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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 1.6.2015 Drucken

12 Monate später: Die Spuren der Rente mit 63

Vor einem Jahr trat das Rentenpaket der Großen Koalition in Kraft. Zwölf Monate später zeichnen sich die Folgen bereits ab. Das zeigt eine Auswertung des Rentenzugangs im vergangenen Jahr: Die Zahl der neuen Rentner stieg um mehr als zwölf Prozent. Der Trend beim Zugangsalter kehrte sich um, die Neurentner, zumindest die Männer, beginnen ihre Rente wieder früher. Positive Veränderungen, vor Jahren mit Reformen in Gang gesetzt, stoppen.

Nicht alles geht aufs Konto des Rentenpakets. Auch einige demografische Effekte haben 2014 den Anstieg der Rentenzugänge um 153.000 auf 1,362 Millionen bewirkt, der allein durch die Altersrenten zustande kam. Diese nahmen um 175.000 beziehungsweise 27,1 Prozent noch deutlich stärker zu.

12 Monate später: Die Spuren der Rente mit 63Renten wegen Todes und wegen verminderter Erwerbsfähigkeit hingegen gingen zurück. In den Statistiken der Rentenversicherung schlägt sich nieder, dass mittlerweile die stärker besetzten Geburtsjahrgänge das Rentenalter erreichen. So gibt es einfach mehr Menschen, die die Regelaltersgrenze überschreiten. Der 1949er Jahrgang, der 2014 das 65. Lebensjahr vollendete, ist um zehn Prozent größer als der Geburtsjahrgang 1948. Doch dieser Basiseffekt wurde zugleich von mehreren politischen Entscheidungen der Großen Koalition überlagert. Seit dem 1. Juli 2014 können Versicherte bereits ab der Vollendung des 63. Lebensjahres ihre Rente antreten, vorausgesetzt sie waren 45 Jahre lang versichert. Diese neue Rente mit 63 haben 136.000 Personen im zweiten Halbjahr 2014 wahrgenommen, überwiegend Männer (71 Prozent).

Damit trat erwartungsgemäß ein, was die Kritiker zu Recht bemängelt hatten. Die Rente mit 63 begünstigt eindeutig Männer, weil ihre Chancen auf 45 Versicherungsjahre viel größer sind. Die relativ große Zahl in kurzer Zeit ist auch darauf zurückzuführen, dass Versicherte auf das Rentenpaket spekulierten und einen eigentlich früher geplanten Rentenbeginn mit Abschlägen aufschoben, um von der neuen Regelung zu profitieren.

Die Wirkungen der „neuen Mütterrente“

Aber auch die Zahl der Frauen, die 2014 erstmals eine Altersrente bezogen, stieg um 103.600 und damit sogar stärker als der Neuzugang der Männer. Diesen Effekt löste die Mütterrente aus. 64.000 davon sind nämlich sogenannte „neue Mütterrenten“: Da Frauen mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, ein weiteres Kindererziehungsjahr angerechnet wird, erreichten diese erstmalig die Wartezeit für einen Rentenanspruch. Das sind überwiegend Frauen über 65 aus Westdeutschland.

Positiver Trend bricht erst einmal ab

Die neuen Mütterrenten haben einen Nebeneffekt, der die Trendumkehr beim Zugangsalter verschleiert, sofern die einzelnen Einflüsse nicht sauber getrennt werden. Durch die Anhebung des Renteneintrittsalters und das Auslaufen von vorgezogenen Rentenarten war in jüngerer Vergangenheit das durchschnittliche Alter der Neurentner gestiegen. Die Rentenreformen der Vergangenheit wirkten also positiv. Ältere Menschen blieben länger im Erwerbsprozess. Auch 2014 ist das Zugangsalter insgesamt von 64,1 auf 64,9 Jahre gestiegen. Doch diese Zahl wird durch Sondereffekte verzerrt. Das Alter der Männer, die 2014 in Altersrente gingen, sank nämlich um 0,1 Jahre auf 64 Jahre – eine Folge der Rente mit 63. Der positive Trend bricht damit erst einmal ab. Das war abzusehen.

Sondereffekt wird sich nicht wiederholen

Lediglich die neuen Mütterrenten trieben einmalig das Zugangsalter nach oben. Viele Frauen über 65 Jahre, die bislang keine Rente erhielten, besitzen nunmehr durch das zusätzliche Kindererziehungsjahr einen Rentenanspruch. Das schiebt das durchschnittliche Zugangsalter der Frauen um 1,6 Jahre auf 65,8 Jahre besonders stark nach oben. Dieser Sondereffekt wird sich 2015 nicht wiederholen. Daher ist zu befürchten, dass die Rente mit 63 noch deutlicher auf das effektive Renteneintrittsalter durchschlägt.

Weniger vorgezogene Renten mit Abschlägen

Mütterrente und Rente mit 63 hatten auch auf die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge im Neuzugang Einfluss. Bei den Männern stiegen sie gegenüber dem Vorjahr von 913 Euro um 6,7 Prozent auf 975 Euro. Ein Teil der Steigerung geht auf die Rentenanpassung zurück. Der andere Teil auf die Rente mit 63, weil dadurch der Anteil der vorgezogenen Renten mit Abschlägen kleiner geworden ist. Außerdem waren dadurch im Rentenzugang 2014 vermehrt Personen mit längeren Erwerbsbiografien zu finden. Nach den Auswertungen der Rentenversicherung Bund haben sich bei den Männern im Vorjahresvergleich für die Berechnung der Altersrente die durchschnittlich berücksichtigten Beitragsjahre um rund ein Jahr auf 40 Jahre erhöht.

Viele Frauen mit niedrigen Renten

Der umgekehrte Effekt war bei den Frauen zu beobachten. Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag sank von 546 Euro auf 533 Euro (-2,4 Prozent). Wegen der neuen Mütterrente gab es viele Frauen mit wenigen Versicherungsjahren und niedrigen Renten. Ohne diesen Einmaleffekt wären die Durchschnittsrenten der Frauen gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen, unter anderem wegen des zusätzlichen Entgeltpunkts für Kinder, die vor 1992 geboren wurden.

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