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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 8.10.2019 Drucken

Renten-Jojo wird ausgebremst

Der Wahlkampf für die Bundestagswahl liegt noch in weiter Ferne. Bundesarbeitsminister Heil ergreift nichtsdestotrotz schon mal erste Maßnahmen und will die Rentenformel ändern.

Die Statistik kommt den Parteien nämlich in die Quere. 2020 steht nach der geltenden Gesetzeslage ein starker Rentenanstieg ins Haus. 2021 jedoch gäbe es dann nur eine mickrige Anhebung. Das vermiest ausgerechnet im Wahljahr die Stimmung unter den Rentnern. Diesen Renten-Jojo will der Bundesarbeitsminister verhindern, mit einer Änderung der Rentenberechnung.

Auslöser für den Renten-Jojo ist ein Sondereffekt, der sich aus Korrekturen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ergibt. Diese finden turnusmäßig statt. Dieses Mal verändern sich dadurch die statistischen Werte für die Lohnentwicklung. Die Veränderungsrate der Löhne ist aber Maßstab für die Rentenanpassung. Allein aus der statistischen Korrektur, so Schätzungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, kommt es zu einem Sondereffekt bei der Rentenanpassung 2020 um zwei Prozentpunkte. Ergäbe sich ohne Korrektur eine Rentensteigerung von drei Prozent, stiegen die Renten dann insgesamt um fünf Prozent.

Statistikeffekt wird wieder einkassiert

Darüber würden sich im nächsten Jahr zweifelsohne alle Rentner freuen. Die Steigerung hat nur einen Haken. Der Statistikeffekt von 2020 wird bei der nächsten Rentenberechnung wieder einkassiert. Das wäre dann aber ausgerechnet das Wahljahr. Wenn wiederum auf der Basis der eigentlichen Lohnentwicklung ein Plus von drei Prozent anstünde, bliebe am Ende nur ein Prozent Zuwachs übrig.

Korrektur der Lohnentwicklung

Dieses Hickhack beruht nicht auf bösem Willen der Statistiker, sondern ist die Folge neuer Datenerhebungen durch das Statistische Bundesamt. Dabei stellte sich heraus, dass die Löhne und Gehälter in der jüngeren Vergangenheit etwas schneller gestiegen sind, als bislang angenommen. Daher korrigieren die Statistiker rückwirkend für 20 Jahre in ihren Tabellen die Lohnentwicklung um jährlich 0,1 Prozentpunkte. Die Bruttolohnsumme beeinflusst aber über die Rentenformel die jährliche Rentenanpassung. In dem Übergangsjahr werden dann Zahlen vor der Revision mit Zahlen nach der Revision verglichen. Im Jahr darauf folgt dann die Rolle rückwärts, weil sich diese rein statistisch bedingten Änderungen wieder ausgleichen.

Minister entschärft Zündstoff beizeiten

In der mehrjährigen Betrachtung spielt das unter dem Strich keine Rolle, aber 2020 und 2021 folgt die jährliche Rentenanpassung dadurch nicht wie gewollt der jeweiligen Lohnentwicklung. Einen ähnlichen Effekt gab es schon 2014, damals hatte das zu einer heftigen öffentlichen Reaktion geführt. Ähnliches will Bundesarbeitsminister Heil 2021 verhindern. Die Diskussion ist wegen der Auseinandersetzungen um die geplante Grundrente ohnehin schon aufgeheizt. Neuen Zündstoff will der Minister daher beizeiten entschärfen. Wenn die Korrektur der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht derart aufs Wahljahr durchschlagen würde, bliebe wahrscheinlich alles beim Alten.

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