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    Private Altersvorsorge

    In die eigenen Hände genommen: So schließt sich die Rentenlücke.

    Private Altersvorsorge | 27.8.2021 Drucken

    Riester-Rente wird ohne Reform zum Auslaufmodell

    Die vom Staat geförderte, privat finanzierte Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um die gesetzliche Rente zu ergänzen bzw. die Reduktion des damaligen Rentenniveaus auszugleichen. Aber wie geht es nun weiter?

    Grundsätzlich gibt es vier Varianten der Riester-Rente, in die Anleger investieren können. Neben Bankspar-, Versicherungs- und Investmentverträgen besteht die Möglichkeit der „Wohn-Riester Eigenheimrente“.

    Riester-Rente

    65 Prozent der Verträge sind Versicherungsverträge. 20 Prozent werden über Investmentsparpläne abgebildet. Auf Wohnriester entfallen elf Prozent. Knapp vier Prozent wurden als Kontosparverträge abgeschlossen. Insbesondere der hohe Versicherungsanteil ist auffällig. In den ersten drei Jahren wurden praktisch ausschließlich Versicherungsverträge für die Riester-Rente abgeschlossen. Häufig wird auch fast automatisiert von „Riester-Versicherungen“ gesprochen.

    Rendite überzeugt nur bedingt

    Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat 57.000 Riesterverträge untersucht. Berücksichtigt wurden dabei Kosten, Förderung und Besteuerung. Für 2020 kommt das Institut auf eine Nettorendite von 2,5 Prozent (2014: 3,6 Prozent). Das ist natürlich besser als Sparbuch oder Bundesanleihe. Aber ein besonders beeindruckendes Ergebnis ist es nicht. Immerhin sind ja auch die staatlichen Förderungen enthalten. Der hohe Anteil an Versicherungslösungen ist ein Grund für diese Renditeentwicklung. Dort wird traditionell eher defensiv investiert und die Kostenquote ist höher.

    Konstruktion des Fondsriester führt in eine Zwickmühle

    Theoretisch müssten Riester-Fondssparpläne einen Renditevorteil gegenüber allen anderen Varianten haben. Sie investieren regelmäßig über einen längeren Zeitraum in Aktienfonds oder offensive Mischfonds. In der Praxis erweisen sich allerdings die einzuhaltenden Garantien als problematisch. Dadurch sind bei den Anbietern automatisierte Umtauschprozesse von Aktien- in Rentenfonds hinterlegt, die bei vorgegebenen Tiefstständen eine Depotumstrukturierung durchführen und je nach hinterlegter Barriere auch nicht mehr in Aktienfonds zurücktauschen. Das führt dazu, dass ausgerechnet ein professionell geführtes Portfolio in einer Börsenschwäche wie in der Pandemie oder Finanzkrise aus Aktien aussteigt. Bei einer solchen Systematik nimmt das Risiko von Negativereignissen mit zunehmender Laufzeit zu, obwohl eine Aktienanlage ja eigentlich mit längerer Anlagedauer abnehmende Risiken aufweist.

    Reaktionen der Fondsbranche

    Wegen anhaltender Null- bzw. Niedrigzinsen und ausbleibender Reformen sowie dem Festhalten an einer vollständigen Beitragsgarantie sieht die Fondsbranche zu wenig Spielraum für chancenreiche Anlageinstrumente wie Aktien bzw. Aktienfonds. So stellte die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS ihr Neugeschäft mit der Förderrente ab Juli 2021 ein. Union-Investment, die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, geht einen anderen Weg und bietet ab diesem Termin Neuverträge nur noch mit einer Mindestlaufzeit von 20 Jahren bis zum Beginn der Auszahlungsphase an. Zusätzlich werden Einzahlungsobergrenzen eingeführt.

    Sparer und Vertrieb verloren Interesse

    Fazit: Hält man an der kompletten Garantie für alle Einzahlungen aus Eigenleistungen und Förderungen fest, ist der Mehrwert der Riesterrente oder gar eine Überrendite zu vorhandenen Anlageformen kaum darstellbar. Die derzeitige Stagnation bzw. Reduktion bei den vorhandenen Verträgen seit 2015 und die hohe Anzahl der ruhenden Verträge zeigen, dass die Bürger mittlerweile kein großes Interesse mehr haben. Sie zeigen aber auch, dass der Vertrieb der verbliebenen Anbieter hier keinen Schwerpunkt mehr sieht. Ohne Reformen ist diese eigentlich gut gedachte Initiative wohl leider ein Auslaufmodell.


    Andreas Görler

    Gastautor Andreas Görler ist Senior-Wealth-Manager und zertifizierter Fachmann für nachhaltiges Investment bei der Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH in Berlin. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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