Wer seinen Lebensstandard im Ruhestand erhalten möchte, ist zunehmend auf zusätzliche private Vorsorge angewiesen. Daran führt kein Weg vorbei, reicht die staatlich garantierte Rente dafür doch schon längst nicht mehr aus. „Die Rente ist sicher“, mit diesem Zitat schrieb Norbert Blüm quasi Geschichte. 1986 war das, später wiederholte der ehemalige Arbeitsminister die Aussage mehrfach. Dabei stand die Rente schon in den 1980er-Jahren auf äußerst wackligen Beinen, wenn auch nicht ganz so wacklige wie heute.
von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de
Zur Erinnerung: Das gegenwärtige Rentensystem wurde 1957 auf den Weg gebracht, als Umlageverfahren, heute mit „Generationenvertrag“ populär umschrieben. Das heißt, die laufenden Zahlungen an die Rentner speisen sich aus den aktuellen Einzahlungen der Beschäftigten. Eigentlich ein verlässliches System, das auch die Verbundenheit der Generationen, zwischen Jung und Alt zum Ausdruck bringen soll. Aber auch ein anfälliges System. Brenzlig wird es vor allem dann, wenn die Anzahl der Erwerbsfähigen schrumpft und auf der anderen Seite die Zahl der Rentner steigt. Und genau das passiert seit Jahrzehnten, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht – im Gegenteil.
So kamen in den 1960er-Jahren auf einen Rentner noch rund sechs Beschäftigte. Ein komfortabler Zustand, bei dem die Rente wirklich noch „sicher“ war. Doch bereits in den 80er-Jahren waren es nur noch etwa 3,5 Betragszahler je Rentner. Auch damit war die laufende Rente noch sicher, doch bereits zu diesem Zeitpunkt war klar: Wenn sich das Verhältnis weiter verschlechtert, wird es schwierig. Und es wurde und wird auch künftig schlechter.
Mit privatem Vermögenaufbau gegensteuern
Und genau das macht die Aussagen von Norbert Blüm so unverantwortlich, denn die Rente war schon in den 80er-Jahren nicht mehr wirklich sicher, zumindest dann, wenn Reformen ausbleiben. Und die Reformen sind lange Zeit ausgeblieben, weswegen die Rente heutzutage mit einem Verhältnis von knapp zwei Beitragszahlern je Rentner absolut nicht mehr sicher ist beziehungsweise nur noch durch deutliche Einschnitte aufrechterhalten werden kann. Für die Menschen, die in der Mitte ihres Lebens stehen und seit Jahrzehnten in das System einzahlen, ist das eine Katastrophe. Zu den Einschnitten zählen neben der Anhebung des Renteneintrittsalters auch eine Senkung des Rentenniveaus.
Rente – selbst der Staat rät zum privaten Vermögensaufbau
Auch wenn damit noch wenig über die Rente gesagt ist, die Versicherte später ausgezahlt bekommen, klar ist: Diese dürfte erstens mit großer Wahrscheinlichkeit geringer ausfallen als erwartet, und zweitens länger auf sich warten lassen, sprich: Zudem ist mit einem späteren Renteneintritt zu rechnen. Private Vermögensbildung kann deshalb einen wichtigen Beitrag dazu leisten, mögliche Versorgungslücken im Ruhestand zu schließen. Noch schlimmer trifft es diejenigen, die am Anfang ihrer Berufskarriere stehen. Schließlich gehen Prognosen davon aus, dass das Renter-Beitragszahler-Verhältnis im Jahr 2050 nur noch bei circa 1 zu 1,3 liegt; für diese Gruppe ist der private Vermögensaufbau also noch wichtiger.
Mittlerweile sollte also jedem Bundesbürger klar sein. Die vom Staat „garantierte“ Rente reicht bei Weitem nicht mehr aus. Zu dieser Erkenntnis kommen – welch Wunder – selbst die Regierenden in Berlin. Mit dem staatlich geförderten Altersvorsorgedepot, das im Januar 2027 startet, wird ausdrücklich auf die private Vorsorge gebaut. Das Altersvorsorgedepot bietet bestimmte Vergünstigungen und fördert eine Investition in Fonds und ETFs.
Erfolgreicher Vermögensaufbau mit Aktien
Die Initiative ist zwar grundsätzlich zu begrüßen, doch es geht effektiver und flexibler. So ist etwa bei dem geförderten Depot die Produktauswahl begrenzt. Und wer beim Altersvorsorgedepot vor Beginn der so genannten Auszahlungsphase an sein Geld will, muss Zulagen zurückzahlen und Steuern nachzahlen. Eine mögliche Folge: Eine direkte Aktienanlage könnte langfristig höhere Renditechancen bieten. Dazu lohnt ein kurzer Blick zurück: So kommen deutsche Aktien – gemessen am DAX – seit 1988 bis Ende 2025 auf eine jährliche Rendite von gut acht Prozent.
Auch global diversifizierte Aktienanlagen erzielten seit Ende der 1980er-Jahre im Durchschnitt eine jährliche Rendite von etwa neun Prozent. Diese gute Performance umschließt auch schwache Phasen, wie etwa den Zeitraum 1998 bis 2002. Am Ende spielt diese Phase aber kaum eine Rolle, mit Geduld und Ausdauer bleibt eine jährliche Rendite, die langfristig zum Vermögensaufbau beitragen kann. Was spricht also dagegen, einen bedeutenden Teil des Kapitals direkt am Aktienmarkt zu investieren? Durch die gezielte Auswahl einzelner Aktien wären im Einzelfall auch höhere Renditen möglich gewesen – allerdings verbunden mit entsprechenden Risiken.
Rente – so wird sie sicher
Dabei ist klar: Je eher man anfangt, desto besser. Denn über den Erfolg an der Börse entscheidet vor allem ein Faktor, und das ist die Zeit. Je länger man investiert, desto effektiver und desto sicherer.
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