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Kapitalmärkte und Kapitalanlagen

Die Börse im Blick: So wird investiert.

Kapitalmärkte und Kapitalanlagen | 13.1.2014 Drucken

Altersvorsorge mit Fonds: Aktive Verwalter im Vorteil

Aktienfonds sind für die langfristige Altersvorsorge eine gute Lösung. Da die Kosten aber potenzielle Renditekiller sind, sollten Anleger auf die wirklich aktiven Manager setzen. Die Kennziffer Active Share hilft bei der Fondsauswahl.

Gastautor Ali Masarwah, der als Chefredakteur die deutschsprachigen Web-Seiten von Morningstar, einem führenden Anbieter unabhängiger Investmentanalysen, verantwortet, erläutert die Möglichkeiten und Grenzen dieser Kennziffer.

„Fonds für die Altersvorsorge – ja oder nein?“ Diese Frage wird heiß diskutiert, von Finanz- und Versicherungsberatern und Anlegern gleichermaßen. In der Regel werden die Renditevorteile den Nachteilen der erhöhten Risiken einer freien Anlage am Kapitalmarkt gegenübergestellt.  Wir bei Morningstar sind der Meinung, dass vor allem aktienbasiertes Sparen eine der ertragreichsten Formen der Vermögensbildung darstellt. Aktieninvestments sind nicht nur empfehlenswert, sondern angesichts der niedrigen Verzinsung der klassischen Kapitallebensversicherungen auch eine Notwendigkeit. Dabei sind Fondsinvestments aufgrund der Diversifikationsvorteile für die meisten Privatanleger fast schon ein Muss. Allerdings sollte sich der Vorsorgende einen realistischen Blick für die Möglichkeiten und Grenzen einer Fondsanlage bewahren. Sowohl beim Rendite- wie auch beim Risikoaspekt herrschen bei Anlegern weit verbreitete falsche Vorstellungen bzw. unrealistische Erwartungen vor, was viel Enttäuschungspotenzial in sich birgt.

Buntstifte-schwarz-rotIm Kern geht es um die Frage, ob sich die höhere Volatilität eines Aktieninvestments lohnt. Hier gilt es zunächst, mit einigen gängigen Vertriebsargumenten kritisch ins Gericht zu gehen. Häufig werden bei Beratungsgesprächen die langjährigen Aktienmarktrenditen hervorgehoben. Aktien bringen auf lange Sicht Renditen zwischen sechs und acht Prozent pro Jahr. Diese Rechnung wird allerdings ohne die Berücksichtigung von Fondskosten und Steuern gemacht. In der Regel schlagen bei Fonds Gesamtkostenquoten von 1,5 bis zwei Prozent ins Kontor. Die Abgeltungssteuer nagt zusätzlich am Ertrag. Unterstellt man zudem Inflationsraten von zwei Prozent, wandelt sich eine auf den ersten Blick attraktive Marktrendite von bis zu acht Prozent pro Jahr zu kümmerlichen realen Renditen von zwei bis drei Prozent. Was soll man dazu sagen?

Nur aktive Manager übertreffen ihren Index

Daraus ergibt sich bei Fonds die Notwendigkeit, dass jeder Schuss sitzen muss. Wer 1,5 bis zwei Prozent Kosten in den Wind schreibt, sollte sichergehen, dass „sein“ Fondsmanager das Geld auch wirklich Wert ist. Er muss nicht nur die Marktrenditen abgreifen, sondern auch seine Kosten wieder für den Anleger herausholen. Leider kleben allzu häufig vermeintlich aktive Manager an ihren Indizes. Sie bilden die Marktperformance ab, kassieren dafür aber saftige Gebühren, sodass kümmerliche Anlegerrenditen quasi schon Programm sind. Ein Fondsmanager sollte also wirklich „aktiv“ sein und seinen Index als Messlatte begreifen, die es zu übertreffen gilt. Schließlich kann ein Fonds nur dann seinen Referenzindex übertreffen, wenn er von ihm abweicht. Tut er das nicht, kann der Anleger gleich in günstige Indexprodukte investieren. Dies dürfte ein wichtiger Grund für die wachsende Popularität von börsennotierten Indexfonds (ETFs) sein.

Statistische Methoden haben ihre Tücken

Doch wie misst man die Aktivität eines Fondsmanagers? Es gibt statistische Zahlen, die die Abweichung eines Portfolios von seinem Index, im Fachjargon auch Benchmark genannt, messen. Häufig wird der Tracking Error verwendet, der die Standardabweichung der Differenz zwischen Index- und Portfoliorendite misst. Ein niedriger Tracking Error signalisiert einen geringen Unterschied zwischen Index und Fonds, ein hoher Tracking Error ein hohes Maß an Emanzipation von der Benchmark. Doch wie viele statistische Messmethoden hat auch der Tracking Error seine Tücken. Fondsmanager, die sich auf Titelselektion spezialisieren, weisen typischerweise einen niedrigeren Tracking Error auf als Fonds, die mit Sektor-Wetten versuchen, den Index zu übertreffen. Somit können hinter Fonds mit niedrigem Tracking Error durchaus aktive Strategien bzw. Fondsmanager stehen.

Schnittmengen zwischen Index und Fondsportfolio

Aus diesem Grund rückt ein neues Messverfahren, das gleichermaßen einfach wie naheliegend ist, seit einiger Zeit zunehmend in den Vordergrund. Der Active Share misst die Aktivität von Fonds, indem er das Fondsportfolio mit seinem Referenzindex abgleicht. Man legt quasi das Fondsportfolio auf den Index und misst die Schnittmengen. Diese Messmethode hat den Vorteil, dass sie auf einem Abgleich realer Portfolios basiert und nicht auf Korrelationskennzahlen, die letztlich nur Aproximationen liefern. Der Active Share ist ein prozentualer Wert zwischen null und hundert. Ein Portfolio mit einem Aktivitätsgrad von 0 % weist keine Abweichung vom Indexportfolio auf, eines mit einem Active Share von 100 % stimmt in keiner Position mit dem Index überein.

Active Share als ein Kriterium unter vielen

Diese Kennzahl, die von den Yale-Wissenschaftlern Antti Petajisto und Martijn Cramers eingeführt wurde, verwenden wir heute bei Morningstar standardmäßig in der Fondsanalyse. Der Active Share ermöglicht es recht schnell, ein Gefühl für den Grad der Aktivität eines Fondsmanagers zu entwickeln. Während die Erfinder der Kennzahl die These vertreten, dass Fonds mit einem hohen Aktive Share per se überdurchschnittliche Renditen erzielen, gehen wir bei Morningstar mit weniger großen Ambitionen vor. Große Durchschnitte sagen bekanntlich wenig über das Beispiel im Konkreten aus.

Wir verwenden den Active Share daher als einen Baustein unter vielen, die insgesamt Aufschluss über die Güte eines Fonds geben. Auch wenn ein hoher Active Share eine wichtige Voraussetzung für eine überdurchschnittlich gute Rendite darstellt, gibt es weitere Faktoren für den Erfolg einer Fondsanlage: die Kosten, der Fondsmanager bzw. der Investmentprozess sowie das eingegangene Risiko. Zudem liefert der Active Share nur Auskunft über die Ferne eines Fonds zu seinem Index. Was der daraus macht, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich gibt es genug Fondsmanager, die vom Index abweichen und dabei kräftig danebenliegen.


Altersvorsorge mit Fonds: Aktive Verwalter im VorteilDie Tabelle zeigt die größten 20 aktiv verwalteten Fonds der Kategorie „Aktien global Standardwerte blend“, die am deutschen Markt zum Vertrieb zugelassen sind. Sortierkriterium ist der Active Share, der am 31. 12. 2013 gemessen wurde. Die Übersicht zeigt eine relativ breite Spanne, die von niedrigen 26,5 % bis 94,7 % reicht. Der „aktivste“ Fonds der Auswahl ist der Harris Assocciates Global Equity Fund aus dem Hause Natixis; der am wenigsten aktive Fonds ist der Dimensional Global Core Equity.


Ein Blick auf die Fünf-Jahres-Renditen (per Ende 2013) zeigt, dass etliche aktive Fonds mehr oder weniger deutliche Überrenditen gegenüber dem Index MSCI Welt erzielen konnten – so etwa die drei Fonds mit den höchsten Werten beim Active Share, der Harris Global Equities, M&G Global Leaders und Investec Global Dynamic. Sie ließen den MSCI Welt hinter sich. Auch der JP Morgan Global Focus konnte den MSCI World deutlich übertreffen. Dabei handelt es sich bei unserer Fondsauswahl zwar um eine Momentaufnahme (Stichtag: 31.12.2013). Sie ist aber repräsentativ, da ceteris paribus der Active Share über die Zeit bei den allermeisten Fonds ziemlich konstant ist. Ein aktiver Manager bleibt in der Regel aktiv, ein indexnaher Manager indexnah.

Active Share sagt viel, aber eben nicht alles über einen Fonds aus

Etliche Fonds, die niedrige Active-Share-Werte zeigen, schnitten weniger gut ab, etwa der Fidelity International, JP Morgan Global Dynamic sowie die beiden DWS-Fonds DWS Vermögensbildungsfonds I und DWS Akkumula. (In der Ära Klaus Kaldemorgen, der für einen Großteil der Fünf-Jahres-Performance-Historie verantwortlich ist, war der Active Share zwar höher, lag aber auch unter dem Durchschnitt der anderen großen Fonds unserer Auswahl).

Doch es gibt auch Ausnahmen. Produkte wie der Schroder ISF QEP Global Core und der Dimensional Global Core konnten den MSCI Welt ebenfalls deutlich übertreffen, auch wenn sie die niedrigsten Active-Share-Quoten der Fondsauswahl aufwiesen. Es handelt sich um institutionelle Fonds, die sehr niedrige Gebühren aufweisen. Niedrige Kosten gelten nicht umsonst als einer der wichtigsten Faktoren für die künftige (relative) Performance eines Fonds. Insofern sagt der Active Share zwar viel, aber eben nicht alles über einen Fonds aus.


Morningstar liefert auf seinen Internetseiten Informationen über Fonds, die Privatanleger in Deutschland erwerben können, sowie unab- hängige redaktionelle Inhalte, die von Morningstar-Analysten in München und rund um den Erdball erstellt werden. Hinzu kommen Produkte und Dienstleistungen für Berater und institutionelle Anleger, darunter die Morningstar® Adviser Workstation™, ein webbasiertes System für die Anlageplanung sowie Morningstar® Data, eine Quelle für globale Investmentdaten.


 

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