DIA-Umfrage: 77 Prozent möchten bei der Geldanlage selbst entscheiden – fast jeder Zweite wünscht sich zuvor Beratung
Berlin, 26. Oktober 2026. Die Reform der privaten Altersvorsorge soll den Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge erleichtern. Eine zentrale Rolle spielt dabei das neue Standarddepot, das Sparerinnen und Sparern Anlageentscheidungen weitgehend abnehmen soll. Doch eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zeigt: Eine solche Lösung entspricht nur bei einer kleinen Minderheit dem bevorzugten Entscheidungsweg.
Lediglich zehn Prozent der Befragten würden sich für eine möglichst einfache, vorgegebene Standardlösung entscheiden, bei der sie selbst keine Anlageentscheidung treffen müssen. Fast die Hälfte (49 Prozent) möchte sich dagegen zunächst beraten lassen und anschließend selbst entscheiden. Weitere 28 Prozent würden ihre Anlage ganz ohne Beratung auswählen. 13 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe.
Damit möchten insgesamt 77 Prozent die Entscheidung über ihre private Altersvorsorge selbst treffen – entweder eigenständig oder auf Grundlage einer Beratung.
„Einfachheit ist ein wichtiges Ziel der Reform. Aber einfach darf nicht mit einheitlich verwechselt werden“, erklärt Dr. Peter Schwark, Sprecher des DIA. „Die Menschen wollen mehrheitlich nicht, dass ihnen Anlageentscheidungen vollständig abgenommen werden. Sie möchten Wahlmöglichkeiten und vielfach auch Beratung. Das sollte bei der Umsetzung der Reform eine wichtige Rolle spielen.“
Beratung bleibt ein wichtiger Faktor
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individueller Beratung auch in einem stärker standardisierten und digitalisierten Altersvorsorgesystem. Banken und Versicherer stellen sich bereits auf die neuen Rahmenbedingungen ein. So hat die Deutsche Bank angekündigt, neben einem digitalen Standarddepot auch beratungsbasierte Vorsorgelösungen anzubieten. Die Allianz plant ebenfalls Angebote in allen drei künftig geförderten Produktkategorien.
„Die Reform eröffnet die Chance, mehr Menschen für die private Altersvorsorge zu gewinnen. Entscheidend wird aber sein, dass sie unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt“, so Schwark. „Ein kostengünstiges Standardangebot kann den Einstieg erleichtern. Es ersetzt jedoch weder die individuelle Entscheidung noch den Wunsch vieler Menschen nach fachlicher Unterstützung. Für Anbieter, die beides miteinander verbinden, entsteht hier ein wichtiges Betätigungsfeld.“
Bei den Anlageentscheidungen zeigen sich auch Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Während 32 Prozent der Männer ihre Anlage ohne vorherige Beratung selbst auswählen möchten, sind es unter den Frauen 24 Prozent. Frauen bevorzugen etwas häufiger den Weg über eine Beratung mit anschließender eigener Entscheidung (50 gegenüber 47 Prozent).
Einkommensunterschiede bei der Anlageentscheidung
Auch zwischen den Einkommensgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede. Unter den Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro möchten 35 Prozent zunächst eine Beratung in Anspruch nehmen und anschließend selbst entscheiden. Bei Einkommen zwischen 2.000 und unter 3.000 Euro sind es dagegen 58 Prozent. Auch bei höheren Einkommen bevorzugt ein erheblicher Teil der Befragten diesen Entscheidungsweg.
Besonders auffällig ist der Anteil derjenigen, die sich nicht festlegen. In der niedrigsten Einkommensgruppe antworten 20 Prozent mit „weiß nicht“ oder machen keine Angabe. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 4.000 Euro sind es lediglich fünf Prozent. Zugleich ist die Präferenz für eine vollständig vorgegebene Standardlösung bei Einkommen unter 1.000 Euro mit 17 Prozent am höchsten, bleibt aber auch hier deutlich in der Minderheit.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Präferenzen bei der Anlageentscheidung zwischen den Einkommensgruppen unterscheiden. Welche Rolle dabei Bildung, finanzielle Erfahrung oder die individuelle wirtschaftliche Situation spielen, wurde nicht gesondert untersucht.
Zur Umfrage
Für die INSA-Befragung im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge wurden vom 16. bis 19. Oktober 2026 insgesamt 2.002 Personen ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Erhebung erfolgte online, gestützt auf die permanente Telefonbefragung INSA-Perpetua Demoscopia.
Pressekontakt:
Dr. Peter Schwark (Sprecher)
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Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH
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Über das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA)
Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ist eine Denkfabrik, die seit 1997 Wissen und Orientierung zu Altersvorsorge und Vermögensbildung vermittelt. Das DIA analysiert Entwicklungen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersversorgung, schafft mit Studien und Umfragen empirische Grundlagen und ordnet aktuelle Entwicklungen und Reformvorhaben ein. Als Ansprechpartner für Medien, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bringt das DIA seine Erkenntnisse in den öffentlichen Diskurs ein und ist Impulsgeber zu Themen wie demografischer Wandel, Generationengerechtigkeit und zukunftsfester Alterssicherung.