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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 19.10.2017 Drucken

Bei Familiengründung wird Ehe immer unwichtiger

Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte ein Goldenes Zeitalter der Ehe in Europa. Die meisten Paare, die zur damaligen Zeit eine Familie gründen wollten, gingen vorher zum Standesamt.

In den letzten Jahrzehnten hat sich diese Einstellung allerdings geändert. Viele Paare gehen den Bund der Ehe erst nach der Geburt gemeinsamer Kinder ein oder verzichten sogar ganz darauf.

EheringWarum die Ehe bei der Familiengründung offenbar immer unwichtiger wird und welche Umstände diese Entwicklung beeinflussen, untersuchten die Wissenschaftler Sebastian Klüsener (Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock), Trude Lappegård (Universität Oslo) und Daniele Vignoli (Universität Florenz).

Für ihre repräsentative Studie betrachteten sie europäische Frauen, die in einer ehelichen oder nicht ehelichen Beziehung leben und zwischen 2000 und 2007 ihr erstes Kind zur Welt brachten. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in Europa. In Norwegen und Estland liegt der Anteil unehelicher Erstgeburten bei rund 60 Prozent. Vergleichsweise hoch ist der Anteil auch in Frankreich (54,9 %), Österreich (48,5 %) und Belgien (45,8 %). Hingegen ist er in Polen (8,5 %) und Italien (2 %) noch sehr niedrig. Um zu überprüfen, inwieweit soziale Einstellungen und wirtschaftliche Faktoren in den Ländern dabei relevant sind, zogen die Wissenschaftler Daten anderer Untersuchungen heran.

Nicht eheliche Geburten: fortschrittlich oder nicht?

Für den Anstieg unehelicher Geburten kommen bisherige Studien zu zwei Erklärungen, die zunächst widersprüchlich erscheinen. Einige Forscher halten den Anstieg für eine fortschrittliche Entwicklung. Sie wird von der zunehmenden Selbstständigkeit der Frauen und einer stärkeren Individualisierung getragen.

Ist eine Frau von ihrem Lebensgefährten wirtschaftlich abhängig, biete die Ehe im Fall einer Trennung oder beim Tod des Partners eine finanzielle Absicherung. Solche ökonomischen Aspekte verlieren jedoch an Relevanz, wenn beide Partner voll erwerbstätig sind. Zudem wenden sich immer mehr Menschen von traditionellen und religiösen Grundsätzen ab, wonach Geburten in der Ehe erfolgen sollten.

Auf der Grundlage dieser fortschrittbasierten Überlegungen könnte angenommen werden, dass die oberen Gesellschaftsschichten Trendsetter beim Anstieg der nicht ehelichen Geburten sind. In vielen Ländern ist aber genau das Gegenteil der Fall. So sind vor allem in den unteren Bildungsschichten uneheliche Geburten verbreitet. Diese Feststellung ist wesentlich für alternative Erklärungsansätze, die den Anstieg nicht ehelicher Geburten als negative Entwicklung sehen, die durch die gestiegene ökonomische Unsicherheit in den unteren Schichten verursacht wird.

Laut Sebastian Klüsener und seinen Forschungskollegen sind beide Erklärungsansätze für das Verständnis des Anstiegs der unehelichen Geburten wichtig. Allerdings ist ihr Bedeutungsgrad davon abhängig, ob Unterschiede zwischen Ländern, Regionen oder Individuen betrachtet werden.

Bei ostdeutschen Frauen sind nicht-eheliche Geburten häufiger

Diese Erkenntnisse können auch zum Verständnis der enormen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bei den unehelichen Geburten beitragen. So lag 2015 ihr Anteil in Ostdeutschland bei 60 Prozent. In Westdeutschland ist er mit 30 Prozent lediglich halb so hoch.

Dieser große Unterschied ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass es nach der Wiedervereinigung im Osten zu einem enormen Anstieg der nicht ehelichen Geburten kam. Das ist jedoch nicht der einzige Faktor. Laut der Studienautoren ist der hohe Anteil im Osten auch ein Vermächtnis der deutschen Teilung.

Bis in die heutige Zeit ist die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt im Osten deutlich besser als im Westen. Ein besserer Zugang zur Kinderbetreuung trägt selbstverständlich auch dazu bei. Dementsprechend erwarten die Wissenschaftler nicht, dass die Angleichung des ost- und westdeutschen Arbeitslosigkeitsniveaus auch zu einer Angleichung der Unterschiede bei den unehelichen Geburten führen wird.

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