Nachricht an die Redaktion

    Ihre Nachricht an uns


    Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

    Vorsorgemappe

    Newsletter abonnieren & kostenlose Vorsorgemappe anfordern.

    DIA Update

    Abonnieren Sie den kostenlosen
    Newsletter des DIA.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

    Die Börse im Blick: So wird investiert.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 6.11.2017 Drucken

    Sind Roboter die besseren Finanzberater?

    Computersoftware soll es jedermann ermöglichen, bereits kleine Summen so zu investieren, wie es sonst nur Millionären mit professionellem Vermögensmanagement möglich ist. Aber kann das funktionieren?

    Seit dem Jahr 2010 hat sich die Zahl der deutschen Milliardäre auf rund 190 fast verdoppelt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass große Geldvermögen in aller Regel langfristig gut angelegt werden, denn Reiche vertrauen meist professioneller Beratung.

    Robo AdviceKleine Vermögen verkümmern dagegen oft auf kaum mehr verzinsten Sparkonten. Wer hier nach einem Ausweg sucht, landet meist beim kostenlosen Betreuer der Hausbank. Nicht selten bietet der aber primär die für seinen Arbeitgeber vorteilhaftesten Finanzprodukte an. Eine individuell abgestimmte kostengünstige globale Mischung von Aktien und anderen Anlagen, wie sie ein unabhängiger Berater gegen Honorar empfehlen würde, ist hier selten das Ergebnis. Aber das könnte sich jetzt durch Roboter ändern. Eine ganze Reihe von Unternehmen wie Vaamo, Scalable oder Easyfolio bietet inzwischen deutschen Kunden die Möglichkeit, sich online durch einen Computer beraten zu lassen. Die Branche wächst rasant. In Deutschland sollen nach Schätzungen bis zum Jahresende so rund eine Milliarde Euro investiert sein. Etablierte Banken wie Deutsche Bank, Commerzbank oder ING Diba haben den Trend aufgegriffen und entwickeln selbst solche Systeme oder kooperieren mit den Internet-Beratern.

    Einstieg schon mit niedrigen Beträgen

    Nach der Beantwortung eines Fragenkatalogs, der die persönliche Risikoneigung und die Investmentziele abklopft, wird eine dazu passende Vermögensaufteilung auf kostengünstige Fonds errechnet. Bei einigen Anbietern übernimmt dann der Computer auf Wunsch automatisch den Kauf der Produkte und die Überwachung der Wertentwicklung. „Bei solchen Robo Advisors werden finanzmathematische Algorithmen hinterlegt. Das heißt, es werden aus vergangenheitsbezogenen Daten Zahlenreihen in die Zukunft skaliert und Ableitungen getroffen“, erklärt Rolf Kazmaier, Mitbegründer der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart GmbH. Der große Vorteil für die Kunden ist die relativ geringe Mindestanlagesumme im Bereich von 0 bis 10.000 Euro und der Preis. Die jährliche Gebühr der Roboter und die Kosten der in aller Regel sehr günstigen empfohlenen Produkte liegen zusammengenommen oft unter einem Prozent. Aber es gibt durchaus auch Kritik.

    Maschinen mit Schwächen

    Im Vergleich zum Mensch fällt es Maschinen schwer zu bewerten, in welches Umfeld eine Marktsituation fällt. Etwa die langfristigen Probleme im Blick zu behalten, obwohl nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten die Kurse erst einmal anzogen. Andreas Glogger, Geschäftsführer und Vorsitzender der Glogger & Partner Vermögensverwaltung aus Krumbach, ist ebenfalls skeptisch: „Wer seine Geldentscheidungen einer Maschine überlässt, sollte dies aber nur mit kleinen Beträgen tun.“ Bei langfristigen Sparentscheidungen für die Altersvorsorge oder größeren Summen etwa aus einer Erbschaft macht es weiter Sinn, Geld in einen menschlichen Fachspezialisten zu investieren. „Die Maschine als Verwalter hat lediglich einen geringen finanziellen Vorsprung, der in kritischen Marktlagen sehr schnell aufgebraucht wird“, sagt der Stuttgarter Vermögensfachmann Kazmaier. Im Vergleich zu einem Sparbuch oder so manch teuren hauseigenen Bankempfehlungen können die neuen Angebote für gut informierte Anleger mit begrenztem Vermögen aber eine interessante Alternative sein.

    Computergestützte Beratung ist kein Allheilmittel

    Claus WalterClaus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement GmbH, erklärt im Gespräch, warum sich Menschen erst informieren sollten, bevor sie computergestützte Anlageberatung nutzen.

    Würden Sie einem Roboter Ihr Geld anvertrauen?

    Nicht bevorzugt, aber wieso nicht? Für mich können sie ein hilfreiches Werkzeug zur Auswahl interessanter Investmentziele sein. Allerdings nur, wenn ich das Konzept und die Programmierung kenne und verstehe. Bei einigen Computeranlagemodellen sind die Entscheidungskriterien, die auf komplexen Algorithmen beruhen, allerdings nicht so ohne weiteres zu verstehen. Hier müsste ich erst überzeugt werden, dass der Roboter-Rat wirklich zu mir persönlich passt.

    Eignen sich Roboter-Berater als günstige Alternative für Einsteiger?

    Computergestützte Beratung ist kein Allheilmittel. Roboter ersetzen ganz sicher nicht die Notwendigkeit, sich selbst mit dem Thema Kapitalanlage vertraut zu machen. Wer einen neuen Fernseher oder ein Auto kauft, informiert sich ja auch über die technischen Merkmale. Die Käufer vertrauen nicht einfach den Empfehlungen eines Onlinehändlers. Mindestens die gleiche Sorgfalt empfehle ich für die Geldanlage.

    Wo hilft der Roboter nicht?

    Gerade am Anfang müssen grundsätzliche strukturelle Entscheidungen getroffen werden, etwa ob das eigene Ersparte überhaupt an der Börse richtig ist. Passt vielleicht ein Bausparer, ein Riester-Vertrag oder eine selbstgenutzte Immobilie besser zum eigenen Lebensentwurf? Computer tun sich schwer, solche umfassenden Fragen zu beantworten. Ganz zu schweigen von der Interpretation von Emotionen oder dem Erkennen von Verständnisproblemen. Aus ein paar Klicks lässt sich das nicht berechnen. Hier ist der menschliche Berater klar im Vorteil, weil er die Bedürfnisse ganzheitlich wahrnehmen kann.

    „Ein Computer ist nur so gut wie die Menschen, die ihn programmieren.“

    Wie unabhängig sind die Roboter?

    Am Ende ist die Beratung durch einen Computer immer nur so gut wie die Menschen, die ihn programmieren. Roboter schützen beispielsweise nicht automatisch vor vertriebsgesteuerten Anlageempfehlungen. Das heißt, es könnten bevorzugt zum Beispiel Produkte eines Anbieters empfohlen werden. Das müssen nicht unbedingt die vorteilhaftesten für die Kunden sein.

    Welchen Rat hätten Sie – den ein Roboter wahrscheinlich nicht geben würde – wie eine kleine Summe monatlich investiert werden sollte?

    Gerade bei niedrigen Sparbeträgen sind die Kosten der entscheidende Erfolgsfaktor. Da braucht es keinen noch so günstigen Rat, der auf hochkomplexen Algorithmen beruht. Einen guten klassischen Fondsparplan auf einen günstigen ETF oder ein preiswertes aktiv gemanagtes Produkt, das es zum Teil bei Direktbanken mit reduziertem Ausgabeaufschlag gibt, kann jeder mit etwas Anlagegrundwissen selber finden, ganz ohne Roboter.

    Nachricht an die Redaktion

    Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

    Nachricht an die Redaktion

    Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

      Ihre Nachricht an uns


      Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

      Artikel teilen

      [contact-form-7 404 "Nicht gefunden"]
      Ausgewählte Artikel zum Thema

      Wann lohnen sich Absicherungen?

      Gewinn und Verlust liegen an der Börse nah beieinander. Wer einen Lauf hatte, möchte sich die Gewinne ungerne durch eine Verlustphase wieder auffressen lassen. Wer so denkt, kann zu Absicherungen greifen. Diese machen aber nicht zu jeder Zeit und in jeder Marktphase Sinn. Falsch eingesetzt können sie sogar teuer werden. Grundsätzlich kostet jede Absicherung entweder […]

      Artikel lesen

      Sparen für die Kinder – wie geht man vor?

      Eine der Fragen, die mir als Vermögensverwalter am häufigsten gestellt wird, betrifft die geeignete Anlage für die Kinder oder Enkel. Die Meinungen zu diesem Thema gehen bedauerlicherweise weit auseinander. Gerade in Deutschland, wo der Sicherheitsgedanke dominiert, wird die Anlageform für den in der Regel sehr langfristigen Anlagehorizont häufig zu vorsichtig gewählt, um gängige Anlageziele wie […]

      Artikel lesen
      Gesetz und Paragrafen

      Sollten alte Fonds bis zum Jahresende verkauft werden?

      Die Einführung der 25-prozentigen Abgeltungssteuer sorgte 2009 für viel Wirbel und wurde den Sparern mit einem Bonbon schmackhaft gemacht. Wer vor dem 1. Januar 2009 seine Papiere erwarb, für den galt das alte Steuerrecht. Nach Ablauf der zwölfmonatigen Spekulationsfrist blieben alle Wertzuwächse dauerhaft steuerfrei. Diese Regelung machten sich viele Investoren zunutze, um sich noch 2008 […]

      Artikel lesen