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Arbeitswelt

Auf Wandel eingestellt: Mit Wissen und Erfahrung

Arbeitswelt | 22.7.2019 Drucken

Macht die Digitalisierung viele arbeitslos?

In der öffentlichen Debatte kursieren immer mal wieder Angaben, wie viele Arbeitsplätze von der fortschreitenden Digitalisierung bedroht sind. Doch diese Sicht auf den technischen Fortschritt bleibt häufig einseitig.

Das zeigt eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Fazit: Die mit diesen Zahlen geschürten Ängste sind fehl am Platz. Zwar sei es richtig, dass neue Technologien zu einem Abbau von Arbeitsplätzen in bestimmten Berufen oder Industrien führen. Jedoch findet zugleich ein Aufbau neuer Arbeitsplätze an anderer Stelle statt.

AutomatisierungUmbrüche in der Arbeitswelt gab es schon immer, erklären die Studienautoren Hermann Gartner und Heiko Stüber. Als Beispiele nennen sie die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert, die den Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft auslöste. Ende des 20. Jahrhunderts brachten dann Roboter und Computer in vielen Wirtschaftszweigen erhebliche Umbrüche. Es ist also keineswegs ein neues Phänomen, dass im Zuge technologischer Veränderungen „alte“ Arbeitsplätze verschwinden.

„Trotz der vermehrten Automatisierung der Industrie in den 1970er Jahren ist der Abbau von Arbeitsplätzen durch den Aufbau anderswo kompensiert worden – sei es in einem anderen Betrieb im gleichen Sektor oder in einem anderen Sektor. Technischer Fortschritt führt also nicht per se zu weniger Arbeit, sondern zu einer Umschichtung von Arbeitskräften“, stellen die Autoren fest. Auch durch die Computerisierung in den vergangenen Dekaden sei der Anteil der wegfallenden Arbeitsplätze nicht höher gewesen als in den 1990er Jahren. Seit 2005 ist er sogar geringer.

Kein Trend zum „Turboarbeitsmarkt“

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Ab- und Aufbau von Arbeitsplätzen vollzieht, nahm also nicht zu. Es gibt keinen Trend zu einem „Turboarbeitsmarkt“, wie verschiedentlich prophezeit wurde. Laut der IAB-Studie lag die durchschnittliche Rate, mit der jedes Jahr seit 1993 Arbeitsplätze abgebaut wurden, bei 9,5 Prozent. Die „Aufbaurate“ betrug dagegen 9,7 Prozent in diesem Zeitraum. In der Summe nahm die Beschäftigung damit zu.

Weniger Beschäftigung für Geringqualifizierte

Aber es gibt einen anderen Trend, der arbeitsmarktpolitisch nicht unterschätzt werden darf: Seit den 70er Jahren entstanden für Hochqualifizierte immer mehr neue Arbeitsplätze, als alte verschwanden. Umgekehrt war es bei den Geringqualifizierten: In diesem Arbeitsmarktsegment fiel die Abbaurate höher aus als die Aufbaurate. Der Bedarf an Arbeitskräften hat sich demnach verändert. Das hat Folgen für den Einzelnen: Wer über einen hohen Berufs- und Bildungsabschluss verfügt, findet leichter eine Beschäftigung. Im Gegenzug ist seit den 70er Jahren bis in die 90er Jahre die Arbeitslosigkeit unter den Geringqualifizierten gestiegen.

Qualifizierung verhindert Arbeitslosigkeit

Letztere müssen mit einem zusätzlichen Trend fertig werden. Das Tempo des Ab- und Aufbaus von Arbeitsplätzen in ihrem Arbeitsmarktsegment hat zugenommen. Es entstehen nach wie vor in erheblicher Zahl neue Arbeitsplätze, gleichzeitig werden aber mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Geringqualifizierte abgebaut. Die Stabilität ihrer Arbeitsplätze hat damit abgenommen. Das bedeutet für den Einzelnen, dass er häufiger den Arbeitsplatz wechseln muss und häufiger auch in Zeiten vorübergehender Arbeitslosigkeit gerät. Letzteres geschieht aber nicht zwangsläufig, wenn die Möglichkeit zu einer Qualifizierung und damit zum Einstieg in eine höherwertige Beschäftigung besteht. Das ist auch der Punkt, an dem Arbeitsverwaltung und Gesellschaft ansetzen müssen. Der Trend abnehmender Beschäftigung für Geringqualifizierte wird aller Voraussicht nach bestehen bleiben.

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