Nachricht an die Redaktion

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

DIA Update

Abonnieren Sie den kostenlosen
Newsletter des DIA .

Demographie

In die Zukunft geschaut: So altert und schrumpft unser Land.

Demographie | 14.3.2018 Drucken

Lebensalter von Lebewesen: phänomenal verschieden

Alterung ist ein biologischer Prozess, der bei allen Lebewesen dieser Welt abläuft – und unglaublich verschiedene Lebenszyklen hervorbringt sowie unterschiedliche Lebensalter ermöglicht.

Tiere sind Lebewesen wie wir. Sie werden gezeugt und geboren, wachsen heran und altern. Irgendwann sterben sie. Ziemlich bald die Eintagsfliege, unvorstellbar spät eine Schwammart, deren männliche Exemplare angeblich 10.000 Jahren alt werden können. Doch welche Spezies altert wie?

Datenbank zur Alterung im TierreichDieses Thema greift eine neue Datenbank (DATLife) auf, die am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock initiiert wurde und online betrieben wird. DATLife ist eine Open-Access-Datenbank, in der Informationen zur Alterung von Tierarten gesammelt werden. Darin sind qualitativ sehr hochwertige Daten zum Lebenszyklus einer Vielzahl von Tierarten frei verfügbar. Sie ermöglicht Forschern, das komplexe Phänomen Alterung zu untersuchen, das bis heute nach wie vor zahlreiche Lücken aufweist und somit noch viele Rätsel aufgibt.

Es kommt auf die Art an

Altern ist ein Zyklus. Bei manchen Tieren, zum Beispiel vielen Insekten, dauert dieser nur wenige Tage an. Für andere Arten hingegen kann sich der Alterungsprozess über mehrere hundert Jahre hinziehen. Neben einzelnen Walarten erreichen beispielsweise auch der Eishai, der Stör und Schildkröten auf Eilanden wie den Galapagos oder den Seychellen geradezu biblische Lebensalter. Doch auch einheimische Fischarten wie Aal, Karpfen oder Hecht leben unter Umständen mehrere Jahrzehnte. Unter den Vogelarten werden Papageien, Albatros, Strauß oder Uhu besonders alt. Bei den Großtieren können Elefanten bis zu 70 Jahre alt werden. Auch unsere biologisch nächsten Verwandten, Gorillas, Orang-Utans oder Schimpansen, können stattliche Lebensalter von bis zu 60 Jahren erreichen.

Lebenserwartung bei Tieren

Neben dem Lebensalter zählt die Mortalität

Für die Forscher ist jedoch nicht nur das maximale Lebensalter verschiedener Spezies interessant, sondern auch die Weise, wie deren Alterung jeweils vonstattengeht. Dabei rückt ein weiterer Punkt in den wissenschaftlichen Fokus: die Mortalität. Prinzipiell gilt für die meisten Tierarten, wie für uns Menschen auch, dass die Sterbewahrscheinlichkeit zum Ende eines Lebens kontinuierlich zunimmt. Doch das ist keine Gesetzmäßigkeit. So zeigten die von den Rostocker Forschern ermittelten Daten beispielsweise ein faszinierendes Phänomen: die Mortalität der kalifornischen Gopherschildkröte nimmt im Alter immer weiter ab. Paradoxerweise bedeutet dies: Je älter die Schildkröte wird, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sie (in absehbarer Zeit) stirbt. Somit stellen die in DATLife veröffentlichten Daten mitunter auch anerkannte Theorien zur Alterung infrage.

Herkömmliche Alterungstheorien auf dem Prüfstand

Auch die bis dato gängigste Theorie in punkto Lebensalter wankt. Diese besagt laut MPIDR-Wissenschaftler Alexander Scheuerlein, „dass die Mortalität nach der Geschlechtsreife zunimmt und die Reproduktionsfähigkeit abnimmt“. Doch die nunmehr gesammelten Daten zu 43 Tierarten zeigen, dass deren Mortalitätsmuster nicht unbedingt zu den bekannten Theorien passen. Insofern kann die Datenbank DATLife mit ihren altersspezifischen Mortalitätsverläufen von mehr als 250 Arten und teilweise auch dank dazugehöriger Fertilitätsverläufe für  wissenschaftliche Überraschungen oder weitere Aufklärung sorgen. Zusätzlich sind Daten zur Lebenserwartung von etwa 700 Arten, zur maximalen Lebensspanne von mehr als 3.000 Arten sowie Daten zum Alter bei Geschlechtsreife für über 2.800 Arten gespeichert und abrufbar. Die Betreiber der Datenbank prüfen alle Daten vor ihrer Integration. Die Datenbank soll sukzessive weiter ausgebaut und vor allem um Daten von Insektenarten ergänzt werden.

Theoretisch hält man sich sogar an die Großmutter

Bisherige Versuche, die Vielfalt des Alterns im Tierreich zu erklären, sind genauso mannigfaltig, wie es unterschiedliche Spezies gibt. Eine mögliche Erklärung ist, dass jede Tierart im Laufe ihrer Entwicklung unterschiedliche evolutionäre Kompromisse eingegangen ist. Hierfür spricht auch die im demografischen Kontext sogenannte “Großmutter-Hypothese”. Diese liefert eine Erklärung dafür, warum Menschen und andere sozial-affine Tiere selbst nach ihrer reproduktionsfähigen Lebensspanne (noch) lange weiter leben. Übrigens ganz im Gegensatz zu weitgehend auf Zeugung und Vermehrung orientierte Arten. Diese Theorie geht unter dem Blickwinkel der Evolution davon aus, dass die Chance, im Alter eigenen Nachwuchs zu zeugen, so stark abnimmt, dass es sich eher lohnt, in die Enkel-Generation zu investieren als in die eigene Reproduktion. “Die bisherigen Theorien sind wahrscheinlich zu einfach und Alterung ist doch sehr viel vielfältiger als bisher angenommen”, fasst Alexander Scheuerlein den aktuellen Forschungsstand zusammen.

Nachricht an die Redaktion

Senden Sie Hinweise, Lob oder Tadel zu diesem Artikel an die DIA Redaktion.

Nachricht an die Redaktion

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen zu diesem Beitrag? Schreiben Sie uns gern! Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Ihre Nachricht an uns


Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Artikel teilen

Ihre Nachricht am den Empfänger (optional)
Mit * markierte Felder, sind Pflichtfelder

Ausgewählte Artikel zum Thema

Wer will schon ewig leben?

Wir werden immer älter. Hören wir irgendwann ganz auf zu sterben? Wissenschaftler tüfteln bereits in der Stammzellenforschung am ewigen Leben. Doch Unsterblichkeit ist unbeliebter, als viele glauben. Es klingt verlockend: der Tod als Relikt vergangener Zeiten. Keinen Gedanken mehr mit der eigenen Sterblichkeit verbringen. Stattdessen Sprachen lernen, die Welt bereisen oder den Urenkeln beim Aufwachsen […]

Artikel lesen

Auf dem Weg zur Unsterblichkeit

Mit Statistiken wird viel Schindluder getrieben, zum Teil mit Absicht, häufig aus Unkenntnis. Daher haben drei Wissenschaftler die Rubrik „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Im April nahmen die Initiatoren der Unstatistik die Auswertungen einer amerikanischen Studie in den Medien aufs Korn. Ihre Begründung für die Auswahl gipfelt im ironischen Rat: laufen zur Unsterblichkeit. Eine […]

Artikel lesen