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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 12.7.2018 Drucken

Welche Folgen hat der demographische Wandel?

Der demographische Wandel findet unaufhaltsam statt. Durch ihn entstehen massive Probleme für das deutsche Rentensystem. Die geplante Finanzierung ist nach jetzigem Stand nicht tragbar.

Die Lebenserwartung steigt und steigt. Damit stehen die Deutschen vor einem Problem: Immer weniger Beschäftigte müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente kann diese Entwicklung auf Dauer nicht kompensieren. Doch was genau der demographische Wandel für die Beitragssätze, das Rentenniveau und die Ruhestandsplanung bedeutet, errechnete die Bertelsmann-Stiftung. Die Studie von Professor Dr. Martin Werding ermittelte dafür zunächst die voraussichtliche Bevölkerungsstruktur bis zum Jahr 2080 und zeigte im Anschluss die daraus resultierenden Folgen.

Welche Folgen hat der demographische Wandel?Danach sinkt das Rentenniveau von derzeit 48,7 auf 40,5 Prozent im Jahr 2060. Noch einmal 20 Jahre später liegt es nur noch bei 38,8 Prozent. Um dennoch im Alter ausreichend versorgt zu sein, muss während des Berufslebens verstärkt für den Ruhestand gespart werden. Doch das gestaltet sich schwierig, da Arbeitnehmer in Zukunft immer höhere Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Der finanzielle Spielraum engt sich also ein.

Der aktuelle Beitragssatz für die gesetzliche Rentenversicherung steigt innerhalb der nächsten 60 Jahre von aktuell 18,6 auf 26,8 Prozent. Ebenso erhöhen sich die Abgaben für die Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Insgesamt wachsen die Beiträge von 39,7 Prozent auf knapp 60 Prozent im Jahr 2080. Die Sozialabgaben überschreiten bereits 2021 den Durchschnittswert der vergangenen Jahre. Auch ihren bisherigen Spitzenwert von 2005 erreichen sie spätestens 2027.

Für die Zeit nach 2030 gibt es von der Bundesregierung bisher keine Untergrenze für die Entwicklung des Rentenniveaus. Sollte das Niveau danach weiterhin fixiert werden, geht das mit einem erheblichen Anstieg der Beitragssätze einher. Das Risiko der Altersarmut minimiert sich dadurch aber kaum.

Wie nun das Problem lösen?

Das Rentenniveau ist von der Bundesregierung bis 2030 bei 43 Prozent fixiert. Aufgrund der derzeit günstigen Arbeitsmarktentwicklung ist die Gesetzliche Rentenversicherung bis dato nach Studienautor Professor Dr. Martin Werding zwar finanzierbar, aber anschließend werden sehr schnell massive Probleme entstehen. Diese betreffen alle heutigen unter 55-Jährigen. Werding resümiert seine Ergebnisse mit folgender Schlussfolgerung: „Die öffentlichen Finanzen sind aufgrund absehbarer Effekte des demographischen Wandels unter den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen aus heutiger Sicht nicht tragfähig.“

Doch was kann verändert werden? Wie ist das Problem zu lösen? Werding entwirft dazu mehrere Alternativszenarien, die das Rentensystem positiv beeinflussen. So verbessern sich beispielsweise Rentenniveau und Beitragssätze unter einer dauerhaft hohen Zuwanderung. Es würden dann wieder mehr Erwerbstätige in die Rentenkasse einzahlen. Das gelingt natürlich nur bei einer erfolgreichen Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt. Den gleichen Effekt erzielt ein deutlicher Wiederanstieg der deutschen Geburtenziffer. Die Auswirkungen wären dabei zwar sehr langfristig, dafür aber umso stärker. Auch eine steigende Erwerbsbeteiligung ist von großer Bedeutung.

Fazit: Das Problem des demographischen Wandels besteht darin, dass immer weniger Arbeitnehmer in die Rentenkasse einzahlen und gleichzeitig immer mehr Rentner aus dieser Kasse ausbezahlt werden. Die Lösung liegt folglich nahe: Deutschland braucht wieder mehr Erwerbstätige. Ob dies nun durch eine erhöhte Zuwanderung, die Aktivierung von Arbeitslosen oder mehr Neugeborene geschieht, ist letztlich egal. Bei den dramatischen Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung packt man am besten bei allen drei Stellschrauben gleichzeitig an.

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