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Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 22.9.2018 Drucken

Lektionen aus der Finanzkrise

Es sind ziemlich genau zehn Jahre vergangen, seit im September 2008 Lehmann Brothers in Insolvenz ging und dabei den traurigen Höhepunkt der Finanzkrise markierte, eine implosive Kettenreaktion, die der Welt die Problematik von synthetischen Finanzprodukten mit wenig oder gar keinem realen Hintergrund mit ganzer Wucht zeigte.

Die erforderliche Abwicklung umfangreicher Rücknahmen von verschachtelten, ineinander verwobenen Produkten brachte viele Anleger wegen fehlender Liquidität in arge Nöte. Fonds wurden geschlossen, Marktbewertungen sanken ins Bodenlose, Finanzprodukte wurden auf Sekundärmärkten zu Schleuderpreisen gehandelt. Das Finanzsystem war am Rande des Abgrundes.

Geld Börse AktienNach zehn Jahren der Erholung und stetigen Wachstums steigen mit drohender Inflation, steigenden Zinsen, exorbitanter Staatsverschuldung und überhöhter Geldmenge erneut Gewitterwolken auf. Sind es Verschleißerscheinungen der letzten zehn Jahre? Wir wissen es nicht. Aber es ist höchste Zeit, sich als Anleger Gedanken zu machen. Es lohnt sich insbesondere ein Blick auf die aktuelle Landschaft der Risiken. Dabei sollte man allerdings unterscheiden zwischen ökonomischen und systemischen Risiken. Bei Ersteren kann die Wirkung auf die Wertentwicklung der Vermögensallokation meist gut abgeschätzt werden, da die Mechanismen weitgehend bekannt sind. Bei Letzteren ist diese Einschätzung kaum möglich.

Systemische Risiken haben Sprengkraft

Systemische Risiken, wie zum Beispiel die aktuelle Handelspolitik der Administration Trump, die Entwicklung der EU (Brexit und Probleme in Süd- und Osteuropa) oder kriegerische Ereignisse haben durchaus Sprengkraft. Es ist aber schwer abzuschätzen, wohin die Splitter fliegen. Diese Unterscheidung ist durchaus von Bedeutung. Die wesentlichen ökonomischen Risiken erkennen wir aktuell in steigenden Zinsen und anziehender Inflation, beides reale Szenarien, mit erheblichen Auswirkungen.

Verluste bei Kaufkraft und Kursen

Stark betroffen sind dabei insbesondere festverzinsliche Anlagen in Form von Schuldverschreibungen. Die Inflation reduziert die Kaufkraft und steigende Zinsen führen zu Kursverlusten bei Anleihen. Beides zusammen sind sehr lineare Wirkungsweisen, die für solche Anlagen düstere Prognosen bescheren. Leider sind die Deutschen nach wie vor massiv übergewichtet in solchen inflationsbedrohten Geldwert-Anlagen und opfern so ihr hart verdientes Geld der schleichenden Enteignung.

Ähnlich gefährdet sind Aktien von Unternehmen, die ihre Bilanzen im überschäumenden Optimismus zu sehr mit allzu günstigen Fremdmitteln aufgebläht haben. Gefahren drohen bei steigendem Zinsniveau auch für Immobilien(fonds) und Immobilienaktien, da höhere Zinsen die Renditen schmälern und höhere risikolose Zinsertrags-Alternativen zu tieferen Bewertungen der Objekte führen.

Erschüttertes Vertrauen und Fluchtbewegungen

Da bei den systemischen Risiken die Wirkung nur sehr schwer abzuschätzen ist, lässt sich eine spezifische Absicherung kaum verlässlich planen. Allerdings weiß man, dass systemische Risiken das Grundvertrauen erschüttern und zu Fluchtbewegungen in vermeintlich sichere Anlageformen führen. Dazu zählen insbesondere Edelmetalle, die in solchen Situationen zur Stärke tendieren.

Wer die Welt kritisch sieht und Schutz vor solchen Ereignissen sucht, tut daher gut daran, in seinem Vermögen einen Teil in Gold und Silber zu halten. Wer sehr systemkritisch ist, wählt dafür physisches Gold und verwahrt dies zudem in seinem direkten Zugriffsbereich. Gold erzielt zwar keine laufende Rendite, doch der entgangene Ertrag kann als Versicherungsprämie gut erklärt werden. Langfristig erhält Gold zumindest die Kaufkraft. Der Kaufkraftverlust des Geldes ist somit die „Verzinsung“ des Goldes.

Reale Sachwerte statt inflationsbedrohte Geldwerte

Der umsichtige Anleger kann auf die ökonomischen Risiken mit einer klugen Gesamtallokation reagieren. Das Motto sollte lauten: Reale Sachwerte wie Aktien und Immobilien statt inflationsbedrohte Geldwerte. Doch das allein genügt noch nicht. Es ist zusätzlich sehr entscheidend, was „drin ist“, und nicht, was „drauf steht“. Auf die Qualität kommt es an.

In unsicheren Zeiten ist es besonders wichtig, nur in Anlageformen zu investieren, die man auch wirklich versteht. Je komplexer ein Produkt ist, umso vorsichtiger sollten Sie als Anleger sein. Bei synthetischen ETF oder Zertifikaten ist am Ende des Tages entscheidend, dass der Emittent des Finanzprodukts nicht insolvent wird.

Wilde Produktstrukturen meiden

Die Goldunze im Tresor, die sorgfältig ausgesuchte Qualitätsaktie oder die ohne Produktmantel erworbene Immobilie – das sind Geldanlagen, die noch da sind, wenn der Euro eventuell nicht mehr da ist oder wenn die Kaufkraft des Euro auf einen Bruchteil zusammengeschmolzen ist.

Bei Finanzprodukten funktioniert dies eben nicht zuverlässig, da der Strukturmantel, synthetische Funktionen oder derivative Komponenten die Wirkungsweise in der Krise nicht mehr zuverlässig abschätzen lassen. Ganz ähnlich eben wie sich dies bei den systemischen Risiken verhält. Je wilder die Struktur des Produktes, desto schwieriger ist eine Absicherung. Diese Lektion hat uns die Finanzkrise sehr deutlich gelehrt, diese sollten wir auch zehn Jahre nach Lehman Brothers nicht vergessen.


Vermögensverwalter Rainer LaborenzGastautor Rainer Laborenz ist Geschäftsführer der Azemos Vermögensmanagement GmbH in Offenburg.

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