Wer sein Sparziel für den Renteneintritt nicht erreicht, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Lebensstandard senken, weil die Möglichkeit länger zu arbeiten nicht immer gegeben ist.
Das hebt zwar die Bedeutung des Anlageergebnisses hervor, welches den Vorsorgebedarf im Alter abdecken soll, aber es steht in keinem Verhältnis zur Bedeutung der Aufgabe, den Verzehr des Vermögens zu planen. Selbst wenn es möglich ist, auch nach Renteneintritt weiterzuarbeiten, nehmen die Möglichkeiten mit zunehmendem Alter noch weiter ab.
Sicherheit versus Rendite: das zentrale Spannungsfeld im Ruhestand
Es liegt daher nahe, das Risiko während der Zeit der Entnahme so gering wie möglich zu halten, damit das Geld nie ausgehen wird. In der Regel geht das aber einher mit einer geringen Rendite. Anlageklassen mit höherer Rendite haben eine größere Schwankungsbreite der Ergebnisse. Was wäre daher für Rentner die ideale Geldanlage, um damit den Finanzbedarf im Alter zu bestreiten? „Ideal“ muss es allerdings unter mehreren Gesichtspunkten sein: einerseits die Sicherheit der Auszahlung und andererseits die Rendite der Anlage.
Rentenversicherung: planbare Auszahlung mit begrenzter Rendite
Ohne Frage kommt eine Rentenversicherung diesem Ideal schon sehr nahe. Sie kann als Möglichkeit zur Verrentung von größeren Geldbeträgen genutzt werden. Zudem bietet sie eine kalkulierbare Auszahlung, die außerdem dynamisch steigt, um die Inflation auszugleichen. Das Risiko der Langlebigkeit ist ausgeschlossen. Die Versicherung wird bis zum Tod des Anlegers zahlen, selbst wenn dieser weit über 100 Jahre alt werden sollte. Diese Vorteile sind mit dem Nachteil verbunden, dass die Rendite sehr oft geringer als erwartet ist. Aber letztlich müssen auch Versicherungsunternehmen kalkulieren und Gewinne erwirtschaften.
Wer sich dafür entscheidet und es sich leisten kann, weil genug Vermögen vorhanden ist, hat damit nur noch das Risiko, dass das Versicherungsunternehmen Bankrott geht. Je nach Höhe der Rente kann diese auf mehrere Unternehmen aufgeteilt werden, um selbst dieses Risiko zu minimieren. Wer es sich jedoch nicht leisten kann, kommt an einer Steigerung der Rendite nicht vorbei, wenn er sich nicht einschränken möchte.
Alternativen zur Verrentung: Anleihen, Immobilien und Aktien

Anleihen sind zwar sehr liquide und bieten regelmäßige Ausschüttungen, allerdings sind auch die Zinsen auf Staatsanleihen selten attraktiv. Die Rendite von Immobilien ist höher und Mieten liefern stetige Liquidität. Jedoch ist der Verzehr ist schwer, weil eine Immobilie nur als Ganzes verkauft werden kann. Es dürfte daher in den meisten Fällen kein Weg an Aktien vorbeiführen, zumal diese sehr liquide sind und zusätzlich einen gewissen Schutz vor Inflation bieten.
Wie so oft muss sich der Anleger die Frage der Vermögensaufteilung stellen – und beantworten. Keine der schwankenden Anlageklassen erzielt jedes Jahr die durchschnittliche Rendite aus der Vergangenheitsbetrachtung. Was aber, wenn es zu einem Einbruch kommt, der die Vermögenspreise der gewählten Anlageklasse stark reduziert? Wenn das dazu führt, dass der Anleger weniger Geld entnehmen kann als geplant, ist das schmerzhaft und möglichst zu vermeiden.
Aktienquote, Puffer und individuelles Risikomaß
Spätestens jetzt sollte deutlich sein, dass eine Aktienquote von 100 % zu hoch sein kann. Allerdings muss jeder für sich selbst entscheiden, was „zu hoch“ ist. Entscheidend ist darüber hinaus, dass mit steigendem Puffer, also überschüssigem Vermögen bei zu erwartenden Renditen, das Risiko sinkt, weil Kursrückgänge in gewissem Maße durch den Puffer ausgeglichen werden können.
Eine Berechnung mit den durchschnittlichen Renditen der Vergangenheit gibt zumindest eine Orientierung, welcher Verlauf bei der gewählten Vermögensaufteilung vorkommen könnte. Nur wenn die Rendite ausreicht, ist überhaupt genügend Vermögen für den Rest des Lebens vorhanden. Das reicht jedoch noch nicht. Es führt außerdem kein Weg daran vorbei, mit Ergebnissen der Vergangenheit zu simulieren, was in den ungünstigen Fällen passieren würde.
Das erfordert einen gewissen Mut, aber der ist im Leben nötig. Denn wie immer ist zu beachten, dass die Ergebnisse der Vergangenheit nichts mit der Zukunft zu tun haben müssen. Es kann also vorkommen, dass in Zukunft ein Ergebnis erzielt wird, welches es noch nie gab. Aber wer will Ergebnisse wie 1929 wirklich erleben, wenn Aktienkurse im Durchschnitt um 95 % fallen, aber die eigene Altersvorsorge darauf aufbaut?
Diversifikation ist in der Rentenphase unverzichtbar
Der Wunsch liegt nahe, mit einer hohen Aktienquote auf eine hohe Rendite zu hoffen, um dadurch einer Reduzierung des Lebensstandards entgegenzuwirken. Wer aber glaubt, ein Anteil der Liquidität in Höhe von 15 %, um die Ausgaben der nächsten fünf Jahre zu decken, ändert etwas am Risiko, irrt sich. Wenn nach einem Absturz nur noch 20 % des Aktienanteils übrig sind, wird das Geld am Ende nicht ausreichen. Und dann?
Es gibt nur eine Unterscheidung, wenn es in die Rentenphase geht und dafür Vermögen verzehrt werden muss. Entweder ist das Vermögen ausreichend, um sich von allen Risiken freizukaufen, oder nicht. Im letzteren und in der Regel dem häufigeren Fall, führt kein Weg an einer geeigneten Vermögensaufteilung vorbei. Sie sollte dabei in keinem Fall aus nur einer Anlageklasse bestehen, weil für jede Anlageklasse ein Fall denkbar ist, in dem diese katastrophal abschneidet und damit den Anleger in Probleme bringt.