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    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

    Die Börse im Blick: So wird investiert.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 4.1.2023 Drucken

    Depot im Minus – was tun?

    Nach dem Corona-Crash schnellte das Interesse an der Geldanlage extrem in die Höhe. Mehr als zwölf Millionen Menschen waren 2021 in irgendeiner Form in Aktien investiert.

    Das ist die dritthöchste Zahl an Anlegern mit einem Depot seit über 20 Jahren, stellte das Deutsche Aktieninstitut mit seinen Erhebungen fest. Angefacht durch die Geldflut der Zentralbanken kannten Aktienkurse nur eine Richtung: nach oben.

    Die beliebten Neo-Broker wie Robinhood in den USA und Anlegerforen wie Reddit suggerierten: Geldanlage ist einfach und wer keine zweistelligen Renditen einfährt, hat keine Ahnung. Es erinnerte alles an die Tech-Explosion und den Neuen Markt von vor 20 Jahren.

    Nun ist die Nervosität an den internationalen Kapitalmärkten zurück und vielen wird bewusst, dass es hohe Renditen nicht umsonst gibt. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Frühjahr 2022 kannten die Börsen lange Zeit nur noch den Weg nach unten. Die global ansteigende Inflation, eine seit Jahrzehnten nicht mehr gesehene Ära von Zinsanhebungen, nicht enden wollende Lockdowns in China und zu guter Letzt eine drohende Rezession am Horizont vermiesten den Anlegern die Lust an Aktien wieder. Die schlechten Nachrichten scheinen kein Ende zu finden. Die Reaktion vieler Anleger: Höchste Zeit, die Verluste zu begrenzen, es kann ja nur noch schlimmer werden.

    Den Homo Oeconomicus gibt es nur in der Theorie

    Immer wieder verfallen Menschen in dieses Schema aus Euphorie und Depression. Fast jedes klassische wirtschaftswissenschaftliche Modell fußt auf dem sogenannten Homo Oeconomicus. Dies ist ein Mensch, der ausschließlich seine wirtschaftlichen Ziele verfolgt und dessen Verhalten zu jedem Zeitpunkt komplett rational und nutzenmaximierend ist. Allerdings gibt es diesen Homo Oeconomicus nur in der Theorie. Gerade an der Börse treffen fast alle Anleger Investitionsentscheidungen aus dem Bauch heraus. Folglich agieren die meisten Finanzakteure eher emotional getrieben statt, wie von der Wissenschaft unterstellt, ausschließlich rational. Dies führt oftmals dazu, dass Börsenkurse in euphorischen Aufwärtsphasen zu emotionalen Übertreibungen neigen. Solange es nach oben geht und die Gewinne sprudeln, ist die Welt in bester Ordnung. Doch irgendwann kommt die Zeit, in der sich der Trend ändert.

    Die Folgen der Verlustaversion

    In extremen Abwärtsphasen lässt sich das Phänomen der Übertreibung in die andere Richtung beobachten. Es zeigt sich, dass insbesondere in den negativen Phasen nicht mehr viel von einem rationalen, nutzenmaximierenden Marktakteur übrig ist. Viele Anleger geraten dann in Panik und verkaufen, um Verluste schnell zu begrenzen. Die Ursache liegt darin, wie wir Verluste wahrnehmen. Gemäß der nobelpreisgekrönten Prospect Theory von Daniel Kahnemann und Amos Tversky haben Menschen eine Verlustaversion. Wir nehmen Verluste tendenziell emotional stärker wahr als Gewinne. Folglich schmerzt uns der Verlust von 1.000 Euro viel stärker, als uns ein Gewinn von 1.000 Euro freut. Außerdem nimmt die Freude über Gewinne mit der Gewinnhöhe ab. Über einen Gewinn von 1.000 Euro freut man sich in der Regel nicht doppelt so viel, wie über einen Gewinn von 500 Euro. Bei Verlusten ist das genau umgekehrt. Der Schmerz nimmt mit steigendem Verlust immer weiter zu.

    Herdenverhalten in Krisenzeiten

    Das führt dazu, dass sich Anleger in der Krise irrational verhalten und ihnen so viel Geld durch die Lappen geht. Zwischenzeitliche Verluste führen schon zu Verunsicherung. Viele Anleger halten im ersten Moment noch an ihrer Investition fest. Geht es danach immer weiter abwärts, steigt der emotionale Druck. Am Ende halten sie den Schmerz eines potenziellen Verlustes nicht mehr aus und verkaufen mit Verlust. Insbesondere in Krisensituationen lässt sich ab einem bestimmten Punkt ein Herdenverhalten beobachten. Verkaufen immer mehr Anleger, ziehen andere nach und eine Abwärtsspirale setzt ein.

    Damit am Ende nicht immer nur renditeschädliche Verluste stehen, sollten Anleger lernen, rational zu bleiben, wenn alle anderen irrational sind. Allein das Bewusstsein, dass es sich um eine psychologische Falle aus Risikoaversion und Herdenverhalten handelt, kann helfen, rationale Entscheidungen zu treffen.

    Rückschläge gelassen ertragen

    Gerade in guten Börsenzeiten sollten Sie sich einen Plan zurechtlegen, wie Sie reagieren wollen, wenn das Blatt sich wendet und die Börsenkurse nach unten zeigen. Wenn die Kurse dann tatsächlich nachgeben, heißt es zuerst: Ruhe bewahren. Wenn Sie ein breit gestreutes und gut aufgestelltes Portfolio besitzen, ist eine Krise kein Grund zur Panik. Rückschläge sind an den Kapitalmärkten normal. Sie kommen in regelmäßigen Abständen immer wieder vor und sind unvermeidlich. Bedenken Sie: Rendite ist die Belohnung für das Eingehen von Risiken an der Börse.

    Als Nächstes sollten Sie die Chance günstiger Kurse nutzen. Betrachten Sie es wie einen Sonderrabatt beim täglichen Einkauf. Die größten Vermögen wurden in Krisen gemacht, denn der Gewinn liegt bekanntlich im Einkauf. Gerade wenn Sie von dem langfristigen Erfolg eines Unternehmens oder einer Anlage überzeugt sind, wäre es rational, zu günstigen Zeitpunkten an der Börse nachzukaufen. So erhöhen Sie die zukünftige Rendite.

    Die Rendite nach dem Rückschlag

    Außerdem: Denken Sie langfristig. Glauben Sie, dass sich die Weltwirtschaft in fünf oder zehn Jahren noch immer in der Krise befindet? Realistischer ist es eher, dass wir diese Phase dann schon längst überwunden haben. In der Vergangenheit haben sich die weltweiten Kapitalmärkte in den fünf bis zehn Jahren nach einer Krise immer wieder erholt. Rational handelnde Anleger konnten sich nach diesen Rückschlägen über traumhafte Rendite freuen. Andrè Kostolany, einer der bekanntesten Börsenlegenden, hat es mit zwei Zitaten auf den Punkt gebracht: „Börsengewinne sind Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld“ und „wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen“.


    Gastautor Leandro Barulli ist Vermögensverwalter bei der TOP Vermögen AG in Starnberg. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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