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Sparverhalten

Auf der hohen Kante: So spart Deutschland.

Sparverhalten | 19.2.2018 Drucken

Viele Deutsche haben keinen Notgroschen

Die Sparquote in Deutschland ist überdurchschnittlich hoch. Davon sind allerdings nicht alle gleich betroffen. Mehr als ein Viertel der Deutschen verfügt über gar keine Rücklagen.

Das Land der Sparer macht seinem Namen alle Ehre. Rund jeder zehnte Euro wird in Deutschland auf die hohe Kante gelegt. Ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Doch der erste Anschein trügt, denn 27 Prozent der Deutschen haben keinerlei Ersparnisse. Das ist mehr als jeder Vierte. Nur ein Staat in Europa schneidet diesbezüglich schlechter ab.

Das ist das Ergebnis einer im Februar veröffentlichten Studie der ING DiBa. Insgesamt wurden über 14.000 Personen in 15 Ländern befragt, darunter auch Australien und die USA. Die seit sieben Jahren durchgeführte Umfrage kam zum gleichen Befund wie ein Jahr zuvor: Deutschland hat nach Rumänien den höchsten Anteil an Befragten ohne jegliche Ersparnisse. Sogar Polen und die Ukraine erreichen eine bessere Platzierung. Spitzenreiter bei Geldangelegenheiten ist wie üblich das kleine Land Luxemburg. Hier haben nur zwölf Prozent der Bevölkerung keine Geldreserven.

Wie viel sparen wir?

Doch wie viel genau haben die Deutschen eigentlich auf der hohen Kante? Werden diejenigen Befragten herausgerechnet, die entweder keine Angaben machten oder aber mit „weiß ich nicht“ antworteten, zeigt sich zunächst ein weiter zugespitztes Bild. Nach dieser Berechnung geben sogar rund 30 Prozent an, ohne jegliches Geldpolster zu leben. Verbraucher, die etwas zurückgelegt haben, sparen hingegen überdurchschnittlich viel. So besitzt rund die Hälfte der Sparer über 15.000 Euro. Knapp ein Viertel hat sogar mehr als 50.000 Euro auf der hohen Kante.

Fügt man nun Nichtsparer und Sparer zusammen ergeben sich die Zahlen der rechten Grafik. Demnach haben fast zu gleichen Teilen – etwas mehr als ein Drittel – die Deutschen entweder kaum Ersparnisse (unter 1.000 Euro) oder aber mehr als 15.000 Euro zur Verfügung. Gleichmäßig verteilt ist das Gesparte also nicht.

Inwieweit diese Zahlen belastbar sind, ist allerdings fraglich. So machten 7,7 Prozent aller Befragten aus Deutschland keine Angaben, ob sie über Ersparnisse verfügen. Zusätzlich verweigerten 41 Prozent der Sparer Aussagen über die Höhe ihrer Rücklagen. Die Ergebnisse zu den deutschen Ersparnissen ohne Nicht-Sparer repräsentieren folglich nur rund 38 Prozent der Befragten (65 Prozent Sparer, von denen 59 Prozent Angaben machten).

Keine Ersparnisse und trotzdem glücklich?

Deutlich auskunftsfreudiger waren die Befragten, als sie ihre Geldreserven nicht in absoluten Zahlen, sondern in Relation zu ihrem monatlichen Nettoeinkommen angeben sollten. Der Anteil der Aussageverweigerer sank dabei von 41 auf rund 15 Prozent. Deutsche Sparer sind mit Sparvermögen in Höhe von vier oder mehr monatlichen Nettoeinkommen Spitzenreiter im internationalen Vergleich. Angesichts dessen verwundert es auch nicht, dass die Deutschen grundsätzlich zufrieden mit ihren Ersparnissen sind.

Aber auch Verbraucher ohne jegliches Geldpolster sehen das nicht unbedingt als Problem an. So geben über zehn Prozent der Befragten ohne Rücklagen an, dennoch zufrieden mit ihren Ersparnissen zu sein. Ein weiteres Viertel ist gleichgültig gegenüber der Tatsache, über keinerlei Reserven zu verfügen. Nicht-Sparer wähnen sich dabei in falscher Sicherheit, denn die derzeit gute wirtschaftliche Lage Deutschlands führt nach den Studienautoren zu einer unangebrachten Zuversicht. Unerwartete Ausgaben wie beispielsweise die Reparatur des Autos können ohne den entsprechenden Notgroschen nicht abdeckt werden. Um für solche Kosten gewappnet zu sein, wird empfohlen, eine Geldreserve von mindestens drei monatlichen Nettoeinkommen anzusparen. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes könnte so zumindest für kurze Zeit abgefedert werden.

Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, für den führt so oder so kein Weg am Sparen vorbei. Bei dem derzeitigen Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittlohnes sollte jeder zusätzlich in die eigene Altersvorsorge investieren. Wenn die Babyboomer-Jahrgänge erst mal in Rente gehen, wird es selbst mit dem niedrigen Rentenniveau von 48 Prozent knapp.

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