„Aus für die Frührente“ könnte Milliarden sparen

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17. Juli 2026

„Aus für die Frührente“ könnte Milliarden sparen

Ein Aus für die Frührente ohne Abschläge könnte Staat und Rentenkasse deutlich entlasten. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hätte die Abschaffung dieser Regelung erhebliche finanzielle Auswirkungen.

Aus für die Frührente rückt in den Mittelpunkt der Rentendebatte

Die abschlagsfreie Frührente für besonders langjährig Versicherte steht erneut zur Diskussion. Gemeint ist die Möglichkeit, nach mindestens 45 Beitragsjahren vor der Regelaltersgrenze ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Die Regelung wurde 2014 eingeführt und gilt politisch weiterhin als umstritten. Denn einerseits entlastet sie Beschäftigte mit langen Erwerbsbiografien. Zugleich werden aber Beitragszahler und Rentenkasse belastet. Jährlich nutzen derzeit etwa 250.000 bis 280.000 Menschen diese Option.

Milliardenentlastung durch späteren Renteneintritt

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die gesetzliche Rentenversicherung für einen Rentnerjahrgang um rund 10,4 Milliarden Euro entlastet werden könnte, wenn das „Aus für die Frührente“ – zumindest als abschlagsfreie Version – kommt. Nach Abzug von Mindereinnahmen in anderen Sozialversicherungszweigen und bei der Einkommensteuer in Höhe von rund 860 Millionen Euro bliebe eine Nettoeinsparung für die Staatskasse von rund 9,5 Milliarden Euro. Berechnet wurde dies am Beispiel des Jahrgangs 1957, der als jüngster Jahrgang vollständig im Ruhestand betrachtet werden kann. Die Forschenden gehen davon aus, dass Betroffene ihren Renteneintritt im Schnitt um zehn Monate verschieben würden und dann mit Abschlägen in den Ruhestand gingen.

Arbeitsmarkt könnte zusätzlich profitieren

Das Aus für die Frührente hätte nach der Modellrechnung nicht nur fiskalische Effekte. Wenn besonders langjährig Versicherte länger erwerbstätig bleiben, entstünde ein zusätzliches Beschäftigungspotenzial von rund 125.000 Vollzeitkräften. Das ist vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und demografischem Wandel besonders relevant. Schließlich handelt es sich häufig um erfahrene und gut qualifizierte Beschäftigte. Der Effekt würde allerdings nicht automatisch in jedem Berufsfeld gleich ausfallen. Körperlich belastende Tätigkeiten, gesundheitliche Einschränkungen und Arbeitsmarktchancen älterer Beschäftigter bleiben zentrale Einschränkungen der Reformdebatte.

Sozialpolitischer Zielkonflikt bleibt bestehen

Die Studie macht den Zielkonflikt deutlich: Ein Wegfall der Frührente könnte die Rentenfinanzen entlasten und zusätzliche Arbeitskräfte im Beschäftigungssystem halten. Gleichzeitig würde eine solche Reform Menschen treffen, die über sehr lange Erwerbsbiografien verfügen und vielfach früh in den Arbeitsmarkt eingestiegen sind. Die Forschenden verweisen deshalb auf mögliche Kompensationen für Härtefälle. Denkbar wären Ausnahmen oder Ausgleichsmechanismen für Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen oder besonders belastenden Tätigkeiten. Ohne solche Regelungen würde eine rein fiskalisch begründete Abschaffung sozialpolitisch angreifbar bleiben. Insofern wird die Rentendebatte beim Punkt „Frührente“ wohl weiterhin kontrovers geführt werden.

Grafik: eigene Darstellung. Quelle: ihre-vorsorge.de nach dpa/Welt; DIW-Modellrechnung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.