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Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 11.11.2017 Drucken

Altersvorsorge – ohne Garantien, aber mit Rendite

Unabhängig davon, wann wir in den Ruhestand gehen, die gesetzliche Rente wird in vielen Fällen nicht ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu halten.

Um keine wesentlichen Abstriche im Ruhestand machen zu müssen, sollten 80 bis 85 Prozent des letzten Nettogehaltes ausreichen. Das Problem: Es ist davon auszugehen, dass das Rentenniveau zum Jahr 2030, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, auf ca. 43 Prozent sinkt. Damit ist aber nicht die Ersatzrate des bisherigen Einkommens gemeint, die kann sogar noch niedriger sein.

Altersvorsorge – ohne Garantien, aber mit Rendite!

Schon seit Jahren ist es daher sinnvoll, selbst einen Teil der Altersvorsorge in die Hand zu nehmen. Leider ist das bisherige Anlageverhalten nicht mehr geeignet, einen Substanzerhalt zu gewährleisten, geschweige denn einen Vermögensaufbau. Die Problematik besteht darin, dass von den 5,7 Billionen Euro Anlagevermögen 3,5 Billionen auf Tagesgeld-, Spar- und Festgeldkonten geparkt sind. Etwa eine Billion ist in Lebensversicherungen investiert.

Bei dem aktuellen Zinsniveau gibt es für sichere Einlagen praktisch keine Nominalverzinsung mehr. Einige Kreditinstitute reagieren bereits mit Abwehrkonditionen. Sie verlangen Negativzinsen oder Verwahrentgelte bei größeren Beträgen. Auch das klassische Modell der Lebensversicherer gerät ins Wanken. Hier wird hauptsächlich in verzinsliche Wertpapiere investiert. Des Weiteren bestehen noch zusätzliche Vorgaben hinsichtlich der Bonitäten der einsetzbaren Anleihen.

Realverzinsung ist bereits negativ

Für private Sparer ist die nominale Verzinsung ihrer Einlagen besonders greifbar. Häufig ist sie den Konditionen einer Geldanlage direkt zu entnehmen. Sie steht bei Anlageentscheidungen daher oft im Vordergrund. Nominalzinsen sind der aus Zinszahlungen bestehende Ertrag einer Geldanlage in Relation zu ihrem Nennwert. Bei dieser Betrachtung bleibt jedoch unberücksichtigt, dass die Kaufkraft der nominalen Verzinsung mit der Inflationsrate schwankt.

So führt eine den nominalen Zins übersteigende Inflationsrate zwar zur Erhöhung des Geldvermögens durch die Zinseinkünfte in nominaler Betrachtung, damit können aber trotzdem weniger Güter und Dienstleistungen als zuvor erworben werden. Ein Zitat unseres ehemaligen Finanzministers sollte hier als Warnung genügen: „Wir müssen uns damit abfinden, dass es für risikofreie Anlagen keine Realzinsen mehr gibt.“ In diesem Satz überlässt Wolfgang Schäuble es der Inflation, die Renditen liquider und risikoarmer Investments in den negativen Bereich zu schicken. Jedoch bereits heute existieren Girokonten mit Negativzinsen. Ebenso ist die Nominalrendite von Bundesanleihen erst ab einer Laufzeit von acht Jahren positiv. Es bedarf also nicht einer Geldentwertung, um Substanzverluste mit klassischen Geldanlagen einzufahren.

Konditionierung auf passives Anlageverhalten

Ein weiteres Problem besteht bei den deutschen Anlegern, die seit den 50er und 60er Jahren „gelernt“ haben, mit Lebensversicherungen ihr Geld steuerfrei quasi zu verdoppeln. Zusätzlich konnten mit sicheren deutschen Anleihen ordentliche Zinserträge erzielt werden und Aktien wurden mit Risiko gleichgesetzt. Die Altersvorsorge über die gesetzliche Rentenversicherung, Lebensversicherungen, festverzinsliche deutsche Staatsanleihen und Festgelder zu gestalten – diese jahrzehntelang antrainierte Mentalität greift nicht mehr. Allerdings ist es auch verständlich, dass das eigene Sparverhalten nicht in wenigen Jahren verändert werden kann.

Gern wird hier angeführt, dass es den deutschen Anlegern an wirtschaftlicher Bildung fehlt und entsprechende Unterrichtsfächer in das Schulsystem implementiert werden sollten. Wenn das aber der entscheidende Malus wäre, müssten Anleger im anglo-amerikanischen Raum alle Finanzgenies sein. Dort sind die Aktienquoten traditionell deutlich höher. In diesen Ländern existiert oft historisch keine belastbare staatliche Altersvorsorge. Die Rücklagen werden über Pensionsfonds von Unternehmen offensiver in internationale Aktienportfolios investiert ohne direkte Einflussnahme des Arbeitnehmers. Auch wenn Themen wie „Zinseszinseffekt bei Geldanlagen“ oder „Renditeberechnungen“ in den Mathematikunterricht eingearbeitet werden: Wenn ein angepasstes Sparverhalten nicht vorgelebt wird, hapert es meist bei der Umsetzung.

Übliches Risikoprofil hilft nicht mehr weiter

In der Zeit von 2010 bis 2015 konnte mit der 80/20-Strategie noch eine jährliche Rendite von 4,3 Prozent erzielt werden. Das bedeutete, 80 Prozent des Anlagevermögens in festverzinsliche deutsche Anleihen mit hoher Bonität und 20 Prozent in deutsche Aktien zu investieren. Der Rentenanteil steuerte dabei 2,45 Prozent bei. Auf die Aktien entfiel ein Ertragsanteil von 1,85 Prozent. Würde diese Strategie für fünf Jahre fortgeführt, könnte höchstens noch ein Gesamtertrag von 1,5 Prozent erzielt werden. Dabei würden nur noch 0,1 Prozent durch die Rentenpapiere beigesteuert. Wohlgemerkt handelt es sich hier jeweils um Bruttorenditen vor Kosten und Steuern.

Es ist daher für akzeptable Renditen notwendig, den Aktienanteil in den Portfolios deutlich zu erhöhen. Außerdem muss man aktiv werden beim Einsatz von Rentenpapieren und sich verstärkt auch Unternehmensanleihen und Währungsanleihen anschauen. Nach aktuellen Erhebungen wird ein Aktienanteil von ca. 55 Prozent benötigt, um nach Kosten und Steuern eine jährliche Wertsteigerung von zwei Prozent zu erzielen. Das bedeutet allerdings automatisch, dass sich der deutsche Anleger auf höhere Volatilität im Portfolio einstellen und diese auch aushalten muss.

Teure Garantien

Das Sicherheitsdenken und der Wunsch nach Garantien sind immer noch stark verankert. Von einer Aktienkultur wie in den USA oder Nachbarländern in Europa ist Deutschland noch weit entfernt. So bevorzugen viele Kunden immer noch Anlagestrategien mit niedrigen Mindestverzinsungen ohne hohe Risiken gegenüber Strategien mit einem höheren Chance-Risiko-Profil. Vielen Kunden sind der Preis einer Kapitalgarantie und der Zusammenhang mit dem Zinsniveau einer Volkswirtschaft immer noch nicht klar. Garantien sind umso teurer, je niedriger das Zinsniveau ist. Bei einem „sicheren Zins“ von 0,5 Prozent betragen die Garantiekosten bereits das Doppelte der eingezahlten Beiträge. Insbesondere bei langen Laufzeiten stehen die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Altersvorsorge auf mehrere Säulen verteilen

Für die meisten Menschen bleibt die gesetzliche Rente das wichtigste Standbein. Viele Unternehmen bieten auch unterschiedliche Varianten der betrieblichen Altersvorsorge. Die Angebote sind allerdings nicht immer besonders transparent. Eine externe Beratung ist daher zwar kostenpflichtig, aber hilfreich.

Bereits in jungen Jahren sollte mit der privaten Altersvorsorge begonnen werden. Schon 50 Euro im Monat, in einen oder zwei internationale Aktienfonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten investiert, entwickeln sich nach 20 Jahren zu ca. 20.000 Euro. Nach 30 Jahren kann mit ca. 40.000 Euro gerechnet werden. Hierbei wurden eine jährliche Rendite von fünf Prozent und Spesen für den Kauf von einem Prozent unterstellt. Je nach ausgewählter Bank können die Kosten noch optimiert werden. Die Ratenhöhe und die gewählten Fonds können jederzeit angepasst werden. Wenn sich bereits ein gewisser Vermögenswert gebildet hat, ist es ratsam, das Portfolio rechtzeitig umzustrukturieren. Das gilt ebenso gegen Ende der Sparphase. Eine regelmäßige und unabhängige Beratung vermeidet meist negative Überraschungen in der Auszahlphase. Garantien gibt es dafür nicht. Aber die braucht eigentlich auch keiner.


Andreas Görler

Ab und zu schreiben Experten für das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), die nicht zum Kernteam gehören. Aber was bedeutet das schon. Gäste empfängt man immer am wärmsten.

Wie Andreas Görler. Er ist senior Wealth Manager der Wellinvest Pruschke & Kalm GmbH in Berlin

 

 

 

 

 

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