Generationengefälle bei abschlagsfreier Frührente: Junge deutlich kritischer

Pressemitteilung vom 06. Oktober 2026

Generationengefälle bei abschlagsfreier Frührente: Junge deutlich kritischer

DIA-Umfrage: 28 Prozent der 18- bis 29-Jährigen befürworten eine Abschaffung, bei den 60- bis 69-Jährigen nur zehn Prozent | Zustimmung steigt mit der Nähe zum Renteneintritt

Berlin, 6. Oktober 2026. Bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Während sich 28 Prozent der 18- bis 29-Jährigen für eine Abschaffung aussprechen, unterstützen unter den 60- bis 69-Jährigen lediglich zehn Prozent diesen Schritt. Damit ist der Anteil unter den Jüngsten fast dreimal so hoch.

Das zeigt eine aktuelle repräsentative Befragung von 2.006 Erwachsenen in Deutschland, die INSA im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) durchgeführt hat. Den Befragten wurde ausdrücklich mitgeteilt, dass die Regelung pro Rentenjahrgang 9,5 Milliarden Euro kostet, die von anderen Beitragszahlern aufgebracht werden müssen.

Zustimmung zur bestehenden Regelung steigt mit der Rentennähe

Der Unterschied zwischen den Generationen zieht sich nahezu kontinuierlich durch die Altersgruppen. Unter den 18- bis 29-Jährigen sprechen sich 28 Prozent für eine Abschaffung aus, bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 25 Prozent und bei den 40- bis 49-Jährigen 20 Prozent. Unter den 50- bis 59-Jährigen sinkt der Anteil auf 14 Prozent und erreicht bei den 60- bis 69-Jährigen mit zehn Prozent seinen niedrigsten Wert. Erst bei den Befragten ab 70 Jahren steigt er wieder deutlich auf 24 Prozent.

Spiegelbildlich nimmt die Zustimmung zur bestehenden Regelung mit zunehmender Rentennähe stark zu. Während nur 51 Prozent der 18- bis 29-Jährigen den früheren abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Versicherungsjahren beibehalten wollen, sind es bei den 30- bis 39-Jährigen 63 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 67 Prozent und bei den 50- bis 59-Jährigen 78 Prozent. Unter den 60- bis 69-Jährigen erreicht die Zustimmung mit 84 Prozent ihren höchsten Wert. Bei den Befragten ab 70 Jahren sinkt sie wieder auf 68 Prozent.

Auch die Unsicherheit ist unter den Jüngsten am stärksten ausgeprägt. 22 Prozent der 18- bis 29-Jährigen antworten mit „weiß nicht“ oder machen keine Angabe. Bei den 60- bis 69-Jährigen sind es lediglich sechs Prozent.

Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, kommentiert das wie folgt: „Die Bewertung der Regelung hängt offenbar stark davon ab, wer ihre Kosten trägt und wer von ihr profitieren kann. Unter den Jüngsten ist der Anteil derjenigen, die eine Abschaffung befürworten, fast dreimal so hoch wie bei den 60- bis 69-Jährigen. Der Gesamtwert allein erzählt also nicht die ganze Geschichte. Während die älteren Begünstigten im Schnitt jeder 40.000 Euro extra erhalten, zahlen die anderen in Summe 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang zusätzlich in die Rentenkasse, mutmaßlich ohne je später selbst davon profitieren zu können. Die Ergebnisse berühren deshalb nicht nur die Finanzierbarkeit der gesetzlichen Rente, sondern auch Fragen der Generationengerechtigkeit.“

Insgesamt bleibt die bestehende Regelung populär

Über alle Altersgruppen hinweg spricht sich weiterhin eine klare Mehrheit für die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren aus. 69 Prozent wollen an der bestehenden Möglichkeit festhalten, 20 Prozent befürworten eine Abschaffung. Elf Prozent legen sich nicht fest.

Methodik

Die Befragung wurde vom 11. bis 14. September 2026 als Online-Befragung durchgeführt. Die Umfrage ist gestützt auf die permanente Telefon-Befragung INSA-Perpetua Demoscopia. Befragt wurden 2.006 Personen aus Deutschland ab 18 Jahren.

Pressekontakt:

Dr. Peter Schwark (Sprecher)
Mail:
Mobil: 0151-51470102

Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH
Leipziger Platz 15
10117 Berlin
www.dia-vorsorge.de

Über das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA)

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ist eine Denkfabrik, die seit 1997 Wissen und Orientierung zu Altersvorsorge und Vermögensbildung vermittelt. Das DIA analysiert Entwicklungen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersversorgung, schafft mit Studien und Umfragen empirische Grundlagen und ordnet aktuelle Entwicklungen und Reformvorhaben ein. Als Ansprechpartner für Medien, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bringt das DIA seine Erkenntnisse in den öffentlichen Diskurs ein und ist Impulsgeber zu Themen wie demografischer Wandel, Generationengerechtigkeit und zukunftsfester Alterssicherung.