In den vergangenen Jahren konnten einige Branchen und Asset-Klassen überdurchschnittliche Renditen erzielen. Man musste auch nicht unbedingt von Anfang an dabei sein, einige Segmente laufen seit einigen Jahren überproportional gut.
Einerseits waren es exogene, geopolitischer Faktoren wie der der Vertrauensverlust in die US-Administration der Goldinvestments begünstigte oder der Ukraine-Krieg der zu erheblichen Investitionen in Rüstung und Verteidigung führte, was Aktien der Branche stark steigen ließ.
Andererseits sorgten Zinsanstiege dafür, dass beispielsweise Bankaktien reüssierten.
Mit der richtigen „Momentum- oder Trendfolgestrategie“, konnte man also entsprechend partizipieren. Oder man hat einfach geschlussfolgert, dass ein Krieg in den eine Weltmacht involviert ist und der vermutlich einige Zeit andauern wird, Rüstungsaktien steigen lässt. Selbst, wenn man „spät dran“ war, konnte man hohe Wertsteigerungen erzielen. Einige Privatanleger haben so eine deutlich höhere Performance erzielt als mancher bekannte Fondsmanager oder Vermögensverwalter, die in einige dieser Segmente grundsätzlich nicht investieren.
Rüstungsunternehmen als Spezialsegment
Die Bereiche Rüstung oder Verteidigung haben in den letzten Jahren erhebliche Kursgewinne zu verzeichnen. Aktien, wie Rheinmetall, haben sich trotz einer aktuellen Reduktion verachtfacht. Dennoch gibt es Investoren, die nicht in Rüstung investieren. Das hat nicht immer etwas mit Moral, Ethik oder Nachhaltigkeit zu tun, sondern liegt auch an Besonderheiten der Branche:
- Rüstungsunternehmen haben grundsätzlich Staaten als „Kunden“
- Staaten kaufen nach Budget ein, davon sind Stückzahlen oder maximale Preise abhängig
- Je nach geopolitischer Lage ändern sich auch die Anforderungen an ein Endprodukt, während des Herstellungsprozesses, was zu Verzögerungen bei der Produktion aber auch bei der Bezahlung führen kann
- Die eingesetzten Ausgangsmaterialien sind sehr hochwertig und sehr teuer
- Der Energieaufwand bei der Verarbeitung ist hoch
- Personal ist gut ausgebildet, unterliegt mittlerweile auch einer strengeren Sicherheitsüberprüfung und ist deshalb knapp, was die Personalkosten erhöht
- Aktuell sind die Auftragsbücher voll und neue Produktionskapazitäten müssen aufgebaut werden, das kostet Zeit und Geld
Obwohl die Branche langfristige Aufträge erhält, die von Staaten vorfinanziert werden, können die Firmen nicht völlig frei agieren, sind stark reguliert und können Kapazitäten nur begrenzt erhöhen.

Bewertungsprobleme bei Finanztiteln
Auch Finanztitel liefen im Jahr 2025 sehr gut. Der Kurs der Deutsche Bank Aktie konnte sich verdoppeln, die Aktie der Commerzbank konnte das, wegen Sondereffekten, noch toppen. Ähnliche Steigerungen gab es bei der italienischen UniCredit, der spanischen Banco Santander sowie den französischen Häusern Societé Generale und, mit Abstrichen, bei BNP Paribas.
Trotzdem gibt es Investoren, die auf der Aktien- als auch auf Rentenseite, Finanztitel konsequent meiden. Mal abgesehen davon, dass über einige Kreditinstitute ganze Bücher geschrieben wurden, in denen es nur um Managementfehler und Marktmanipulation geht, stört sich diese Anlegergruppe meist an den komplexen, schlecht lesbaren Bilanzen und der Tatsache, dass die Bonität von schwankenden Vermögenswerten abhängt. Auch die Abhängigkeit von den vorhandenen Kreditportfolien (Ausfallrisiken) hält einige Investoren grundsätzlich von Investitionen ab.
Zusätzlich bieten einige Handelsregularien große Bewertungsspielräume von Finanzinstrumenten, was für einige Fondshäuser, Stiftungen oder Pensionskassen ein Ausschlusskriterium darstellen kann. „Überraschungen“, wie in der Finanzkrise, als Anlagen mit Toprating hohe Bewertungsabschläge erfuhren, sollen sich möglichst nicht wiederholen.
Edelmetalle mit hohen Wertsteigerungen
Extrem waren auch die Preissteigerungen bei „der Währung der letzten Instanz“ Gold oder dem eher als Industriemetall deklarierten Silber. Allein im letzten Jahr konnten Europäer trotz Währungsverlust Steigerungen von 45% bzw. 108% verbuchen, wobei der Jahresstart 2026 weitere Steigerungen produzierte.
Insbesondere der Vertrauensverlust in die Leitwährung US-Dollar und damit verbundene Umschichtungen in großen Portfolien der Zentralbanken sind für einen Großteil dieser Performance verantwortlich. Bekannte große Asset – Manager, integrieren in ihren Grundstrategien zumindest 10% Gold als Reservewährung. Das hat in einigen Fällen auch die Performance des vergangenen Jahres „gerettet“. Trotzdem gibt es professionelle Anleger, die nicht investiert sind, weil sie in Edelmetallen nur eine Rohstoffspekulation ohne Zins und Dividende sehen.
So gab es beispielsweise auch längere Phasen, wie von 2012 bis 2020, wo das Edelmetall keine positiven Ergebnisbeiträge lieferte. Zu berücksichtigen ist auch, dass es sich um ein Dollar – Investment handelt, so dass Europäer stets ein Währungsrisiko eingehen.
US-Big-Tech/KI mit hohen Investitionen
Schließlich konnte man in den letzten Jahren extreme Überrenditen erzielen, wenn man direkt über Einzeltitel oder indirekt über Index-Fonds oder aktive Aktien- und Mischfonds Übergewichtungen amerikanischer „Magnificent – Seven – Werte“ im Portfolio hatte. Einige aktive Fondsmanager reduzieren seit einiger Zeit allerdings die Quoten und haben diese Titel mittlerweile auch nicht mehr so häufig in den Top-Ten-Gewichtungen in den Hauptstrategien. Man argumentiert, dass die extrem hohen lancierten Investitionen, die pro Jahr in KI fließen sollen, nicht die erwarteten Erträge bringen und dass „normale, gute Ergebnisse“ hohe Rückschlag – Potentiale bergen.
Weiterhin kann man nicht automatisch annehmen, dass die Unternehmen, die am meisten investieren auch die Gewinner sein werden. Zudem muss immer damit gerechnet werden, dass neue Akteure, insbesondere aus Asien, auf den Markt kommen.
Bereits in 2025 aber auch zum Start ins neue Jahr haben viele große Tech-Titel stärkere Kursabschläge aushalten müssen. Bei den bekannten Index-Produkten hat sich allerdings noch nicht so viel geändert, da die Marktkapitalisierung dieser Aktien immer noch sehr hoch ist.
Stabile, disziplinierte Investmentansätze vorziehen
Auch wenn es für einige Vermögensverwalter schwierig sein kann, die Investmentphilosophie stabil weiterzuführen und ggfs. einige Zeit nicht bei jedem positiven Trend dabei zu sein, ist es wichtig erfolgreiche Strategien nicht einfach über Bord zu werfen und nicht jedem Trend zu folgen.
Privatanleger müssen darauf achten, das Portfolio nicht nach Hitlisten zu strukturieren, sondern sollten unterschiedliche Investmentansätze kombinieren.
Gewichtungen überprüfen
Nach längeren Zeiten permanenter Wertsteigerungen mit vermeintlich niedrigem Arbeitsaufwand und einem Risikopuffer aus Kursgewinnen, verliert man leicht den Blick auf das Chance-Risikoprofil eines Portfolios. Es fühlt sich oft „sicherer“ an als es ist. Auch wenn es schwerfällt, sollte man zumindest die Quoten von gut gelaufenen Anlagen im Gesamtportfolio überprüfen, um extreme Übergewichtungen und damit verbundene Rückschlaggefahren zu reduzieren.

Andreas Görler, sen. Wealth Manager und zert. Fachmann für nachhaltige Investments, -Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH