Rauf, runter, rauf – Phasen hoher Volatilität treten an der Börse immer wieder auf. Das stellt viele Investoren vor große Herausforderungen und sorgt bei dem einen oder anderen Anleger für unruhige Nächte. Grund zur Panik besteht nun aber nicht.
An der Börse geht es derzeit turbulent zu. Kurssprünge von drei, vier oder gar fünf Prozent an einem Tag sind keine Seltenheit mehr, selbst bei Blue-Chips, also etwa Aktien aus dem DAX und dem Dow Jones. Das ist auf der einen Seite nicht außergewöhnlich, es gibt immer Phasen am Aktienmarkt, die von großen Schwankungen, im Fachjargon Volatilität bezeichnete, geprägt sind. Sie sind dennoch bemerkenswert und durchaus eine Betrachtung wert, da eine erhöhte Volatilität viel über die Stimmung des Marktes verrät und die Wahrnehmung der Ereignisse, im jetzigen Umfeld das Thema um die Nahost-Konfrontation und die langfristigen Auswirkungen auf unseren globalen Wirtschaftszyklus. Zudem volatile Marktphasen sollten von Anlegerinnen und Anlegern immer auch als Chance gesehen werden, das eigene Anlageverhalten zu überdenken.
Komplexe Gemengelage verunsichert manchmal
Die Auslöser der aktuell hohen Volatilität kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Da wäre zum einen der Iran-Konflikt, die Sperrung der Straße von Hormus, und fast täglich, wenn nicht sogar stündlich wechselnde Aussagen über mögliche Verhandlungen und deren Inhalte zur Beendigung des Krieges – all das stellt Investoren und Marktteilnehmer vor enorme Herausforderungen, denn eine gewisse ökonomische Planungssicherheit fehlt. Dass die Inflation sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks zuletzt ein wenig an Dynamik gewonnen hat, dürfte ebenfalls beunruhigen. Und: Welche langfristige Richtung die Geldpolitik in den USA und in der Eurozone letztendlich einschlagen wird, ist aktuell ebenfalls noch ungewiss, da sich verschiedenste Inflationszyklen oder aber auch Zinsveränderungszyklen zeigen könnten.
Die Volatilität ist ein Fieberthermometer
All diese und noch weitere, schwer vorhersehbare Entwicklungen führen an den Märkten zu Unsicherheit – und damit zu den angesprochenen Schwankungen von mehreren Prozent binnen kurzer Zeit. Denn eine hohe Volatilität ist Zeichen von Unsicherheit – die „Vola“ ist sozusagen das Fieberthermometer für das kurz- und mittelfristige Vertrauen. Je höher die Vola, desto niedriger das Vertrauen, je weniger Vola, desto größer die Zuversicht. Der Markt ist derzeit also auf Basis der geschilderten Ereignisse nervös, könnte man sagen. Die Marktteilnehmer, also wir alle, analysieren, wie es weitergeht – ohne die tatsächliche Entwicklung um den Nahostkonflikt zu kennen?
Ob und wann der Krieg in der Ukraine endet, wie sich die Lage zwischen den USA und Iran entwickelt, ob die Zinsen steigen oder fallen und welche Richtung der Ölpreis einschlägt – all diese Fragen sind derzeit offen. Die politische und wirtschaftliche Unsicherheit erschwert verlässliche Prognosen und macht ein besonnenes sowie sorgfältig abgewogenes Handeln für Anlegerinnen und Anleger umso wichtiger.
Hohe Volatilität bietet dementsprechend eben auch Chancen
Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass sich eine solche Herangehensweise langfristig auszahlen kann. Volatile Marktphasen geben auch Anlass, neu entstehende Chancen zu erkennen und gegebenenfalls zu nutzen. Dazu kommt, Investoren sind nervös und es wächst die Gefahr, dass Entscheidungen quasi übers Knie gebrochen werden, es werden also schnell gute Aktien gekauft oder verkauft, ohne über die Gesamtsituation zu reflektieren. Das bietet Chancen, denn auch in volatilen Marktphasen geht es darum, den Überblick zu behalten und Ruhe zu bewahren. Hier hilft manchmal auch ein Blick in die Vergangenheit, auf die langfristige Entwicklung.
Volatilität – darf einen nicht aus dem Konzept bringen
Volatile Marktphasen sind nicht automatisch auch Verlustphasen, dieses erkennt man sehr schnell mit dem Blick auf den Beginn des Nahostkrieges und der daraus resultierenden negativen Marktentwicklung, bis heute einer kompletten Erholung. Übrigens, auch wenn schon bei vielen gedanklich nicht mehr auf dem Schirm, sozusagen, auch letztes Jahr kam ein sogenannter Hammer auf die Märkte zu, nämlich als Donald Trump die Einführung von US-Zöllen ankündigte. Dieses führte zu großen kurzfristigen Turbulenzen, die aber schon wenige Wochen später ausgesessen waren. Wer da zu schnell das Handtuch geworfen hat, der hatte am Ende wirklich verloren. Auch hier zeigte ein diszipliniertes Risikomanagement, dass sich ein besonnenes Vorgehen auszahlen kann.
Also: Volatilität ist eine Herausforderung, solche Phasen treten aber immer wieder auf und gehören zum Börsenverlauf dazu. Wichtig ist festzuhalten, dass sie auch attraktive Kaufgelegenheiten bieten können. Entscheidend ist daher ein ruhiges und vorausschauendes Handeln. Ein guter Schutz vor großen Schwankungen bietet zudem ein diversifiziertes Portfolio aus fundamental gesunden Aktien und weiteren Portfoliobausteinen wie ETFs, möglicherweise Anleihen usw., neben dem ausgewogenen Anlagehorizont. Dazu kommt auch noch der Schutz, den die Sachanlage „Aktie“ bietet.
von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de. Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.