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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 28.5.2014 Drucken

Lebenslagen: Realität überholt Politik

Der interaktive Atlas des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veranschaulicht Lebenslagen in Deutschland und in anderen europäischen Staaten.

In welchen Regionen verdienen die Menschen am meisten? Wo leben sie am längsten? Wo werden die meisten Kinder geboren? Ein Gespräch darüber mit Helmut Janich, stellvertretender Referatsleiter Raum- und Stadtbeobachtung des BBSR.

Rankings und Ratings zu den verschiedensten Themen sind mittlerweile so populär wie inflationär. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Was bringen solche statistischen Vergleiche?

Bei all diesen Fragen von Bildung bis Demografie geht es in unserer Darstellung nicht um das plakative Zurschaustellen jener Orte und Regionen mit besonderen Schwächen oder Risiken. Wir rücken keine Rankings in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Vielmehr setzen wir auf die vergleichende kartografische Darstellung der Lebensbedingungen in Deutschlands Städten und Landkreisen, nach dem Motto: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Die interaktiven Karten machen die regionale Betroffenheit – etwa bei der Alterung – ebenso anschaulich wie noch ungenutzte Chancen und Potenziale. Außerdem geben sie Hinweise darauf, wie es um das im Grundgesetz verankerte Postulat der „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse“ bestellt ist.

Der interaktive Atlas liefert verschiedene Verknüpfungsmöglichkeiten. Welche Erkenntnisse waren für Sie besonders frappierend?

Dass sich bereits jetzt so große regionale Unterschiede im Altersaufbau der Bevölkerung zeigen, hätte ich in dieser Dimension nicht erwartet. Überraschend ist außerdem, dass Kommunen mit einer wachsenden und solche mit einer sinkenden Einwohnerzahl oft in unmittelbarer Nachbarschaft liegen.

„Vor allem jüngere Frauen ziehen in den Westen oder in Städte.“

Wo müsste man auf der Deutschlandkarte danach suchen?

Das ist kein Phänomen, das sich regional oder nach Bundesländern festzurren lässt. Wir haben in allen Bundesländern ein solches Nebeneinander von Wachstum und Schrumpfung, nicht nur bezogen auf die Bevölkerung, sondern auch hinsichtlich Kaufkraft, Steuereinnahmen, Zunahme der Lebenserwartung. Während die eine Kommune stark wächst, kann die nur etwa 15 Kilometer entfernte Stadt gleichzeitig stark schrumpfen. Drittens schließlich die Erkenntnis: Die Debatte um fehlende junge Frauen auf dem Lande entspricht durchaus der Realität.

Haben Sie eine Erklärung für dieses spezielle Manko?

Seit einigen Jahren wandern aus bestimmten Regionen der Bundesrepublik vor allem jüngere Frauen ab. Gerade in den östlichen Bundesländern wie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird das Wanderungsgeschehen überwiegend durch sie geprägt. Sie ziehen in den Westen oder in größere Städte – in den letzten Jahren auch in Städte des Ostens. Hauptgründe der Abwanderung sind bei den 18- bis unter 25-Jährigen Ausbildung und Arbeitsmarkt, bei den über 25-Jährigen dominieren dann die beruflichen Gründe beim Wegzug aus der bisherigen Wohnregion.

„Lebenserwartung ist auch ein Maß für Lebensqualität.“

Sprechen wir über die gewachsene Lebenserwartung hierzulande – da wo sie am höchsten ist und über mögliche Gründe dafür. Was sagen die Deutschlandkarten dazu aus?

Die Lebenserwartung ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Natürlich steht vieles im Zusammenhang mit der Gesundheits- und Erwerbsbiografie. Haben die Menschen ihr Leben lang gearbeitet oder waren sie nicht erwerbstätig? Waren sie häufig krank oder überwiegend bei guter Gesundheit? Lebenserwartung, das ist auch ein Maß für die Lebensqualität. Im Süden der Bundesrepublik ist sie in der Regel höher als im Norden, im Westen höher als im Osten. Das geht einher mit der Tendenz, wie sich Arbeitslosigkeit und Sozialhilfeempfänger einerseits und hohe Renten andererseits verteilen. Das spielt sicherlich für die Lebenserwartung auch eine Rolle. Das machen die Regionalstatistiken deutlich. Gleichzeitig werfen sie neue Fragen auf.

Welche Fragen sind das?

Kommt es als Folge des demografischen Wandels zu einer stärkeren Polarisierung und regionalen Konzentration ökonomischer Wachstumsprozesse? Wie reagieren Städte und Regionen auf den erhöhten Wohnungsleerstand? Wie kann das Ziel aufrechterhalten werden, gleichwertige Lebensverhältnisse in der gesamten Bundesrepublik herzustellen? Der demografische Wandel schafft Anforderungen an eine vorausschauende demografiegerechte Bau-, Wohnungs-, Stadtentwicklungs- und Mobilitätspolitik. So sind zum Beispiel Infrastruktureinrichtungen wie etwa Seniorenheime sehr unterschiedlich verteilt. Vor allem fehlen sie in den Gebieten, die in Zukunft besonders stark von Alterung betroffen sein werden. Hier überholt die Realität die Politik.

„In Zentraleuropa finden wir überall die gleichen demografischen Probleme.“

Der digitale Atlas führt nicht nur regionalstatistische Daten aus der Bundesrepublik zusammen, sondern auch im europäischen Maßstab. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeichnen sich dort beim Thema Demografie ab?

In Zentraleuropa – also in Ländern wie der Bundesrepublik, Frankreich, den Niederlanden, in Großbritannien, Luxemburg und Belgien – lassen sich im Grunde überall die gleichen demografischen Probleme beobachten. Es sind Länder, die ‚überaltern’. Je weiter man in Europa an die Außengrenzen in Richtung Osteuropa geht, umso jünger wird die Altersschichtung. Das heißt, umso mehr Jüngere sind da. In Polen beispielsweise sind 13,5 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre; in der Slowakei nur 12,6 Prozent. In Deutschland ist mittlerweile jeder vierte Einwohner älter als 65. Bei der mittleren Lebenserwartung zeigt sich in Europa dagegen ein anderes Bild: Hier sind es insbesondere die Länder Kerneuropas, die sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen eine höhere Lebenserwartung aufweisen als der Durchschnitt der Europäischen Union mit 77,4 Jahren bei Männern und 83,2 Jahren bei Frauen. In Bezug auf die Frauen fällt auf: Die höchste Lebenserwartung besteht in den südlichen Ländern Europas – Portugal, Italien und Spanien.

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