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Demographie | 29.12.2016 Drucken

Irren nach Zahlen

Statistik birgt Fallen. Falscher Umgang mit Zahlen führt zu skurrilen Ergebnissen. Einige solcher Fälle spießen die Autoren der „Unstatistik des Monats“ auf. Unlängst war ihnen eine statistische Rarität zur Gleichstellung in die Finger geraten.

An diesem Satz aus dem Schweizer Magazin Blick blieben sie hängen: „Erst im Jahr 2186 werden Frauen und Männer wirtschaftlich gleich gut aufgestellt sein.“ Auch Focus online und andere deutsche Medien griffen diese Zahlen aus dem „Gender Gap Report“ des Weltwirtschaftsforums vom 25. Oktober auf und meldeten noch im November: „Es dauert noch 170 Jahre bis zur Gleichberechtigung.“

Verstellter BlickDie Streiter wider die Unstatistik klären auf: Technisch gesehen ist das eine lineare Trendextrapolation. Was wäre, wenn die Angleichung der Löhne und Gehälter im gleichem Tempo fortschritte wie letztes Jahr? Niemand hat dergleichen Extrapolationen überzeugender als Unfug entlarvt als der großartige Mark Twain. „Binnen 170 Jahren hat sich der untere Mississippi um 240 Meilen verkürzt“, schreibt er in „Leben auf dem Mississippi“. „Das macht im Durchschnitt 1 1/3 Meilen pro Jahr. Daher sieht jeder Mensch, es sei denn er ist blind oder ein Idiot, dass vor einer Million Jahren der untere Mississippi mehr als eine Million dreihunderttausend Meilen lang gewesen ist.“

Keine ernstzunehmende Prognose

Ob also Frauen in 10 oder 100 Jahren oder niemals das Einkommen der Männer erreichen, ist aus aktuellen Wachstumsraten nicht abzulesen. Seriöse Medien haben denn auch die 170 Jahre als reine „Was-wäre-wenn“-Gedankenspielerei kolportiert. Schließlich hat das mit einer ernstzunehmenden Prognose nichts zu tun. Letztes Jahr hatten die Experten des Weltwirtschaftsforums noch 118 Jahre geschätzt, was die Unzuverlässigkeit solcher Hochrechnungen illustriert. Das Problem ist, dass Zahlen wie 170 Jahre ernstgenommen werden könnten und dann entsprechend wenig unternommen wird, um die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen demnächst wirklich zu beseitigen.


Seit 2012 veröffentlichen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Bochumer Ökonom Thomas Bauer und der Dortmunder Statistiker Walter Krämer die „Unstatistik des Monats“. Sie hinterfragen alle vier Wochen veröffentlichte Zahlen und deren Interpretationen. Auf diese Weise wollen sie zu einem vernünftigen Umgang mit Daten und Fakten beitragen. In Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit sollen korrekt zu interpretieren werden.


 

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