Nachricht an die Redaktion

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 13.12.2017 Drucken

Immer mehr Stadtkinder durch Bildungswanderung

In städtischen Ballungsräumen wachsen immer mehr Kinder auf. Hauptursache dafür ist aber nicht eine höhere Geburtenrate, sondern eine Bildungswanderung.

Wer heutzutage eine große Auswahl von Ausbildungsstellen und Studienplätzen sucht, landet häufig in Städten wie Berlin, Dresden oder Potsdam. Für junge Menschen steht nach der Auswahl der Wunschstelle in vielen Fällen ein Umzug an. Infolgedessen verlassen immer mehr Jüngere ihren ländlichen Heimatort und ziehen in die Stadt.

Immer mehr Stadtkinder durch BildungswanderungDiese Erkenntnis überrascht nicht. Die wirkliche Neuigkeit ist, dass diejenigen, die für ihre Ausbildung in einen Ballungsraum umziehen, diesen im Anschluss oftmals nicht mehr verlassen. Die Bildungswanderer gründen Familien und führen somit zu einer steigenden Anzahl von Geburten in kreisfreien Städten.

Der Zuwachs von Kindern ergibt sich demzufolge nicht aus einem Umzug von Familien, sondern durch die noch werdenden Eltern. Das geht aus einer neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor. Demnach kam es im Zeitraum von 2005 bis 2015 zu einer deutlichen Verschiebung der Kinderzahlen vom ländlichen Raum hin zu den städtischen Zentren. Untersucht wurde innerhalb von zehn Jahren, wo Kinder unter sechs Jahren in Deutschland leben. Diese Altersgruppe ist besonders ausschlaggebend für Wanderungsentscheidungen, da nach der Einschulung Eltern zum wesentlichen Teil ihre Wohnortwahl getroffen haben. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich aber auch bei älteren Kindern ab.

Mehr Kinder in den Städten trotz geringerer Geburtenrate

Die Anzahl der Kinder ist in zehn Jahren in Mittel- und Großstädten um fast 13 Prozent gestiegen. In Landkreisen hingegen sank die Quote um sechs Prozent. In mehr als 80 Prozent der Kreise wurden weniger Kinder geboren also zuvor. Das ist eine deutlichere Veränderung als noch vor zwölf Jahren. Damals war der Anteil unter Sechsjähriger in den Landkreisen um 5,4 Prozent höher als in den Ballungsräumen. Dieses Verhältnis hat sich mittlerweile umgedreht. Es gibt inzwischen dreimal so viele Städte wie Landkreise mit überdurchschnittlich vielen Kindern. Die zurückfallenden Regionen verlieren insgesamt an Bevölkerung.

Die unterschiedliche Entwicklung der Geburtenzahlen hat aber nichts mit einer tatsächlichen Veränderung des regenerativen Verhaltens zu tun. Es ist also nicht so, dass Frauen in Ballungsräumen mehr Kinder gebären als in ländlichen Regionen. Ganz im Gegenteil: Auf dem Land bekommen Mütter im Schnitt mehr Nachwuchs als in der Stadt. Der springende Punkt ist die Altersstruktur. Die Anzahl von Frauen im reproduktiven Alter ist in den Städten um ein Vielfaches höher als in den Landkreisen. Das wiederum hat hauptsächlich mit der Zuwanderung zu tun. Wenn eine junge Frau aus ihren Heimatdorf in die Großstadt zieht und dort Nachwuchs bekommt, gibt es in dem kleinen Örtchen weniger und in der Großstadt mehr Kinder. Folglich sinkt beziehungsweise steigt die Geburtenrate der jeweiligen Region. Die Frau hat aber nicht mehr Kinder bekommen, weil sie umgezogen ist.

Stadtleben trotz vieler Nachteile bei Familien beliebt

Gerade die passende Arbeitsstelle, eine gute öffentliche Infrastruktur oder abwechslungsreiche Unternehmungsmöglichkeiten locken besonders junge Menschen in die Städte. Viele von ihnen bleiben auch nach der Ausbildungszeit und gründen Familien. Ländliche Gegenden verlieren dagegen kontinuierlich potenzielle Eltern. Die Boomregionen hatten in den Jahren von 2004 bis 2014 einen Wanderungsüberschuss von über 100.000 Personen.

Unter den 28 Regionen mit einem Anstieg von Kindern um mehr als 15 Prozent befinden sich 24 Ballungsräume und nur vier Landkreise. In der Top Five sind Leipzig, Dresden, Potsdam, Jena und Berlin. Trotz der erheblichen Nachteile von Städten wie Umweltverschmutzung, höhere Kriminalitätsraten oder steigende Wohnkosten scheinen sich Familien hier am wohlsten zu fühlen. Es findet eine Reurbanisierung des Familienlebens statt.

Nachricht an die Redaktion

Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

Nachricht an die Redaktion

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Artikel teilen

Ihre Nachricht am den Empfänger (optional)
Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Ausgewählte Artikel zum Thema
Ehering

Bei Familiengründung wird Ehe immer unwichtiger

Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte ein Goldenes Zeitalter der Ehe in Europa. Die meisten Paare, die zur damaligen Zeit eine Familie gründen wollten, gingen vorher zum Standesamt. In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Einstellung allerdings geändert. Viele Paare gehen den Bund der Ehe erst nach der Geburt gemeinsamer Kinder ein oder verzichten sogar ganz darauf. Warum […]

Artikel lesen
Wohnimmobilien_zur_Altersvorsorge

Immobiliennutzung: Deutschland wohnt zur Miete

Eigentumsbildung mit und Nutzung von eigenen Immobilien erscheint vielen Deutschen eher unattraktiv – europaweit sind wir da eine große Ausnahme. Hohe Kaufpreise, niedrige Mietrenditen und mitunter auch veränderte Lebensentwürfe führen dazu, dass der Anteil an selbstgenutzten sowie vermieteten Immobilien hierzulande nach wie vor stagniert. Das zeigt der gerade veröffentlichte Deloitte Property Index 2017, der sich […]

Artikel lesen
Elternschaft zwängt Frauen in unbezahlte Tätigkeiten

Sparen für die Kinder – wie geht man vor?

Eine der Fragen, die mir als Vermögensverwalter am häufigsten gestellt wird, betrifft die geeignete Anlage für die Kinder oder Enkel. Die Meinungen zu diesem Thema gehen bedauerlicherweise weit auseinander. Gerade in Deutschland, wo der Sicherheitsgedanke dominiert, wird die Anlageform für den in der Regel sehr langfristigen Anlagehorizont häufig zu vorsichtig gewählt, um gängige Anlageziele wie […]

Artikel lesen