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Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 27.10.2015 Drucken

Skandinavien: Aussichten ab der Lebensmitte

Neben dem Geschlecht spielen offensichtlich auch weitere Faktoren wie das Bildungsniveau und stabile Partnerschaften eine wichtige Rolle, wenn es um die Lebenserwartung geht.

Dank medizinischem Fortschritt, gesünderer Lebensweise und ökonomisch weitgehend stabilen und somit existenziell sicheren Zeiten nimmt die Lebenserwartung überall weiter zu. Dennoch gibt es nicht nur zwischen den Staaten teils bemerkenswerte Unterschiede, sondern auch innerhalb der Altersgruppen des gleichen Geschlechts. Das zeigen neu veröffentlichte Daten des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, die sich auf die drei skandinavischen Länder Finnland, Norwegen und Schweden beziehen.

„Alter schützt vor Torheit nicht“ – diese Volksweisheit ist bekannt. Ihr kann ein abgewandeltes Motto zur Seite gestellt werden: „Klugheit schützt vor frühem Tod.“ Studien zeigen, dass in den drei genannten Staaten Skandinaviens besser gebildete (und verheiratete) Männer und Frauen durchschnittlich mehr als fünf Jahre länger leben als der Rest der Bevölkerung. Bei den verheirateten und gut gebildeten Frauen beträgt dieses Plus an Lebenszeit sogar acht Jahre im Vergleich zur übrigen Bevölkerung. Noch bemerkenswerter ist der Fakt, dass die klugen und verheirateten Frauen Skandinaviens mittlerweile im internationalen Vergleich sogar den bisherigen Spitzenreiter in punkto Lebenserwartung überholt haben, die japanischen Frauen.

Skandinavien: Aussichten ab der Lebensmitte

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock ©2015

Die Demografie-Experten haben sich mit Finnland, Norwegen und Schweden Bevölkerungen ausgewählt, die bereits seit den letzten Jahrzehnten mit hohen Lebenserwartungen gesegnet sind. Als Datenbasis wählten die Forscher einen Vergleichszeitraum von Anfang der 1970er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre und verglichen, wie sich die Lebenserwartung der von ihnen als „Vorreiter-Gruppe“ oder auch als „Avantgarde“ bezeichneten Gruppe der gebildeten und verheirateten Menschen gegenüber der restlichen Bevölkerung entwickelte. Ausgangspunkt dafür sind die ungefähre Lebensmitte und somit die voraussichtliche Lebenserwartung für Männer und Frauen nach dem 40. Lebensjahr. Da die Bevölkerungsgruppe der Avantgarde zahlenmäßig begrenzt ist, bleibt deren Vorsprung an Lebenserwartung ohne größere Auswirkungen auf die durchschnittliche Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung in den jeweiligen Staaten.

Unter den drei Ländern konnte Finnland den größten absoluten Sprung verzeichnen. Hier gewannen – über alle Bevölkerungsgruppen hinweg betrachtet – die Männer vom Anfang der 1970er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre gut vier Jahre hinzu, während die Frauen in dieser Zeit im Schnitt dreieinhalb Jahre älter wurden. In Schweden lag der Zugewinn bei ungefähr zweieinhalb, in Norwegen bei zwei Jahren, wobei in beiden Fällen die Frauen ihre Lebenserwartung etwas stärker steigern konnten. Doch die Bevölkerungs-Avantgarde in diesen drei Ländern übertraf diese Zahlen noch. So schafften es die verheirateten und gut gebildeten Frauen in Finnland, Mitte der 1990er Jahre im Schnitt fünfeinhalb Jahre älter zu werden als noch Anfang der 1970er Jahre. Bei den finnischen Männern aus der Vorreiter-Gruppe waren es im gleichen Zeitraum fünf Jahre. Auch die Kluft zwischen Avantgarde und Rest-Bevölkerung wuchs weiter: Die männlichen Vorreiter Finnlands wurden in den 1970er Jahren 4,5 Jahre älter als die restliche Bevölkerung, im Betrachtungszeitraum der 1990er Jahre waren es jedoch bereits 5,6 Jahre. Damit haben die Vorreiter nicht nur eine wesentlich höhere Lebenserwartung, sie konnten diese auch noch stärker steigern als der Rest der Bevölkerung. Das gleiche Ergebnis ließ sich auch in den anderen beiden Ländern beobachten – überall ging die Schere zwischen Vorreitern und der übrigen Bevölkerung sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern weiter auseinander. Anzeichen darauf, dass diese Unterschiede kleiner werden könnten oder die Lebenserwartung der Vorreiterinnen in Zukunft weniger stark ansteigen könnte, fanden die Demografen hingegen nicht.

Hauptsächlich machten die Forscher den Rückgang lebensbedrohender Herz- und Kreislauferkrankungen für die gestiegene Lebenserwartung verantwortlich. Dieser Umstand korrelierte ihrer Ansicht nach mit einem bewusst gesünderen Lebensstil, inklusive weniger Konsum von Alkohol und Nikotin, sowie einem „einfacheren“ Zugang gebildeter und andersweitig privilegierter Schichten zu einem hohen medizinischen Versorgungsstatus.

Skandinavien: Aussichten ab der LebensmitteAuch die in Skandinavien geltenden fiskalischen Gegebenheiten bei Alkohol- und Nikotinverfügbarkeit könnten deren Verbrauch gedrosselt und somit für eine gesündere Lebensweise gesorgt haben. Ebenso fanden die Autoren heraus, dass sogenannte „menschengemachte“ Todesursachen, wie Nikotin- oder alkoholbedingte Krankheiten, Verkehrsunfälle, Morde oder Selbstmorde in den Vorreiter-Gruppen prinzipiell wesentlich seltener als bei den übrigen Bevölkerungsgruppen sind. Möglicherweise spielt neben Geschlecht und Lebensstil sowie Partnerschaft und Bildungsstand ein zusätzlicher Fakt eine beträchtliche Rolle, wenn es um die Lebenserwartung der Menschen geht: Wie aus anderen Umfragen regelmäßig hervorgeht, stehen die Menschen Skandinaviens auch auf einer anderen Skala stets mit an der Spitze – bei der Frage, ob sie glücklich sind mit ihrem Leben.


Veröffentlichung im Newsletter „Demografische Forschung“; Herausgeber: Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Zum Newsletter 03/2015


 

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