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    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

    Die Börse im Blick: So wird investiert.

    Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 10.5.2021 Drucken

    Festgeld: Vorsicht bei der Jagd auf Zinsen

    Ein Skandal erschütterte das Vertrauen in die Finanzbranche: Die Pleite der Greensill Bank in Bremen. Kein Drama könnte man meinen, ist die Bank doch eigentlich eher unbekannt.

    Dennoch war das Geschrei groß, denn nicht nur Privatanleger haben ihre Spargelder zu dem Institut getragen, auch viele Kämmerer legten die Steuergelder ihrer Kommunen dort an, um den Verwahrgebühren bei der Haussparkasse zu entgehen und etwas mehr Zinsen zu erzielen.

    Zinsen Rechnungszins

    Die privaten Sparer wurden inzwischen entschädigt. Bei den Kommunen ist die Lage anders: Als institutionelle Anleger sind sie von der Entschädigung ausgenommen. Wie planlos offensichtlich manche Kommune mit den Steuergeldern ihrer Bürger umgeht, ist ein anderes Thema.

    Aber auch private Verbraucher sollten genauer hinschauen, wohin sie ihr Geld geben. Der Greensill-Fall ist dafür mal wieder ein Warnschuss und gleicht dem Fiasko bei der isländischen Kaupthing Bank vor einigen Jahren. Verbraucherschützer pochen daher zu Recht immer wieder darauf, dass Sparer ihr Geld nicht einfach via Plattform über die ganze Welt verteilen, um noch ein paar Euro Zinsen mehr zu verdienen.

    Einlagenschutz wird vor Ort durchgesetzt

    Gemeint sind Zinsplattformen, über die viele Anleger arglos Geld auf Konten, auch außerhalb Deutschlands, anlegen, um die lästigen Minuszinsen zu umgehen oder sogar überdurchschnittliche positive Zinsen einzustreichen. Vor allem Plattformen wie Weltsparen und Zinspilot vermitteln den Zugang zu Banken, die nicht am deutschen Markt mit einer Filiale aktiv sind. Festgeld von 5.000 Euro über ein Jahr bringt bei einer Bank in Bulgarien oder Rumänien gerade mal rund 17 Euro mehr ein als im Inland. Der EU-weite Einlagenschutz gilt zwar auch dort. Aber umgesetzt wird die Absicherung vor Ort.

    Schlaflose Nächte für ein paar Euro mehr

    Wenn also bei der Pleite einer größeren Bank der Einlagensicherungsfonds leer ist, müsste der betroffene Staat mit Steuermitteln deutsche Sparer entschädigen. Das Geld müssten die Sparer dort einklagen, wo es liegt. Anspruch auf ihr Kapital hätten sie überdies nur in Landeswährung.

    Dass Sparer versuchen, den Strafzinsen auszuweichen, ist verständlich. Dass sie sich aber über wildes Zinshüpfen für ein paar Euro mehr womöglich schlaflose Nächte einhandeln, dagegen weniger. Es macht in der Regel wenig Sinn, über Zinsplattformen in ganz Europa Aufschlägen in Höhe von Bruchteilen von Minizinssätzen nachzujagen.


    Marc-Oliver Lux

    Gastautor Dr. Marc-Oliver Lux arbeitet bei der Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München. Weitere Beiträge von ihm und anderen Vermögensverwaltern finden Sie auf www.v-check.de.

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