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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 27.9.2016 Drucken

5,7 Millionen Menschen wollen (mehr) Arbeit

Deutschland gehen die Arbeitskräfte aus – diesen Hilferuf senden Unternehmen in letzter Zeit öfter.

Doch mangelt es wirklich an Erwerbstätigen? Zahlen des Statistischen Bundesamtes offenbaren ein ganz anderes Problem: 5,7 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 74 Jahren wünschten sich 2015 Arbeit oder mehr Arbeitsstunden.

5,7 Millionen Menschen wollen (mehr) ArbeitEs existiert also ein beträchtliches Reservoir an Arbeitskraft, das brachliegt. Dazu gehörten im vergangenen Jahr knapp zwei Millionen Erwerbslose, eine Million Personen in der sogenannten Stillen Reserve und 2,7 Millionen Unterbeschäftigte.

Bei den Erwerbslosen und Unterbeschäftigten zeichnete sich eine durchaus erfreuliche Entwicklung ab. Ihre Zahl verringerte sich um 140.000 beziehungsweise 176.000, so dass es insgesamt zu einem erkennbaren Rückgang des ungenutzten Arbeitskräftepotenzials kam, obwohl die Stille Reserve leicht angestiegen ist (+19.000).

Unterbeschäftigte wünschen sich zusätzliche Arbeitsstunden und stehen dafür auch zur Verfügung. Bei ihnen scheitert es meist am Angebot des Arbeitgebers oder an der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie. 2015 bezeichneten sich 6,8 Prozent der Erwerbstätigen selbst als unterbeschäftigt. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes wünschen sich 14 Prozent der Teilzeitbeschäftigten und 4,1 Prozent der Vollzeitbeschäftigten eine längere Arbeitszeit. Bei Unterbeschäftigten in Vollzeit sind es meist aber nur wenige Stunden.

Den 2,7 Millionen Unterbeschäftigten stand allerdings zugleich eine Million Erwerbstätiger gegenüber, die gern weniger arbeiten würden. Sie nehmen dafür auch ein geringeres Einkommen in Kauf. Die Zahl der sich überbeschäftigt Fühlenden hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 98.000 erhöht. Personen in der Stillen Reserve haben zwar keine Arbeit, gelten aber nicht als erwerbslos. Sie suchen zwar Arbeit, stehen aber kurzfristig für eine Arbeitsaufnahme nicht zur Verfügung. Zur Stillen Reserve gehören überdies auch Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen gerade keine Arbeit suchen, aber grundsätzlich arbeiten würden.

Das ungenutzte Potenzial ist noch viel größer

An dieses ungenutzte Potenzial sollte jeder denken, der einen Mangel an Arbeitskräften beklagt. Es hapert eher wegen der mangelhaften Übereinstimmung von Arbeitsplatzangebot und Jobsuchenden. Doch das ungenutzte Reservoir ist eigentlich noch größer, als die Zahlen des Statistikamtes es ahnen lassen. Darauf verwies Volkswirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar vor einiger Zeit im Gespräch mit dem Deutschen Institut für Altersvorsorge. Er führt den vermeintlichen Fachkräftemangel nicht auf die demografischen Veränderungen zurück, sondern bezeichnet die Probleme zuallererst als hausgemacht. Heute schon könnten seiner Meinung nach sechs Millionen Menschen mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wenn Wirtschaft und Gesellschaft die notwendigen Bedingungen schaffen würden.

Damit meint er nicht die Stille Arbeitsmarktreserve im üblichen Sinne, wie sie in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ausgewiesen ist. Dieses zusätzliche Erwerbspotential bestünde, wenn die Arbeitskraft Älterer länger erhalten bliebe, wenn Menschen mit Migrationshintergrund auf die gleiche Weise in den Arbeitsmarkt eingebunden wären wie Menschen ohne Migrationshintergrund und wenn Frauen ebenso beschäftigt wären wie Männer.

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