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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 1.4.2019 Drucken

Hält Zuwanderung die Alterung auf?

In der Diskussion über den demografischen Wandel taucht ab und an die Frage auf, ob jüngere Zuwanderer die Alterung in Deutschland abbremsen oder gar aufhalten könnten. Die Bertelsmann-Stiftung liefert mit ihrer jüngsten Demografie-Studie eine faktenreiche Antwort.

Im Auftrag der Stiftung haben Prof. Dr. Martin Werding und Benjamin Läpple von der Ruhr-Universität Bochum in verschiedenen Szenarien berechnet, wie neben der Geburtenrate auch Zuwanderung die Alterung beeinflusst.

FlüchtlingeDabei legten sie nicht nur den langfristigen durchschnittlichen Wanderungssaldo von 200.000 Personen pro Jahr, mit dem auch das Statistische Bundesamt in den Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen arbeitet, ihren Projektionen zugrunde. Sie nahmen auch mehrere extreme Szenarien in ihre Berechnungen auf. Für die Variante „hohe Immigration“ zum Beispiel unterstellten sie, dass der Wanderungssaldo ab 2020 konstant 350.000 Personen pro Jahr beträgt und sich damit auf dem gegenüber der Vergangenheit stark erhöhten durchschnittlichen Niveau der letzten zehn Jahre einpendelt.

Sonderfaktoren für die Migration

Die einfache Fortschreibung des Durchschnitts der letzten Dekade ist allerdings mit einigen Fragezeichen versehen. Darauf machen die Autoren aufmerksam. So gab es mit der EU-Osterweiterung, der Finanz- und Wirtschaftskrise und den Kriegshandlungen in Irak, Afghanistan und Syrien eine Reihe von Sondereffekten auf die Migration. Der um 150.000 Personen erhöhte Wanderungssaldo hätte auf die Veränderung der Alterung der Bevölkerung nur überschaubare Auswirkungen.

Zwei extremere Szenarien

Daher wählen Werding und Läpple noch zwei weitergehende Szenarien. Zum einen eine Art „Immigrationswelle“ in den Jahren 2020 bis 2023 und zum anderen eine sehr stark dauerhaft ansteigende Zuwanderung (bis auf 1,0 Millionen zum Jahr 2040, schließlich auf 1,2 Millionen bis 2060). Solche heftigen Szenarien schlagen dann schon auf die Entwicklung der Alterung durch. Der Alterungsprozess wird dabei bereits bis 2035 deutlich gemildert. Doch in ihrer zusammenfassenden Auswertung ziehen die Autoren dann ein sehr ernüchterndes Fazit.

33 Millionen Zuwanderer in 15 Jahren

Rein rechnerisch sei es möglich, mit höherer Zuwanderung den Altenquotienten bis 2035 annähernd konstant zu halten. Dieser Quotient beschreibt die Alterung der Gesellschaft in einer Zahl. Er setzt die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen ins Verhältnis zu den 65-Jährigen und Älteren. Damit dieses Verhältnis, das heute 100:33 beträgt, in dieser Höhe bleibt, wäre eine enorme Zuwanderung erforderlich. Der jährliche Wanderungssaldo müsste ab sofort von 1,5 Millionen bis 2035 auf 2,7 Millionen ansteigen. „Die kumulierte Nettozuwanderung in diesem Zeitraum läge dann bei rund 33 Millionen Personen. Auf Bruttobasis entspräche dies knapp 45 Millionen Zuwanderern binnen gut 15 Jahren“, beschreiben die Studienautoren den Umfang.

Alterung nur in die Zukunft verschoben

Welche gesellschaftliche Dimension diese Zuwanderung dann annehmen würde, müssen sie gar nicht mehr explizit erläutern. Aber sie weisen auf einen zweiten Effekt der Zuwanderung hin. Wenn sich die Zahlen anschließend wieder normalisieren würden, ergäbe sich ab 2040 ein beträchtlicher Alterungsprozess. Das Problem wäre also nicht gelöst, sondern nur um zwei Jahrzehnte vertagt. Selbst wenn die Zuwanderung andauernd auf dem Niveau von 2035 verharren würde, ließe sich die demografische Alterung nur nochmals weiter hinausschieben. Sie fände dann in den Jahren zwischen 2060 und 2075 statt. Die Studie gibt damit eine klare Antwort auf die Frage, ob und in welchem Umfang Zuwanderung in der Lage ist, die Alterung in Deutschland aufzuhalten. Sie allein ist auf keinem Fall ein brauchbares Mittel.

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