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Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 29.1.2021 Drucken

Europas Aktienmarkt hat Aufholpotenzial

Der Corona-Virus hat im vergangenen Jahr die Weltbevölkerung mit einer der größten Herausforderungen seit dem zweiten Weltkrieg konfrontiert.

Die Auswirkung der Pandemie auf die Wirtschaft hat dazu geführt, dass 2020 eines der wachstumsschwächsten Jahre für die Volkswirtschaft seit über 70 Jahren war. Lediglich die Volksrepublik China konnte sich diesem Trend entziehen.

Wirtshaft in der Corona-Krise

Der Balanceakt aus Sicherung der öffentlichen Gesundheit, Wahrung der persönlichen Freiheit und Rückkehr zu einer intakten Wirtschaft wird auch in diesem Jahr im Fokus stehen. Die Rückkehr in eine neue Normalität hängt stark von der Verfügbarkeit des Impfstoffes ab. Für die zukünftige Entwicklung der Aktienmärkte sowie die Kursentwicklung einzelner Unternehmen ist ebenfalls die Verfügbarkeit und die Wirksamkeit des Impfstoffes entscheidend. Sollte dies der Fall sein, werden auch die ambitionierten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsinstitute und Investmentbanken eintreffen. Erneute länger anhaltende nationale oder gar internationale Lockdowns über die dunkle Jahreszeit hinaus werden die Prognosen der Volkswirte ad absurdum führen und die Aktienkurse belasten.

Fünf Billionen Dollar zusätzliche Liquidität

Viele Anleger fragen sich, wie Aktienkurse auf Allzeithochs und dementsprechend höhere Bewertungen mit der sich weiter zuspitzenden Corona-Pandemie und der dadurch verursachten Rezession zusammenpassen. Dafür ist zunächst ein Blick auf den Rentenmarkt notwendig. Zur Finanzierung der sozialen und wirtschaftlichen Hilfspakete haben die Regierungen die Neuverschuldung deutlich gesteigert (11 Prozent des globalen BIP). Zeitgleich haben die fünf größten Notenbanken fünf Billionen US-Dollar Liquidität geschaffen. Sowohl Regierungen als auch Notenbanken haben signalisiert, auch künftig unterstützende Maßnahmen einzusetzen. Die Zinsen werden also global und insbesondere in Europa noch längerfristig niedrig bleiben. Dies belegt auch der Blick auf die Zinsstrukturkurve, die die Verzinsung von Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten verdeutlicht. Die Verzinsung deutscher Staatsanleihen ist bis einschließlich 30 Jahre Laufzeit negativ. Der fehlende Zins für sichere Anlagen steigert die Attraktivität von Aktien und rechtfertigt somit höhere Bewertungen und Kurse am Aktienmarkt.

Digitalisierung als Kurstreiber

Der große Gewinner des vergangenen Jahres war der Technologiesektor, da die Pandemie als Beschleuniger der Digitalisierung wirkte. Die fünf größten US-Technologiewerte (Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Facebook) machen mittlerweile rund 13 Prozent des MSCI Welt Index aus. Ihre Marktkapitalisierung ist somit größer als die der Volksrepublik China. Der Sektor wird weiterhin von der anhaltenden Digitalisierung, dem E-Commerce, dem Cloud-Computing und dem Start der 5G-Technologie profitieren. Dennoch könnten mögliche Kartelluntersuchungen oder neue Regulierungen Auswirkungen auf den Aktienmarkt haben.

Aufholpotenzial in Europa

Global betrachtet gibt es außerhalb der USA Aufholpotenzial. Die US-Börsen haben im vergangenen Jahr erneut besser abgeschnitten als die Indizes aus Europa oder den meisten Schwellenländern. Eine Ausnahme stellte China dar, dessen Wirtschaft auch im vergangenen Jahr wuchs. Seit November zeichnet sich eine Umkehr des vorher anhaltenden Trends ab. Die zuvor stark abgestraften europäischen Unternehmen wurden wegen der Meldung des Impfstoffes nachgefragt. Die deutlich günstigere Bewertung diesseits des Atlantiks und der Ausblick auf stärkeres Gewinnwachstum begründet das Aufholpotenzial auf dem Aktienmarkt in Europa. Die Nachzügler aus dem letzten Jahr sollten die Outperformer dieses Jahres werden. Zudem bieten Aktien aus Großbritannien Potenzial, die wegen der Unsicherheit über den Ausgang des Brexits von Anlegern in den vergangenen Monaten und Jahren gemieden wurden.

Zudem sollte der Aktienmarkt in den Schwellenländern vom globalen Wirtschaftswachstum und Ausblick auf stabilere politische Beziehungen mit den USA profitieren. Insbesondere gilt dies für Asien, wo Unternehmen aus langfristigen Trends Nutzen schlagen. Dort werden viele Produkte produziert, auf die wir bei der Digitalisierung, dem Ausbau des 5G-Netzes und den ehrgeizigen Zielen einer nachhaltigeren Energiegewinnung nicht verzichten können. Neben den Schwellenländern bieten mittelgroße Unternehmen Chancen, in diesem Jahr besser als die traditionellen Blue Chips abzuschneiden.

Notenbanken stabilisieren Anleihen

Die Corona-Pandemie hat kurzfristig das Risikobewusstsein bei Anlegern zurückgebracht. Anleihen von Staaten und insbesondere Unternehmen wurden im März verkauft, da das Ausfallrisiko sehr präsent wurde. Durch das konsequente Einschreiten der Notenbanken dauerte diese Phase jedoch nur kurz an. Heute sind die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen und sogar von Hochzins- und Schwellenländeranleihen nicht mehr weit von den Vorkrisenniveaus entfernt. Rentenpapiere bieten Anlegern nur geringe Erträge, dafür aber Stabilität, da die Notenbanken als treuer Käufer der Papiere die Kurse stabilisieren. Ein Ende dieses Kaufprogramms ist in Europa nicht abzusehen. Sollte sich die Konjunktur nicht so positiv entwickeln, wie von den meisten Anlegern aktuell erwartet, dann sollten Anleihen die Depots stabilisieren. Das ist die Belohnung für den Renditeverzicht gegenüber der Anlageklasse Aktien.

Geschwächte Wirtschaft wird sich erholen

Es wäre vermessen in der aktuellen wirtschaftlichen und Corona-geprägten Lage solche deutliche Kursanstiege, wie sie seit April 2020 stattfanden, zu erwarten. Aber man kann davon ausgehen, dass die Sicherung der öffentlichen Gesundheit im Verlauf des Jahres gelingen wird und sich die deutlich geschwächte Wirtschaft erholt. Die Fiskalpolitik der Regierungen und die Geldpolitik der Notenbanken werden alles dazu beitragen, dass der wirtschaftliche Aufschwung 2021 und 2022 kommt. Die Renditen bei Anleihen bleiben gering, dafür aber bietet die Anlageklasse Stabilität. Der Ausblick auf anhaltend niedrige Zinsen rechtfertigt zugleich höhere Bewertungen von Aktien.

Die Unternehmen und Sektoren, die im vergangenen Jahr profitieren konnten, haben wegen des beeindruckenden Wachstums eine deutliche Bewertungsprämie aufgebaut. Sollte in den kommenden Monaten die Wachstumsbelebung der Wirtschaft gelingen, bieten günstig bewertete Substanztitel und der ins Hintertreffen geratene europäische Aktienmarkt Aufholpotenzial. Höchsten Wert besitzt weiterhin die breite Diversifikation der Anlageklassen und innerhalb der jeweiligen Anlagekategorien. Nur so sind auch im kommenden Jahr stabile Renditen möglich.


Gastautor Titus Schlösser ist geschäftsführender Gesellschafter der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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