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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 13.12.2016 Drucken

Wenig rein, wenig raus

Teilzeitjobs bieten zwar mehr Flexibilität, sorgen aber für niedrige Renten – häufig bei Frauen.

Die Statistiken, die in den Medien zur Höhe der Frauen-Renten gezeigt werden, sind traurig. Weibliche Neurentner im Jahr 2015 erhielten im Durchschnitt 580 Euro Rente, während männliche Neurentner im Mittel 1.040 Euro Altersruhegeld beziehen. Aber mindestens ebenso beklagenswert wie die niedrigen Frauen-Renten ist der vorwurfsvolle Unterton, mit dem solche Statistiken in den Medien oft präsentiert werden. Es schwingt im Kontext mit, dass das deutsche Rentensystem ungerecht sei, weil es Frauen benachteilige.

Wer mehr einzahlt, erhält später auch mehr Rente

geschaeftsfrau_01Doch handelt es sich hier keineswegs um himmelschreiende Ungerechtigkeit, sondern um Grundschulmathematik. Ein Rentenpunkt in der gesetzlichen Rentenversicherung ist derzeit 30,45 Euro (West) bzw. 28,66 Euro (Ost) Rente wert. Wer wenig in die Rentenversicherung einzahlt, erwirbt weniger Rentenpunkte und wird folglich weniger Rente erhalten.

Genau genommen werden Frauen sogar bevorzugt behandelt, denn ihre lebenslange Rente pro Rentenpunkt ist genauso hoch wie die der Männer, obwohl Frauen im Durchschnitt sechs Jahre älter werden als Männer und daher statistisch länger Rente ausgezahlt bekommen.

Frauen sollten sich für ihre Altersvorsorge interessieren

Was also tun? Wichtig ist, dass Frauen sich mehr für Finanzen und Altersvorsorge interessieren und rechtzeitig eine Versorgung anstreben, die unabhängig von einem Mann funktioniert – nicht erst nach einer Scheidung oder einem anderen einschneidenden Ereignis.

Sobald jemand 27 Jahre alt und fünf Jahre rentenversichert ist, erhält er jährlich seine Renteninformation. Diese dort aufgeführten Zahlen sollen den Bürgern rechtzeitig vor Augen führen, welche monatliche Rente sie einmal aus der Deutschen Rentenversicherung erhalten werden. Meistens ist es weniger, als sich die Versicherten vorstellen. Daher sollte sich als nächstes jeder Gedanken darüber machen, wie viel Geld er oder sie im Rentenalter einmal monatlich zur Verfügung haben möchte. Der dritte Schritt ist dann, sich zu überlegen, woher man die Differenz zwischen der gewünschten Rente und dem Betrag, der in der Renteninformation steht, bekommt – und zwar Monat für Monat, solange man lebt.

Selbstverständlich sollten Frauen hierbei gleichberechtigt sein und emanzipiert handeln. Emanzipiertes Handeln beinhaltet auch, die Konsequenzen des heutigen Handelns zumindest grob abzuschätzen und entsprechend zu agieren. Das kann mitunter auch bedeuten: raus aus dem Teilzeitjob und rein in eine Vollzeitstelle. Wenig hilfreich für die spätere (gesetzliche) Rente sind 450-Euro-Jobs, denn sie wirken nicht merklich rentenerhöhend. Nur wer bei einem Minijob die Zahlungen in die Rentenversicherung freiwillig bis zur Pflichtversicherungshöhe aufstockt, dem werden zumindest die Zeiten angerechnet, und eine – wenn auch nur sehr geringe – Rentenerhöhung geht damit einher.

Nur ein bezahlter Job sorgt für eine eigenständige Rente

Wie sagte neulich eine Freundin von mir, die bisher Hausfrau ist und sich auf eine – zugegebenermaßen schlecht bezahlte – Teilzeitstelle beworben hatte? „Ich hab’s mir doch anders überlegt. Die Arbeit hätte mir den ganzen Tag zerschnitten.“ Ja, das ist zuweilen so! Natürlich kann Arbeit auch Stress bedeuten. In Betrieben wird umstrukturiert. Der Chef teilt einem auch mal ein unangenehmes Projekt zu. Die Kunden sind oft kompliziert. Aber „mit dem Beruf sind Frauen in der Welt“, wie es Bascha Mika in ihrem Buch „Mutprobe“ schreibt, „der Beruf stärkt das Selbstwertgefühl und die Eigenständigkeit.“ Nicht zuletzt sorgt er für ein Gehalt und baut eigene Rentenansprüche auf.

Teilzeit ist schön und gut. Viele Jahre haben Frauen gefordert, die Möglichkeiten einer reduzierten Beschäftigung zu verbessern, um in Zeiten, in denen die Familie sie stärker braucht, die wöchentliche Arbeitszeit reduzieren zu können. Doch diese Flexibilität ist zweischneidig. Man darf sich nichts vormachen: Weniger arbeiten heißt auch weniger in die Sozialversicherungssysteme einzahlen. Das hat wiederum einen geringeren Rentenanspruch zur Folge. Das sind Fakten, die im Alter häufig die Frauen treffen. Vielen fällt es offenbar aber auch schwer, von Teilzeit wieder auf eine Vollzeitstelle umzusteigen, wenn die Kinder flügge sind. Viele Frauen haben es sich kommod eingerichtet. Sichtbares Zeichen: Sprach- und Gymnastikkurse der Volkshochschulen, die vormittags stattfinden, sind voller Frauen. Nur vereinzelt trifft man dort Männer.

Jeder, der sich nicht anderweitig auf auskömmliche, lebenslange Zahlungen – etwa aus Mieteinnahmen – verlassen kann oder Lebenskünstler ist, sollte einen Fulltime-Job anstreben. Es sei denn, gravierende Gründe sprechen dagegen. Sonst wird die gesetzliche Rente kaum für einen angemessenen Lebensstil ausreichen.


Anke Dembowski Anke Dembowski - Wenig rein, wenig rausist geschäftsführende Gesellschafterin der Fondsfrauen GmbH sowie Finanzjournalistin.

 

 

 

 

 

 

 


 

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