Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung – für Generationengerechtigkeit

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08. Juni 2026

Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung – für Generationengerechtigkeit

Die Diskussion um die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung nimmt wieder Fahrt auf. Im Zentrum steht einmal mehr die sogenannte „Rente mit 63“, offiziell die abschlagsfreie Frühverrentung für besonders langjährig Versicherte. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt nun deutlich, dass diese Regelung nicht nur teuer ist, sondern auch unerwünschte Nebenwirkungen auf Arbeitsmarkt und Generationengerechtigkeit hat. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis: Eine Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung könnte die öffentlichen Haushalte erheblich entlasten und gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Was hinter der abschlagsfreien Frühverrentung steckt

Die Regelung ermöglicht es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit mindestens 45 Beitragsjahren, bis zu zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze ohne Rentenabschläge in den Ruhestand zu gehen.

Was ursprünglich als sozialpolitisches Instrument für besonders belastete Berufsgruppen gedacht war, hat sich längst zu einem Massenphänomen entwickelt: Jährlich nutzen rund 250.000 bis 280.000 Menschen diese Möglichkeit. Heute entfällt etwa ein Drittel aller Rentenzugänge auf diese Form des vorgezogenen Ruhestands.

Die zentralen Ergebnisse der Bertelsmann-Studie

Die von DIW-Ökonomen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellte Studie liefert erstmals eine umfassende Quantifizierung der Effekte einer Abschaffung.

1. Enorme Einsparpotenziale

Die Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung würde die Staatskasse um rund 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlasten.

Allein die gesetzliche Rentenversicherung könnte sogar um etwa 10,4 Milliarden Euro entlastet werden. Selbst unter Berücksichtigung geringerer Einnahmen bei Steuern und Sozialabgaben bleibt eine erhebliche Nettowirkung bestehen.

2. Mehr Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt

Ein ebenso wichtiger Befund: Durch den Wegfall der Frührente würden rund 125.000 zusätzliche Vollzeitkräfte pro Jahrgang dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Gerade in Zeiten akuten Fachkräftemangels ist dies ein nicht zu unterschätzender Faktor.

3. Verhaltensänderungen beim Renteneintritt

Die Studie geht davon aus, dass sich der durchschnittliche Renteneintritt um etwa zehn Monate nach hinten verschieben würde. Ein Teil der Betroffenen würde länger arbeiten, während andere weiterhin vorzeitig in Rente gehen – dann jedoch mit entsprechenden Abschlägen.

Fehlsteuerung statt Zielgenauigkeit

Ein besonders kritischer Punkt ist die mangelnde Zielgenauigkeit der Regelung. Häufig profitieren nicht diejenigen, die tatsächlich körperlich besonders belastet sind. Empirische Untersuchungen zeigen, dass viele Nutzer der abschlagsfreien Frühverrentung keine überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten ausgeübt haben.

Das bedeutet: Die Regelung entfaltet eine erhebliche Streuwirkung und verfehlt teilweise ihren ursprünglichen sozialpolitischen Zweck.

Generationengerechtigkeit unter Druck

Die demografische Entwicklung verschärft die Problematik zusätzlich. Weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen. Vor diesem Hintergrund wirkt die abschlagsfreie Frühverrentung wie ein Beschleuniger der finanziellen Belastung:

  • längere Rentenbezugszeiten,
  • weniger Beitragszahler,
  • steigender Druck auf Beitragssätze und Bundeshaushalt.

Eine Reform ist daher nicht nur fiskalisch sinnvoll, sondern auch aus Sicht der Generationengerechtigkeit dringend geboten.

Wirtschaftliche Perspektive: Arbeitskräfte sichern

Neben den fiskalischen Effekten hat die Regelung auch direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Jedes Jahr verlassen Hunderttausende erfahrene und qualifizierte Beschäftigte vorzeitig den Arbeitsmarkt.

Gerade für Unternehmen bedeutet dies einen Verlust an Know-how und Produktivität – ein Problem, das durch den demografischen Wandel weiter zunimmt.

Fazit: Reformbedarf bei Frühverrentung klar belegt

Die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie sind eindeutig: Die abschlagsfreie Frühverrentung ist teuer, ökonomisch ineffizient und sozialpolitisch nur begrenzt treffsicher.

Eine Abschaffung oder zumindest grundlegende Reform sollte daher ernsthaft geprüft werden. Entscheidend wird dabei sein, differenzierte Lösungen zu entwickeln, die

  • tatsächlich belastete Gruppen schützen.
  • Arbeitsanreize erhalten.
  • die finanzielle Stabilität des Rentensystems sichern.

Nur so lässt sich die gesetzliche Rentenversicherung nachhaltig und generationengerecht aufstellen.