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Einkommen & Vermögen | 25.1.2017 Drucken

Altersvorsorge von Künstlern: Von der Kunst zu leben

Geht es um die Altersvorsorge von Künstlern, besteht für viele die wahre Kunst vor allem darin, von der Kunst leben zu können.

Die meisten der rund 130.000 bildenden Künstler in Deutschland sind notgedrungen zugleich auch Lebenskünstler. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit muss oftmals ein Zweitjob dafür sorgen, dass sie über die Runden zu kommen. Diese prekäre Situation lässt den allermeisten Künstlern zugleich wenig Spielraum, um ihre Altersvorsorge und finanzielle Absicherung im Ruhestand proaktiv anzugehen. So ergibt sich ein gewisser Zwang, auch im Alter schöpferisch tätig zu bleiben, wenn ihre Altersgenossen längst im Ruhestand sind. Auch wenn dies mitunter Ausdruck eines kreativen Geistes, künstlerischer Autarkie oder der biografischen Freiheit sein mag. Die andere wahrscheinliche Folge: finanziell werden viele Künstler im Alter auf Grundsicherung angewiesen sein.

Die wirtschaftliche und soziale Lage bildender Künstler

Stellvertretend für andere kreativ-künstlerische Berufszweige zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK), wie es um die „brotlose Kunst“ und damit um die Altersvorsorge von Künstlern hierzulande steht. Es ist seit 1994 bereits die sechste derartige Erhebung. So ist ein längerfristiger Einblick in die Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Lage bildender Künstler während der letzten zwei Jahrzehnte möglich. Ausgewertet hat die Umfrage der Soziologe und Ökonom Dr. sc. Eckhard Priller vom Berliner Maecenata Institut.

„Künstlerisch wertvoll“ – für die wenigsten?

Von der eigentlichen Kunst, also dem Verkauf der Kunstwerke, kann nur eine kleine Minderheit leben. Vielfach kommen zusätzliche Einnahmequellen hinzu. Dazu zählen beispielsweise Honorare aus Lehrtätigkeiten und Kursangeboten, Vergütungen von der VG Bild-Kunst, Stipendien, Renten, Unterstützung durch die Familie oder klassisches Mäzenatentum. Mehr als ein Drittel der Befragten (38,7 Prozent) erzielt Einkünfte aus nichtkünstlerischer beruflicher Tätigkeit. Abgesehen davon, dass 12,5 Prozent der bildenden Künstler 2015 keinerlei Einkünfte durch ihre künstlerischen Aktivitäten erzielten, hat das Gros der Befragten (70,5 Prozent) lediglich Verkaufserlöse bis zu 10.000 Euro verzeichnet. Diese Einnahmen dürften jedoch kaum ausreichen, um den Lebensunterhalt dauerhaft zu bestreiten. Eine Altersvorsorge ließ sich damit erst recht nicht aufbauen. Dennoch bezieht nur ein äußerst geringer Teil Hartz-IV-Leistungen (3,9 Prozent). Nahezu jeder zehnte Befragte (9,7 Prozent)  hält es allerdings für möglich, derartige Leistungen beantragen zu müssen. Der Anteil kann sich also schnell ändern.


Altersvorsorge von Künstlern: Von der Kunst zu leben


Kunst kann sich allerdings auch auszahlen

Vermutlich haben jedoch nur Künstler mit einem Einkommen ab 20.000 Euro die Chance, damit ihr Leben und die anfallenden Kosten finanziell zu bewältigen. In die Spanne von 20.000 bis 50.000 Euro fallen jedoch lediglich 4,5 Prozent. Nur 1,8 Prozent der Künstler erreichen Einkünfte von mehr als 50.000 Euro. Interessanterweise ist der Kreis der „besser verdienenden“ Männer in den letzten Jahren gestiegen. So wuchs der Anteil mit Jahreseinkünften von 20.000 bis 50.000 Euro aus künstlerischen Aktivitäten von 4,8 Prozent (2007/2008) auf 8,7 Prozent im Jahr 2015. Auch der Anteil der Top-Verdiener in Sachen Kunst verdoppelte sich von 1,5 Prozent (2007/08) auf 3,1 Prozent (2015).

Die Künstlersozialkasse – ein existentieller Zufluchtsort?

Fast 64.000 bildende Künstler sind in der Künstlersozialkasse (KSK) versichert, Tendenz deutlich steigend. Für 75,4 Prozent der Befragten ist beziehungsweise wäre eine KSK-Mitgliedschaft von „herausragender Bedeutung“ für die künstlerische Tätigkeit. Dennoch ist – auch wegen des zu geringen Verdienstes – nicht einmal die Hälfte der Befragten in der KSK versichert. Der Grund: die wichtigste Vorraussetzung für eine Mitgliedschaft ist ein mit künstlerischer oder vergleichbarer Tätigkeit erwirtschaftetes Jahreseinkommen von mindestens 3.900 Euro. KSK-Versicherte zahlen wie abhängig Beschäftigte nur die Hälfte der SV-Beiträge. Die andere Hälfte stammt aus der Künstlersozialabgabe und aus Steuermitteln. Auffällig ist, dass auch in der Kunst keine Einkommensparität zwischen Frauen und Männern besteht. So liegt laut KSK das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer bei 17.013 Euro, das der Frauen hingegen nur bei 12.162 Euro. Dieser „Gender Pay Gap“ hängt vom Alter ab. Das höchste durchschnittliche Jahreseinkommen verzeichnen Künstler/-innen übrigens in der Altersgruppe von 40 bis 50 Jahren.


Altersvorsorge von Künstlern: Von der Kunst zu leben


Ein Drittel (32,7 Prozent) der an der Umfrage beteiligten Künstler/-innen gab Altersbezüge an. Hierbei wirkt sich das höhere Lebensalter der männlichen Teilnehmer aus. So bezogen 38,6 Prozent der Künstler und 28,1 Prozent der Künstlerinnen Altersbezüge aus verschiedenen Quellen. Sie stammen aus weiterhin freiberuflicher oder abhängiger künstlerischer Tätigkeit oder Lehrtätigkeit beziehungsweise aus Altersrenten aus früheren Arbeits- und Angestelltenverhältnissen, Witwen- und Witwerrenten oder sonstigen Quellen. Auf künstlerischen Aktivitäten basierende Alterseinkünfte überwiegen deutlich, vor allem bei Männern. So führten 61 Prozent der Männer und 48,3 Prozent der Frauen ihre Alterseinkünfte auf Quellen zurück, die mit ihrer künstlerischen Tätigkeit im Zusammenhang stehen.

Monat für Monat: für die meisten zu wenig

Betrachtet man die Höhe der monatlichen Renten und Pensionen, so wird schnell deutlich, dass diese für eine angemessene Absicherung im Alter kaum ausreichen. Nahezu die Hälfte (46,1 Prozent) bezieht monatlich weniger als 800 Euro Rente, mehr als jeder Fünfte (22,1 Prozent) berichtet sogar nur über Altersbezüge von bis zu 400 Euro im Monat. Lediglich jeder Achte (12,7 Prozent) hat eine Monatsrente zwischen 1.001 bis 1.500 Euro.  Auf monatliche Altersbezüge von mehr als 3.000 Euro kommen 5,8 Prozent.


Altersvorsorge von Künstlern: Von der Kunst zu leben


Fazit: Von der Kunst zu leben ist und bleibt eine Kunst

Von der Kunst zu leben ist und bleibt allerdings für die meisten bildenden Künstlerinnen und Künstler eine ständige Gratwanderung. Das lässt sich wohl auch auf andere Künstlergruppen übertragen. In vielen Fällen ist das monetäre Ergebnis künstlerischen Schaffens zu gering, um daraus eine adäquate Altersvorsorge aufzubauen. So lautet auch das Fazit des Studienautors: In den vergangenen 20 Jahren habe sich sehr wenig getan, meint Eckhard Priller. „Ich hätte eine stärkere positive Entwicklung erwartet.“

Einkommenssituation_bildender_Kuenstler_2016_3_altersbezuege_und_deren_herkunft


Das Projekt wurde gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Hier gibt es eine Bestellmöglichkeit der BBK-Studie – kostenpflichtig für 12 Euro.


 

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