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    Einkommen & Vermögen

    Rund ums liebe Geld: So viel wird verdient.

    Einkommen & Vermögen | 3.5.2022 Drucken

    Finanzplan – die Rückkehr des Haushaltsbuches

    Das Leben in Deutschland wird spürbar teurer. Russlands Krieg lässt die Energiepreise steigen und treibt die Inflationsrate in der Eurozone in ungeahnte Höhen.

    Ökonomen rechnen für das Gesamtjahr derzeit mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von mehr als sechs Prozent. In solchen Phasen erscheint guter Rat teuer, ist aber einfacher zu erhalten, als man denkt. Gerade bei knappen Kassen ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen. Schon die schwäbische Hausfrau erreichte mit ihrem Haushaltsbuch Klarheit über Einnahmen und Ausgaben. In Unternehmen ist Buchführung eine Selbstverständlichkeit. In Krisenzeiten sollten auch Privathaushalte darauf zurückgreifen.

    Die wenigsten Menschen haben ein klares Bild von ihren Vermögensverhältnissen. Das Vermögen setzt sich meist aus Fondsanteilen, vielleicht ein paar Einzelaktien, Immobilien, Lebensversicherungen und Tages- oder Festgeld zusammen. Die Mischung von Portfolios entsteht häufig eher situationsbedingt als strategisch geplant.

    Unklare Ausgaben

    Vor allem über ihre Ausgaben haben viele Haushalte nur ungefähre Vorstellungen. Die großen regelmäßigen Posten sind bekannt. Bei den allgemeinen Lebenshaltungskosten dagegen ist das Detailwissen nicht sehr ausgeprägt. In vielen Fällen ist glücklicherweise am Ende des Monats noch Geld da. Aber spätestens dann, wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist, sollten die Betreffenden handeln. Deshalb ist es wichtig, sich zu Beginn einen Überblick über seine Ausgaben zu verschaffen. Wer zwei Monate lang konsequent ein Haushaltsbuch mit allen Ausgaben geführt hat, bekommt einen guten Einblick in sein Konsumverhalten, Vorlieben, Stärken und Schwächen.

    Finanzplanung ist Lebensplanung

    Sollte der monatliche Saldo aus Einnahmen und Ausgaben negativ sein, gibt es ein Problem. Viele Haushalte finanzieren ihren Lebensstandard über ihren Dispokredit. Sollte das der Fall sein, ist es wichtig, unnötige Ausgaben zu identifizieren, Kredite abzubauen und die Liquidität ins Gleichgewicht zu bringen. In den meisten Fällen ergibt sich jedoch ein monetärer Überschuss. Dann kann man in eine strukturierte Finanzplanung einsteigen. Der systematische Prozess zur Erstellung eines Finanzplans beginnt immer mit der Aufnahme der persönlichen Ziele und einem ausführlichen Risikoprofil. Welche Ziele möchte ich noch erreichen und welche Risiken bin ich dabei bereit einzugehen? Nicht vergessen sollte man die Analyse der langfristigen Auswirkungen von biometrischen Risiken wie Langlebigkeit, Todesfall, Krankheit oder Berufsunfähigkeit. Hier ist es sinnvoll, bereits abgeschlossene Verträge zu überprüfen und Deckungslücken zu identifizieren.

    Das Herzstück ist die Vermögensstruktur

    Nach der Liquiditätsplanung wird es Zeit, sich mit der Vermögensstruktur zu beschäftigen. Das ist das Herzstück einer langfristigen Finanzplanung. Die meisten Haushalte weisen in ihrer Vermögensstruktur ein immenses Klumpenrisiko auf. Gerade Immobilien als Sachwerte und niedrig verzinste Sichteinlagen bei Banken also Giro- oder Tagesgeldkonten sind häufig übergewichtet. Dabei sind die Geldwerte der Inflation schutzlos ausgeliefert. Vor allem der Notgroschen, eine liquide Rücklage für Notfälle, ist häufig überdimensioniert. Experten empfehlen drei Nettomonatsgehälter als liquide Rücklage. Darüberhinausgehende Beträge können ertragreicher angelegt werden.  Private Vorsorge ist wichtig und glücklicherweise sparen die Deutschen viel. Die Sparquote liegt im Schnitt bei zehn Prozent. Allerdings sparen die meisten Haushalte falsch.

    Barwerte der Rente gehören auch zum Vermögen

    Auch die Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung sind Geldwerte. Diese klammern allerdings die meisten Anleger aus. Die Standardrente im Westen betrug im letzten Jahr 1.538,55 Euro. Durch die steigende Lebenserwartung wuchs die durchschnittliche Rentenbezugszeit auf fast 20 Jahre an. Im Jahr 1960 erhielten die Menschen nur durchschnittlich 9,9 Jahre lang ihre gesetzlichen Altersbezüge. Betrachtet man den Barwert der zukünftigen Rentenzahlungen eines Durchschnittsrentners, so kommt man bei einer Zinsannahme von einem Prozent pro Jahr auf einen Wert in Höhe von 333.168 Euro. Der Barwert ist der Wert, den zukünftige Zahlungen in der Gegenwart besitzen. Er wird durch Abzinsung der zukünftigen Zahlungen und anschließendes Summieren ermittelt.

    Gesetzliche Rente ist wie eine deutsche Staatsanleihe

    Die gesetzliche Rente ist allerdings nichts anderes als eine Verbindlichkeit des Staates und damit vergleichbar mit einer unverkäuflichen deutschen Staatsanleihe. Schätzungen unter Einbeziehung der gesetzlichen Rente gehen davon aus, dass das liquide Vermögen der Deutschen zu 80 Prozent in Geldwerten und nur zu 20 Prozent in Sachwerten investiert ist. Auch Versicherungen und Pensionskassen investieren in der Regel zu 90 Prozent in Anleihen.

    Dramatisches Ungleichgewicht in der Bilanz

    In der Folge sind Sachwerte, dazu zählen Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Gold und Silber, in der Vermögensbilanz dramatisch unterrepräsentiert. Anzustreben wäre ein ausgewogenes Verhältnis von Geld- und Sachwerten. Vor allem im derzeitigen Umfeld, in dem Geldwerte kaum noch Ertrag abwerfen. Grundsätzlich sollten Investitionen nach Abzug der Inflationsrate eine positive Rendite erzielen, um das Vermögen zu erhalten. Diesen Anspruch erfüllen derzeit weder Tagesgeld noch deutsche Staatsanleihen. In den letzten Jahren herrschte außerdem eine extrem niedrige Inflationsrate. Daher fiel der Wertverlust kaum ins Gewicht. Aber seit diesem Jahr zieht die Inflationsrate in Deutschland wieder merklich an.  Rentenleistungen sind der Inflation nahezu schutzlos ausgeliefert. Sachwerte wie Aktien dagegen sind wesentlich besser gegen das Inflationsrisiko geschützt.

    100 Prozent Aktienquote – warum nicht?

    Bezieht man die Barwerte von gesetzlichen und privaten Rentenleistungen in die Vermögensbilanz mit ein, wird sehr schnell ersichtlich, dass ein höherer Anteil an Aktien und anderen Sachwerten in der privaten Vermögensbilanz möglich ist. Viele Wertpapierdepots könnten eine Aktienquote von 100 Prozent durchaus vertragen. Bei einem ausreichend langen Anlagezeitraum würde die Durchschnittsrendite der Vermögen signifikant steigen. Ein Blick in andere Länder mit höherer Aktienquote bestätigt dies eindrucksvoll. Um ein Gefühl für seine private Vermögensbilanz zu erhalten, ist ein individueller Finanzplan ideal. Dabei ist professionelle Hilfe sinnvoll. Spätestens dann stoßen die schwäbische Hausfrau und ihr Haushaltsbuch an ihre Grenzen.


    Markus Richert

    Gastautor Markus Richert ist CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.

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