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Gesetzliche Rente

Auf Generationen gebaut: So zahlen die Jungen für die Alten.

Gesetzliche Rente | 27.6.2018 Drucken

Altersvorsorge im Fokus: unser WM-Kontrahent Südkorea

Südkorea hat eine der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt – deshalb zählen die Zukunft der Rente und Altersarmut im Lande zu den großen Themen.

Nach der Spaltung der Nation und nach dem Koreakrieg stand das Land vor gewaltigen sozialen Herausforderungen. Dazu kommt, dass eine Rentenversicherung in Korea erst vergleichsweise spät (ab 1960) und vor allem nur Stück für Stück für ausgewählte Berufs- oder Personengruppen eingeführt wurde.

SüdkoreaDamit erreichte die staatliche Altersvorsorge lediglich einen beschränkten Teil der Bevölkerung: Beamte, Militärs, Lehrer und andere. Erst 1988, also im Jahr der Olympischen Sommerspiele im Land, führte Südkorea stufenweise ein allgemeines Rentenversicherungssystem ein, das auch die Beschäftigten im Privatsektor einschließt. Dieser National Pension Service (NPS) brauchte dann noch bis 1999, um letztlich für die gesamte Bevölkerung ein Renten- und Sozialversicherungssystem zu etablieren.

Wirtschaftliches Wachstum, soziale Stagnation

Maßgeblich dafür war vor allem der wirtschaftliche Aufschwung des Landes: vom einem der einst ärmsten Agrarländer zur elftgrößten Volkswirtschaft der Welt (2017). Laut Angaben der Weltbank war 2016 Südkoreas reales Bruttoinlandsprodukt mehr als dreimal so hoch wie 1988. Technologie-Giganten wie Samsung und LG oder der Mischkonzern Hyundai zählen zu den weltweit größten Konzernen. Das Wirtschaftswachstum Südkoreas lag in den vergangenen zehn Jahren stets leicht bis deutlich über dem deutschen. Im Jahr 2016 betrug es 2,8 Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit fiel 2016 mit 3,7 Prozent gering aus. Doch mit diesem wirtschaftlichen Höhenflug konnte der entsprechende Ausbau sozialer Sicherungen nicht mithalten. Im Hinblick auf die Altersarmut zählt Südkoreas Bevölkerung weltweit zu den am meisten gefährdetsten Nationen. Der demografische Wandel, der das Land längst erreicht hat, verschärft diese Situation noch, wenn dem Land keine sozialpolitische Kehrtwende gelingt.

Die Alten werden mehr und älter

Das Verhältnis zwischen junger und älterer Bevölkerung wandelt sich weiterhin bedenklich. Dafür sorgt neben einer der weltweit niedrigsten Fertilitätsraten auch die gestiegene Lebenserwartung. Während 2014 der Anteil der Senioren über 65 Jahre rund 12,7 Prozent betrug,  soll er laut Prognosen bis zum Jahr 2040 auf über 30 Prozent steigen. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Südkorea 1980 nur bei 66 Jahren, so werden derzeit schon über 82 Jahre erreicht.

Durchschnittsalter steigt stetig an

Lebenserwartung in SüdkoreaDamit veränderte sich auch das Durchschnittsalter der südkoreanischen Bevölkerung. Betrug dieses im Schnitt 1980 noch 25,9 Jahre, hatte sich der Wert bis zum Jahr 2014 schon auf 40,3 Jahre erhöht. Tendenz: weiter steigend. Bereits für 2040 wird ein Durchschnittsalter von 49,7 Jahren prognostiziert. Während 2005 im Wirtschaftsboom noch acht Erwerbstätige auf einen zu finanzierenden Senioren kamen, wird sich bis 2050 dieses Verhältnis radikal wandeln. Dann stehen nach Prognosen des Gesundheitsministeriums 1,5 Erwerbstätige einem Senioren gegenüber.

Zu wenige Geburten sorgen für düsteres Szenario

Die geringe Fertilitätsquote von durchschnittlich 1,23 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter ist mit dafür „verantwortlich“, dass im Süden der koreanischen Halbinsel die Nation voraussichtlich bereits bis zur kommenden Jahrhundertwende drastisch schrumpft. Geht der negative Geburtentrend im jetzigen Tempo weiter, wird sich laut einer Studie der Südkoreanischen Nationalversammlung die Bevölkerung von derzeit etwas über 50 Millionen bis zum Ende des Jahrhunderts auf 20 Millionen Menschen mehr als halbieren. Diese Studie schließt sogar mit dem düsteren Szenario, dass im Jahr 2750 die (Süd-)Koreaner als Nation faktisch nicht mehr existieren.

Südkorea: Fast die Hälfte lebt in Altersarmut

Die mit dieser Bevölkerungsentwicklung verbundenen Perspektiven stellen auch das noch junge Rentensystem in Südkorea langfristig vor immense Herausforderungen. Heute schon zählt das Land unter den 34 OECD-Staaten die höchste Rate an älteren Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. 48,6 Prozent der südkoreanischen Rentner gelten als arm. Das führt mit dazu, dass Südkorea eine der höchsten Suizidraten unter Senioren zu verzeichnen hat.

Die prekären Verhältnisse sind natürlich auch auf das vergleichsweise noch junge Renten- und Sozialversicherungssystem des Landes zurückzuführen und auf den Bruch jahrhundertealter Traditionen, denen zufolge die Älteren vornehmlich von den Jungen – in der Regel vom ältesten Sohn – versorgt und betreut wurden. Diese Aufgabe soll das National Pension System (NPS) sukzessive übernehmen. Die allgemeine Rentenkasse deckt aber nur rund 53 Prozent der Beschäftigten in Korea ab. Nicht eingeschlossen sind beispielsweise Selbstständige, Geringverdiener, Zeitarbeiter und Tagelöhner.

Vergleichsweise gut stehen nur die Privilegierten da

Bei Einführung des NPS lag der damalige Beitragssatz für Arbeitnehmer und Arbeitgeber paritätisch bei jeweils 1,7 Prozent und wurde später auf 4,5 Prozent für jede Seite angehoben. Dennoch ist damit langfristig kein Staat zu machen, sprich kein umlagefinanziertes Rentensystem auf Dauer aufrechtzuerhalten. Besser als bei der allgemeinen Rentenkasse NPS sieht es bei den schon weit früher eingeführten Pensionskassen des öffentlichen Sektors aus. Damit werden etwa sechs Prozent aller Beschäftigten versorgt.

Dazu zählen Beamte, Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Militärangehörige, Lehrer und Hochschullehrer. Deren Beitragssatz liegt mit 17 Prozent auch deutlich höher als bei der NPS, wobei Staat und Beschäftigte jeweils die Hälfte tragen. Sie dürfen mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen und verfügen in der Regel nach 30 Beitragsjahren über ein Versorgungsniveau von 70 Prozent ihrer letzten Bezüge. Doch auch bei dieser Pensionskasse der Privilegierten zeichnen sich finanzielle Engpässe ab, zumal die Babyboomer-Generation langsam in Rente geht.

Geringe Beiträge, niedrige Ansprüche

Von derartigen Rentenbezügen können die meisten Koreaner allerdings nur träumen. Die Rentenformel enthält zwar einen fixen und einen einkommensabhängigen Teil. Doch aufgrund der niedrigen Beitragssätze steigen auch die Rentenansprüche pro Beitragsjahr lediglich um durchschnittlich 1,5 Prozent. Der Staatsfonds, der die NPS-Gelder zur Rentenfinanzierung investiert und verwaltet, ist weltweit der größte seiner Art nach vergleichbaren Fonds in Japan, Norwegen und den Niederlanden.

Für die Masse reicht es nicht zum Leben

Mit dem 60. Lebensjahr wird dann die finale Höhe erreicht. 2016 betrug das Rentenniveau knapp 40 Prozent des bei Renteneintritt erreichten Bruttolohns. Die NPS-finanzierten Renten sind also vergleichsweise gering und liegen pro Rentenversicherten bei umgerechnet maximal 550 Euro. Für ein Ehepaar werden maximal rund 885 Euro gezahlt. Das verursacht die hohe Altersarmutsrate. Die Grundrente wurde kürzlich auf 200 Euro angehoben. Für zahlreiche Südkoreaner bleibt nur der Ausweg, eine längere Lebensarbeitszeit in Kauf zu nehmen, zumal das Rentenalter von derzeit 60 bis 2033 auf 65 Jahre angehoben wird.

Betriebliche Altersversorgung hilft, Lücken zu stopfen

Das Rentenversicherungssystem umfasst auch eine betriebliche Altersversorgung. Da wäre zum einen das Severance Pay System, das verpflichtend für Unternehmen mit mehr als fünf Beschäftigten ist. Bei diesem System zahlt nur der Arbeitgeber ein, etwa 8,3 Prozent des Gehaltes. Anrecht auf Severance Pay besteht bereits nach einem Beschäftigungsjahr. Endet ein Beschäftigungsverhältnis, wird der Betrag als eine Art Abfindungssumme ausgezahlt.

Arbeitet ein Angestellter bis zum Rentenalter, erhält er sein Severance Pay gewöhnlich als einmaligen Geldbetrag. Allerdings kommt es immer wieder zu Firmenpleiten, die oft mit nicht ausreichenden Pensionsrückstellungen einhergehen. Zudem existiert noch ein Corporate Pension System für Unternehmen, dem allerdings mehr als 50 Prozent einer Belegschaft zustimmen müssen. Auch hier zahlt der Arbeitgeber Beiträge, die Arbeitnehmer auf freiwilliger Basis aufstocken können. Diese Renteneinlagen werden durch eine Bank, Versicherung oder Treuhandgesellschaft verwaltet und investiert.

Eine Wiedervereinigung würde die Probleme eher verschärfen

Im derzeitigen weltpolitischen Geschehen kann viel passieren, auch eine weitergehende Annäherung der beiden koreanischen Staaten. Doch ob im Falle einer Wiedervereinigung mit dem Norden Südkoreas Rentensystem überhaupt stabil genug wäre, die zu erwartenden sozialen Lasten zu stemmen, darf bezweifelt werden. Auch die internationale Studie „Melbourne Mercer Global Pension Index“ sieht den Zustand und die Perspektiven für Südkoreas Rentner eher kritisch. Südkorea erreichte dort unter den 30 verglichenen Staaten lediglich Platz 25.

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