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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 22.4.2020 Drucken

Was bewirkt die Pandemie im Rentensystem?

Die Corona-Krise wird Spuren im System der gesetzlichen Rente hinterlassen. Darin sind sich alle einig. Bleibt die Frage: Wie heftig fallen diese Effekte aus?

Das Munich Center for the Economics of Aging (MEA) am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik hat den Versuch unternommen, die Auswirkungen zu berechnen. Eine leichte Aufgabe ist das nicht. Zuviele Unwägbarkeiten beherrschen derzeit noch die Prognosen für die Zeit mit und nach der Krise.

Rente Höhe KostenDaher haben die Münchner Wissenschaftler um den anerkannten Rentenexperten Prof. Axel Börsch-Supan alles in allem sechs unterschiedliche Szenarien berechnet. Sie reichen von einem milden Verlauf mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von nur 1,5 Prozent und einer vergleichsweise schnellen Erholung bis zu einem BIP-Einbruch von neun Prozent und einer Rückkehr auf den ursprünglichen Wachstumspfad erst in mehr als zwei Jahren.

Lohnsumme geht zurück

Für alle sechs Szenarien gilt: Die Pandemie verursacht einen Beschäftigungsrückgang. Kurzarbeit und andere Maßnahmen federn ihn ab. Dennoch kommt es zu einem Rückgang der Lohnsumme. Sie stellt die Finanzierungsgrundlage der gesetzlichen Rentenversicherung dar. Je nach Szenario fallen die Jahreslöhne insgesamt um 1,5 Prozent, 5 Prozent oder 7,5 Prozent nominal. Würde die Rentenformel in ihrer Reinform wirken, käme es durch diese Lohnentwicklung zu niedrigeren Renten. Aber genau das hat der Gesetzgeber mit der Einführung einer Rentengarantie im Jahr 2005 verhindert.

Erwerbstätige stärker betroffen als Rentner

Daher entstehen durch die Corona-Krise Effekte, die stark asymmetrisch zu Gunsten der Rentner ausfallen. Die Garantie stellt sicher, dass der aktuelle Rentenwert, der zusammen mit der Höhe der erworbenen Entgeltpunkte die jeweilige Rentenhöhe ergibt, nicht fallen darf. Da aber gleichzeitig die Jahreslöhne zurückgehen, steigt das Rentenniveau 2021 deutlich an, je stärker die Rezession, umso kräftiger. Bei einer tiefen Rezession rechnen die Wissenschaftler mit einem Anstieg auf 52 Prozent. Da diese auch als Sicherungsniveau bezeichnete Größe die Relation der Rente des sogenannten Standardrentners zum Durchschnittslohn beschreibt, ist daran zu erkennen, dass Rentenempfänger viel weniger von der Pandemie betroffen sein werden als die Erwerbsbevölkerung. Deren Nettolöhne sinken im Vergleich zu den garantierten Renten sogar nominal.

Beitragserhöhungen werden nachgeholt

Erstens fallen bei einem starken Rückgang des BIP die Bruttolöhne insgesamt. Zweitens steigen die Rentenversicherungsbeiträge. “Außer in den Fällen einer relativ milden beziehungsweise kurzen Rezession wird schon 2021 die Haltelinie von 20 Prozent erreicht, was im Basisszenario (d. h. ohne die Corona-Krise) unter den von der Kommission ‘Verlässlicher Generationenvertrag’ angenommenen Voraussetzungen erst 2025 eingetreten wäre”, schreiben die Autoren des Diskussionspapiers. Da nach der herrschenden Gesetzeslage nach 2025 die Haltelinien wieder verschwinden, steigt dann der Beitragssatz in allen von den Wissenschaftlern berechneten Szenarien nochmals stark an. Die wegen der Haltelinie nicht möglichen Beitragsanpassungen werden später nachgeholt.

Bundeszuschuss steigt um bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr

Um solche einseitigen Belastungen der Beitragszahler zu vermeiden, enthielt die Rentenformel bis 2019 einen Nachholfaktor. Durch teilweise Kürzungen künftiger Rentensteigerungen fand ein Ausgleich statt. Doch den Nachholfaktor hat die Bundesregierung mit dem Rentenpaket von 2019 ausgeschaltet. Die Folge: Die Besserstellung der Rentner wirkt permanent, sprich für die gesamte Rentenbezugszeit. Gleichzeitig müssen die Beitrags- und Steuerzahler mit höheren Belastungen rechnen. Bis 2025 ist der Beitragssatz bei 20 Prozent gedeckelt. Lücken zwischen den Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung müssen daher mit höheren Bundesmitteln aus dem Steueraufkommen gefüllt werden. Nach den Berechnungen werden zwischen 3,3 und 10 Milliarden Euro zusätzliche Bundesmittel pro Jahr benötigt.

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