Wandelanleihen – Chancen in einem veränderten Marktumfeld

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30. April 2026

Wandelanleihen – Chancen in einem veränderten Marktumfeld

Wandelanleihen erleben aktuell eine Renaissance. Mehrere Faktoren treiben diese Entwicklung.

Zum einen haben die gestiegenen Zinsen die klassische Fremdfinanzierung für Unternehmen verteuert. Wandelanleihen bieten hier aus Sicht der Emittenten eine Alternative, da der Kupon aufgrund der eingebauten Aktienoption niedriger ausfällt als bei klassischen Unternehmensanleihen.

Zum anderen sorgt die erhöhte Unsicherheit an den Aktienmärkten dafür, dass Investoren nach asymmetrischen Renditeprofilen suchen. Wandelanleihen verbinden Anleihecharakter mit Aktienpotenzial: Sie bieten einen Schutz nach unten, während Anleger gleichzeitig an steigenden Aktienkursen partizipieren können. In volatilen Marktphasen steigt daher häufig die Nachfrage nach dieser Anlageklasse.

Wandelanleihen – kurz erklärt

Wandelanleihen sind Unternehmensanleihen mit einem eingebauten Wandlungsrecht. Anleger erhalten regelmäßig Zinszahlungen und haben zusätzlich das Recht, die Anleihe zu einem festgelegten Preis in Aktien des Emittenten zu tauschen. Der Wandlungspreis wird bei Emission festgelegt und liegt meist über dem damaligen Aktienkurs.

Ist der aktuelle Aktienkurs höher als der Wandlungspreis, spricht man von „in the money“. In diesem Fall hat das Wandlungsrecht einen inneren Wert, da der Anleger durch Wandlung einen Kursgewinn realisieren kann. Liegt der Aktienkurs hingegen unterhalb des Wandlungspreises, ist die Wandelanleihe „out of the money“. Dann verhält sich die Anleihe stärker als ein klassisches Rentenpapier.

Diese Struktur führt zu einem hybriden Risikoprofil: Bei fallenden Kursen bietet der Anleihecharakter eine gewisse Stabilität, während bei steigenden Aktienkursen zusätzliche Renditechancen entstehen.

Ein geeigneter Zeitpunkt, um zuzugreifen

Das aktuelle Umfeld ist attraktiv für Anleger. Viele Wandelanleihen wurden in den vergangenen Jahren mit relativ ambitionierten Wandlungsprämien begeben. Nach zwischenzeitlichen Kursrückgängen an den Aktienmärkten notieren zahlreiche Wandelanleihen wieder näher an ihrem Bond-Floor. Gleichzeitig bieten die gestiegenen Zinsen einen höheren laufenden Ertrag als in der Niedrigzinsphase. Darüber hinaus erhöht die weiterhin vorhandene Aktienmarktvolatilität den Optionswert. Für Anleger bedeutet dies ein interessantes Chance-Risiko-Profil.

Marktüberblick

Der Markt für in Euro denominierte Wandelanleihen umfasst Emissionen aus zahlreichen Branchen, darunter Industrie, Technologie, Immobilien und Konsumgüter. Für Privatanleger besonders relevant sind Emissionen mit einer Stückelung von 1.000 Euro, da sie einen leichteren Zugang ermöglichen. Diese sind jedoch im Wandelanleihenmarkt eher selten. Viele Wandelanleihen werden mit Stückelungen von 100.000 Euro oder höher emittiert und richten sich mithin primär an institutionelle Investoren. In den vergangenen Jahren ist jedoch ein Trend zu kleineren Stückelungen erkennbar, da Emittenten eine breitere Anlegerbasis ansprechen möchten.

Fonds als Alternative zu Einzelinvestments

Fonds mit einem Fokus auf Wandelanleihen sind eine attraktive Alternative. Sie bieten eine breite Diversifikation über verschiedene Emittenten, Branchen und Regionen hinweg. Gerade bei hohen Mindeststückelungen einzelner Anleihen erleichtert eine Fondslösung die Diversifikation. Aktiv gemanagte Fonds haben zudem den Vorteil, dass das Management die komplexen Bewertungsfaktoren – etwa Volatilität, Kreditrisiko und Optionswert – laufend analysiert. Allerdings fallen hierfür Managementgebühren an, die die Rendite schmälern.


Kai Heinrich, Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG in Frankfurt am Main