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Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 30.10.2017 Drucken

Die Erfolgsrezepte der Investmentlegenden

Sei es Warren Buffet, George Soros oder André Kostolany – die Strategien der Investmentlegenden haben sich vielfach bewährt und wurden auch oft kopiert. Doch sind sie so einfach eins zu eins mit Erfolg nachzuahmen? Ganz so leicht ist es dann doch nicht.

Hier einige Erfolgsrezepte – Geheimnisse sind es ja nicht – deren Betrachtung lohnt. Erst einmal: Keine Vorurteile gegen Aktien.

Bulle und Bär auf ZeitungsseiteNoch immer ist nur ein ganz kleiner Teil des Geldvermögens der Deutschen in Aktien angelegt. In Anbetracht der Null- bzw. Negativzinsen, der ultralockeren Politik der Notenbanken und der überbordenden Staatsverschuldungen sind Sparbücher, Tagesgelder und (Staats-)Anleihen vor allem bei langem Anlagehorizont, also zum Beispiel für die Altersvorsorge, jedoch keine echte Alternative. Bei Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes sind sie auch alles andere als sicher.

Aktienanlage ist keine Spekulation

Während Renten(fonds) in den zurückliegenden 30 Jahren von Kursgewinnen aus fallenden Zinsen profitierten, sind ausgehend vom aktuellen Zinsniveau wohl eher Kursverluste zu befürchten. Insofern wäre die erste wichtige Lektion für Privatanleger, die Aktienanlage nicht als Spekulation misszuverstehen, sondern einen angemessenen Anteil des Vermögens – genau wie die Börsengurus – in Aktien zu investieren.

Was man vor allem von den großen Investoren lernen kann, ist Folgendes. Man muss verstehen, worin man investiert. Wer Aktien kauft, sollte sich zuvor mit dem Wesen der Aktie und den Mechanismen des Aktienmarktes auseinandergesetzt haben. Das Unternehmen sollte bei einer Investition im Fokus der Betrachtung stehen, nicht das Wertpapier. Eine Aktie ist kein abstraktes Zockerpapier, sondern ein verbrieftes Miteigentum an einem Unternehmen. Kursbewegungen einer Aktie spiegeln nicht notwendigerweise die reale Entwicklung des zugrundeliegenden Unternehmens wider.

Es lohnt sich, gegen den Strom zu schwimmen

Man muss sich seiner Emotionalität bewusst sein. Mir persönlich gefällt der Satz des Kabarettisten Karl Farkas: „Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen.“ Allzu leicht verfallen Anleger in Angst oder Gier und vergessen dabei rationale Grundsätze wie zum Beispiel, dass man etwas kauft, wenn es billig ist, und verkauft, wenn es teuer ist. Privatanleger neigen leider häufig dazu, Aktien dann zu kaufen, wenn sie gerade stark gestiegen sind, und zu verkaufen, wenn sie gerade stark gefallen sind. An der Börse lohnt es sich jedoch meist, gegen den Strom zu schwimmen. Erfolgreiche Investoren zeichnen sich durch ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Geduld aus. Sie lassen sich nicht verunsichern vom Herdenverhalten oder von irrationalen Übertreibungen des Marktes.

Nie alle Eier in einen Korb legen

Bei der Geldanlage gilt: nie alle Eier in einen Korb. Risikostreuung ist sinnvoll, sollte aber nicht übertrieben werden, denn der Preis zu breiter Diversifizierung ist die Mittelmäßigkeit. Man muss konsequent bei seiner Methode bleiben. Eine eingeschlagene Strategie gilt es, konsequent und langfristig durchzuhalten. Selbst wenn es Phasen unterdurchschnittlicher Wertentwicklung gibt. Meist folgt dem dann nämlich eine deutliche Outperformance.

Aktien sind nur langfristig berechenbar

In Aktien investiert man mit langfristigem Anlagehorizont, denn Aktienkurse sind nur langfristig berechenbar. Kurzfristig werden Aktienkurse von Terroristen, Tsunamis oder Trump beeinflusst, aber langfristig bestimmt der Wert einer Sache auch deren Preis. Wer verstanden hat, dass Schwankung nicht dasselbe wie Risiko ist, sondern eine zeitweise Kursveränderung, die es auszuhalten gilt, der kann kaum verhindern, dass er mit Qualitätsaktien Geld verdient. Der langfristige Zeithorizont macht sorgfältig ausgewählte Value-Aktien zur berechenbaren Geldanlage.

Direkt statt über Umwegen anlegen

Verstehen, worin man investiert, bedeutet für mich auch, dass man möglichst direkt in einzelne, sorgfältig ausgewählte Aktien oder Aktienfonds anlegt und sich nicht über intransparente und meist provisionsbeladene Zertifikate oder gar Derivate irgendwie an „den Aktienmarkt“ hängt. Auch Index-Investitionen über ETFs sind alles andere als ideal, da ein Index immer gute und schlechte, günstige und überteuerte Unternehmen enthält. Warum soll ich den ganzen „Eimer“ kaufen, wenn ich oder der Fondsmanager die besten und aussichtsreichsten Aktien einzeln aussuchen kann.

Buy and hold hat nicht ausgedient

Bei Kostolany fällt einem immer der Rat ein, man solle Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und reich aufwachen. Diese Börsenweisheit des Altmeisters war sicherlich auch von ihm selbst eher sinnbildlich gemeint und ist auch heute noch genauso zu verstehen: Gut geführte Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen werden mit den Jahren in aller Regel immer wertvoller, weshalb eine sogenannte “Buy-and-Hold”-Strategie bei entsprechend ausgewählten Aktien noch immer eine erfolgversprechende Methode ist.

Beim Kauf hellwach sein

Vor allem jedoch darf man als Aktionär bei fallenden Kursen nicht in Panik verfallen und dann verkaufen, wenn man eigentlich (nach)kaufen sollte. Hier hätten Schlaftabletten so manchen Anleger in Crash-Phasen davor bewahrt, aus vorübergehenden Kursschwankungen dauerhafte Verluste zu machen. Hellwach sein sollte man allerdings bei der Auswahl und der Bewertung der Aktien, die man kauft, um sie langfristig zu halten. Selbst die besten Unternehmen können sich nämlich zu einem miserablen Investment entwickeln, wenn sie zu teuer, also massiv überbewertet erworben wurden.

Übertreibungen schaffen Kaufgelegenheiten

Insofern gilt es, Einstiegsgelegenheiten zu nutzen. Dazu darf man den Zeitpunkt nicht verschlafen, allein schon deshalb, weil die Börse ein hochemotionales Phänomen ist, das kurzfristig von Psychologie, langfristig allerdings von den fundamentalen Daten bestimmt wird. Da Aktienkurse kurzfristig sehr irrational sein können, sollte ein Depot aktiv bewirtschaftet werden. Diese irrrationalen Übertreibungen schaffen Kaufgelegenheiten, wenn die Aktienkurse von Panik getrieben stark unter ihren fundamentalen Unternehmenswert fallen.

Abschied von überbewerteten Titeln

In Zeiten höchster Euphorie und Gier hingegen können die Kurse durch die Decke gehen. Dann ist es besser, sich von überbewerteten Aktien zu trennen, bevor es zum Absturz kommt. Wer dies als Privatanleger zum Beispiel aus Zeitgründen nicht leisten will oder kann, sollte einen gut gemanagten Aktienfonds kaufen oder ab 100.000 Euro einen unabhängigen Vermögensverwalter mandatieren. Unter diesen Bedingungen funktioniert dann auch die Schlaftabletten-Empfehlung.


Vermögensverwalter Rainer LaborenzAb und zu schreiben Experten für das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), die nicht zum Kernteam gehören. Aber was bedeutet das schon. Gäste empfängt man immer am wärmsten.

Wie Rainer Laborenz. Er ist Geschäftsführer der azemos vermögensmanagement GmbH in Offenburg.

 

 


 

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