder gerade wegen der extremen Kursbewegungen in ihr Depot mischen wollen, können bei Einzeltiteln beispielsweise Plattformanbieter wie Coinbase wählen, über die Kryptowährungen gehandelt werden, oder Grafikkartenhersteller wie NVIDIA oder AMD, da leistungsfähige Grafikkarten für die Umsetzung der Technologie wichtig sind. Softwareanbieter wie Microsoft wiederum bauen eine Blockchain-Umgebung für Unternehmen auf. Direktentwickler wie Advanced Blockchain wollen mit Eigenentwicklungen Blockchain-Applikationen schneller und effizienter machen. Einen echten Standard gibt es nicht. Daher ist es tendenziell für Privatanleger besser, aktive oder passive Fonds oder Zertifikate mit entsprechender Ausrichtung zu wählen.

    Nicht als Core-Investment geeignet

    Spätestens seit 2022, seit den enormen Reputationsschäden für das gesamte Segment, sollte klar sein, dass es sich maximal um eine selektive Beimischung für das Portfolio und nicht um ein Basisinvestment handelt. Von Investments, die keine soliden Fundamentaldaten aufweisen, deren Geschäftsführer als „Überflieger“ gelten und die bereits extreme Kurssteigerungen aufweisen, sollten man ohnehin die Finger lassen. Aufgrund der stark angestiegenen Zinsen und der damit verbundenen Kursreduktionen bei den meisten etablierten Assetklassen gibt es deutlich interessantere Opportunitäten im Aktien- und Rentensegment bei substanziell gut bewerteten Unternehmen. Daraus sollte der Kern eines gut strukturierten Portfolios bestehen.


    Andreas Görler

    Andreas Görler ist Senior-Wealth-Manager und Fachmann für nachhaltige Investments bei der -Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH in Berlin. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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