Teure Sicherheit, rentables Risiko?

Artikel von
12. Juni 2026

Teure Sicherheit, rentables Risiko?

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge wird reformiert und Sparer können künftig über ETFs auch auf den Erfolg der Aktienmärkte setzen. Aber ist der Schritt in Richtung schwankende Anlageklassen richtig?

Claus Walter ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der inhabergeführten Freiburger Vermögensmanagement GmbH.

Die Bundesregierung hat beschlossen, die Riester-Rente zu reformieren. Dass dies nötig ist, war schon lange unter Fachleuten unumstritten. Seit 2017 sank die Zahl der Verträge von über 16 Millionen auf unter 15 Millionen im Jahr 2024. Wie viele davon schon gar nicht mehr aktiv bespart werden, verrät diese Zahl noch nicht mal.

Die schwindende Begeisterung lag nicht zuletzt daran, dass das Riester-System einen Konstruktionsfehler hatte. Die in den Verträgen eingezahlte Geldsumme musste garantiert werden.

Was erstmal super klingt, hatte entscheidende Nachteile. Die Anbieter mussten die Auszahlung der nominalen Einzahlungen garantieren und so wurde bei fallenden Zinsen ein immer kleinerer Teil chancenreich investiert. Oder anders formuliert, ein 100-prozentiges Sicherheitsversprechen kann ziemlich teuer werden und unter dem Strich dazu führen, dass das eigentliche Ziel verpasst wird.

Renditechancen nutzen

Deswegen ist die Grundidee des Altersvorsorgedepots richtig, in das ab 2027 voraussichtlich auch die meisten Selbständigen investieren können. Es wird möglich sein, Sparpläne auf breit gestreute ETFs einzusetzen und trotzdem die Förderung zu erhalten. Dafür müssen Sparer allerdings auch etwas tragen, das Schwankungsrisiko. Warum ist das eine gute Nachricht? Gerade beim Thema Altersvorsorge, das im Idealfall über Jahrzehnte angelegt wird, sind vorübergehende Börsenhochs und -tiefs für die Gesamtrendite relativ unwichtig.

Wer die Entwicklung über so lange Zeiträume analysiert, wird kaum einen rentableren Bereich finden als die globalen Aktienmärkte. So lag zum Beispiel die durchschnittliche Rendite des global breit aufgestellten MSCI World in Euro im Schnitt von 1975 bis 2024 bei über acht Prozent pro Jahr. Trotz aller Krisen, Börsencrashs und Co. konnten Anleger damit über 15 Jahre locker die Inflation ausgleichen. Also nicht nur die Zahl des Ersparten wurde größer, sondern auch die Menge an Waren und Dienstleistungen, die sich Sparer dafür einmal im Rentenalter kaufen konnten. Genau das sollte das eigentliche Ziel einer gut angelegten privaten Altersvorsorge sein.

Genau hinsehen

Löst die Riester-Reform alle Probleme? Nein, sicher nicht. Eine jährlich geförderte Sparsumme von bis zu maximal 1.800 Euro, wird nicht allein für einen angenehmen Ruhestand reichen. Geringverdienern, Eltern kleiner Kinder und generell Sparern mit noch einigen Jahren Abstand zum Ruhestand können die staatlichen Förderungen jedoch helfen. Auch die hier greifende nachgelagerte Besteuerung kann die Zinseszinseffekte verstärken und sogar ein Überzahlen attraktiv machen, da kommt es aber auf die individuelle Gesamtsituation im Ruhestand an. Was allerdings generell bedacht werden sollte, ohne die staatlichen Leistungen zurückerstatten zu müssen, ist eine Auszahlung grundsätzlich erst zwischen dem 65. und 70. Geburtstag vorgesehen. Nur ein Teil kann dann sofort abgerufen werden und das Ersparte ist auch nicht einfach so vererbbar. Gedacht ist es hauptsächlich für eine lebenslange Auszahlung oder eine gestraffte bis zum 85. Geburtstag.

Auf viele Säulen bauen

Wer sich langfristig ein real wertvolles Polster für den Ruhestand aufbauen will, sollte mit Sinn und Verstand Risiken eingehen und Chancen nutzen. Es macht dabei eigentlich immer Sinn, auf verschiedene Säulen zu bauen und neben chancenreichen Aktien auch weniger schwankungsanfällige festverzinsliche Anlageformen oder eine Edelmetallreserve als Basis zu nutzen. Auch die gesetzliche Rente, eine betriebliche Altersvorsorge, die klassische Immobilie und in manchen Fällen auch eine private Rentenversicherung können sinnvolle Bausteine sein. Das eine tun, heißt nicht das andere zu lassen! Aber vor lauter Sicherheit ganz sicher auf reale Rendite zu verzichten, ist sehr wahrscheinlich für niemanden ein guter Plan, unabhängig von staatlichen Förderungen. Das ändert sich auch mit der Riester-Reform nicht. Was noch bleiben wird: Je früher sich Sparende um die Ruhestandsplanung kümmern, desto einfacher ist es, hier die richtigen Weichen zu stellen.