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Sparverhalten

Auf der hohen Kante: So spart Deutschland.

Sparverhalten | 28.4.2018 Drucken

Warum sparen wir und warum nicht?

Die Sparquote Deutschlands ist im internationalen Vergleich relativ hoch und ungewöhnlich konstant. Doch warum sparen wir überhaupt und wofür?

Der Hauptgrund ist das Sparen für den Ruhestand. So war noch die Ansicht in den 50er Jahren nach der Lebenszyklustheorie von Franco Modigliani. Demnach legen die Jüngeren Geld zurück, um später im Rentenalter ihren Konsum halten zu können. Für Länder ohne gesetzliche Rente trifft das heutzutage zwar teilweise noch zu, allerdings ist diese Auffassung vom Sparen längst überholt.

Warum sparen wir und warum nicht?Das lässt sich besonders an einem Punkt festhalten. Viele denken beim Sparen nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihre Liebsten. Was passiert, wenn ich mal nicht mehr da bin? Die nächsten Verwandten sollen möglichst ein kleines Sümmchen erhalten. Das Sparen für ein Erbe nach dem Tod spricht daher am deutlichsten gegen die Lebenszyklustheorie von Modigliani. So erklärt es der Wirtschaftswissenschaftler Professor Axel Börsch-Supan bei einem Vortrag im Deutschen Historischen Museum Ende April in Berlin.

Die Deutschen müssen wenig sparen

Demnach legen die meisten heutzutage ihr Geld für Ereignisse zurück, die sich noch vor dem Ruhestand abspielen. Die Deutschen sparen dabei neben der Altersvorsorge hauptsächlich für Wohneigentum. Generell sind wir aber von vielen Großereignissen, die in anderen Ländern geläufig sind, verschont. So müssen wir keinen hohen Studienfonds für die eigenen Kinder anlegen, wie beispielsweise in den USA, oder eine Riesensumme für die Hochzeit der eigenen Tochter sparen, wie es in Indien gang und gäbe ist. Auch wohnt die Mehrheit der Deutschen zur Miete. Das Ansparen für Wohneigentum entfällt also ebenfalls bei vielen. Glückliche Sparnation, könnte man also meinen.

Doch unterschätzen viele das Sparen für Unsicherheiten. Einen Puffer zu haben für den Fall von Arbeitslosigkeit, Pflegekosten oder schlicht für die Reparatur des eigenen Autos. Das ist auch der Grund, warum manche überhaupt nicht sparen, so Börsch-Supan. Sie unterschätzen die Risiken und verkennen die Chance einer Notreserve. Aber auch die sogenannte Prokrastination, also das extreme Aufschieben, ist bei vielen Deutschen an der Tagesordnung. Das trifft besonders auf das Thema Altersvorsorge zu. Der Ruhestand liegt noch in weiter Ferne, da ist es auch egal, ob ich nun heute oder morgen anfange, dafür zu sparen, oder nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr. Man merkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und wie sehr man dieses Thema vor sich herschiebt. So werden allerdings wichtige Ansparjahre verschenkt.

Warum leiden die Deutschen an Aufschieberitis?

Doch warum schieben wir das Thema Sparen und Finanzen so vor uns her? Börsch-Supan hat dazu eine schlichte, aber einleuchtende Erklärung: „Konsumieren ist einfach schöner als Sparen.“ Oftmals muss sich beim Sparen mit unerfreulichen Dingen auseinandergesetzt werden, mit Pflege, Tod oder Altersarmut. Außerdem bereitet Vermögen zurückzulegen weniger Vergnügen, weil der Erfolg erst sehr viel später eintritt. Das Geld stattdessen jetzt auszugeben und sofort etwas dafür zu erhalten, macht mehr Spaß. Börsch-Supan sieht darin aber nicht den einzigen Grund, warum Menschen nicht für das Alter sparen.

Niemand weiß so richtig Bescheid

Die Hälfte der Förderberechtigten für eine Riester-Rente weiß nicht, dass sie überhaupt förderberechtigt ist. Auch bei der betrieblichen Altersversorgung sieht es ähnlich aus. Das Problem ist also das große Informationsdefizit, dass potenzielle Sparer im Unklaren lässt. Diese Mängel zeigen sich bei den Riester-Verträgen am deutlichsten, so Börsch-Supan. So gibt es außergewöhnlich günstige und ebenso teure Angebote auf dem Versicherungsmarkt. Nach 16 Jahren Riester müssten nun eigentlich die teuren Produkte vom Markt verdrängt worden sein, da sich Anleger natürlich lieber für die billigere Variante entscheiden. De facto ist das aber nicht passiert. Aufgrund der hohen Komplexität dieser Verträge durchschauen viele die Angebotsvielfalt nicht.

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