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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 10.10.2017 Drucken

Schrumpfung vorerst abgesagt

Die Schrumpfung der deutschen Bevölkerung, wie sie bislang von den Demografen vorhergesagt worden ist, findet so vorerst nicht statt. Zumindest nicht bis 2035. Aber an der Alterung führt dennoch kein Weg vorbei.

Zu dieser Feststellung kommt das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) auf der Grundlage einer eigenen Bevölkerungsprojektion für Deutschland. Ergebnisse und Schlussfolgerungen daraus stellte Dr. Hans-Peter Klös, Leiter des Wissenschaftsbereichs am IW Köln, während der Herbstgespräche in Berlin Anfang Oktober vor. Zur anstehenden Regierungsbildung gab er den Politikern gleichzeitig einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg: Die vor uns liegende Legislaturperiode wird die letzte günstige demografische Phase sein. Dann treten die geburtenstarken Jahrgänge in die Rentenzeit ein.

DemografieAber zunächst findet bis 2022 ein Anstieg der Bevölkerung bis auf rund 84 Millionen statt. Erst danach setzt wieder ein Bevölkerungsrückgang ein. Grund für diese von den bisherigen Projektionen abweichende Entwicklung ist die große Nettozuwanderung, die in den letzten Jahren stattfand. Diese Zuwanderung hält zwar die Schrumpfung der Bevölkerung zunächst auf, die Alterung kann sie allerdings nur etwas verlangsamen. Diese wiederum führt zu teilweise gravierenden Veränderungen in den Altersgruppen der erwerbstätigen Personen. So wachsen die beiden Gruppen der 60- bis 64-Jährigen und der 65- bis 69-Jährigen bis zum Jahr 2035 erheblich an. In diesen beiden Gruppen entsteht großes Potential für den Arbeitsmarkt. Vorausgesetzt, es gelingt, sie länger im Arbeitsprozess zu halten. Da aber die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ab Mitte der 2020er Jahre stetig abnimmt, bleibt der Wirtschaft eigentlich gar nichts anderes übrig.

Arbeitsvolumen sinkt

Diese Entwickung hat mehrere Effekte. Gleichlaufend mit der Abnahme der Erwerbspersonen sinkt das Arbeitsvolumen. Die Entwicklung verläuft zudem in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. Das zeigt der länderspezifische Altersquotient. Er stellt das Verhältnis her zwischen den Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren zu den 65-Jährigen und Älteren. In Berlin steigt er bis 2035 nur minimal von 26 auf 30. In Mecklenburg-Vorpommern hingegegen verdoppelt er sich nahezu. 2015 lag der Quotient bei 32, bis 2035 wächst er auf 60 an. Das heißt, auf 100 Erwerbsfähige im Alter zwischen 20 und 64 Jahren kommen dann etwa 60 Rentner. Berlin profitiert vom Zuzug vieler junger Menschen. In Mecklenburg-Vorpommern hinterlässt dagegen der Wegzug vieler arbeitsfähiger Personen tiefe Spuren in der Altersstruktur.

Wachstumspfad schwächt sich ab

Das IW sagt auch erhebliche Steueraufkommenseffekte durch den demografischen Wandel voraus. 2025 hat das Steueraufkommen noch eine jährliche Zuwachsrate von mehr als zwei Prozent. Danach aber wird die Wachstumsrate immer kleiner. Ab 2029 kommt es zu einem regelrechten Einbruch der Rate. Die ungünstige Demografie verursacht eine Abschwächung des Wachstumspfades der deutschen Wirtschaft. Projektionen für die Veränderung des realen Bruttoinlandsproduktes je Erwerbstätigen und je Einwohner zeigen wiederum, wie sich Verteilungsspielräume verändern. So nimmt nach den Berechnungen des IW Köln die Veränderung je Erwerbstätigen bis 2035 noch um mehr als 20 Basispunkte zu. Darin spiegelt sich die Abnahme der erwerbsfähigen Personen wider. Bezieht man das Wachstum jedoch auf die Gesamtzahl der Einwohner, so nimmt die Rate um rund 30 Basispunkte ab. An diese Entwicklung, so Dr. Hans-Peter Klös, knüpfen Verteilungsdebatten an. Gleichzeitig nehmen durch die Alterung der Gesellschaft nämlich die Pro-Kopf-Ausgaben in den Sozialversicherungen erheblich zu.

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