Deutschland hat eine der größten Rentenlücken Europas – neue Daten zeigen strukturelle Risiken durch hohe Wohnkosten

Pressemitteilung vom 26. Februar 2026

Deutschland hat eine der größten Rentenlücken Europas – neue Daten zeigen strukturelle Risiken durch hohe Wohnkosten

Heute im Bundestag beratenes Altersvorsorgereformgesetz muss private Altersvorsorge zügig stärken

Berlin, 26. Februar 2026 – Deutschland gehört laut einer aktuellen Analyse von DataPulse zu den Ländern mit der größten Rentenlücke in Europa. Die durchschnittliche gesetzliche Altersrente von 19.138 Euro pro Jahr deckt die geschätzten jährlichen Lebenshaltungskosten der über 60‑Jährigen in Höhe von 28.663 Euro bei weitem nicht ab. Damit ergibt sich ein Rentendefizit von 33 Prozent – eines der höchsten in Europa. Nur in sechs europäischen Ländern fällt die Lücke noch größer aus.

Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), fordert aus Anlass der heutigen Beratung des Altersvorsorgereformgesetzes im Deutschen Bundestag: „Die Studie belegt, dass nicht allein die Rentenhöhe oder das Rentenniveau entscheidet über die finanzielle Lage im Alter, sondern die gesamten Lebenshaltungskosten – und insbesondere die Wohnkosten. Private Vorsorge und betriebliche Modelle müssen noch in diesem Jahr konsequent gestärkt werden. Dazu sind höhere geförderte Dotierungsvolumina nötig als bislang im Gesetz vorgesehen.“

Wohnen als größter Kostenfaktor

Wohnen macht tatsächlich 34 Prozent der monatlichen Ausgaben deutscher Seniorinnen und Senioren aus. Ernährung, Verkehr und Freizeit folgen mit jeweils etwa 11 Prozent. Zusammen entfällt damit rund die Hälfte aller Ausgaben auf Wohnen und Nahrungsmittel – ein Muster, das sich europaweit zeigt.

Die Mietquote verstärkt die finanzielle Belastung: Rund 60 Prozent der über 65-Jährigen in Einzelhaushalten leben zur Miete – gemeinsam mit Österreich und den Niederlanden einer der höchsten Werte in Europa. In vielen osteuropäischen Ländern hingegen liegt die Eigentumsquote bei über 90 Prozent. Das bedeutet: Während im Ausland das eigene, abbezahlte Zuhause wie eine „unsichtbare Zusatzrente“ wirkt, bleiben deutsche Rentnerinnen und Rentner überdurchschnittlich stark den Mietsteigerungen der vergangenen Jahre ausgesetzt.

Nicolas Caramella, Gründer & CEO von DataPulse sagt dazu: „Die Daten zeigen, dass Deutschland bei der Rentendeckung zu den Schlusslichtern Europas gehört, nicht weil die Renten besonders niedrig wären, sondern weil die Lebenshaltungskosten im Alter besonders hoch sind. Der entscheidende Faktor ist dabei das Wohnen: Mit einer Mietquote von 60 Prozent unter Senioren ist Deutschland deutlich verwundbarer als die meisten Nachbarländer. Wer keine Immobilie besitzt, muss im Ruhestand ein Drittel oder mehr seines Budgets allein für das Dach über dem Kopf aufwenden.“

Notwendigkeit einer stärkeren privaten Altersvorsorge

Trotz dieser strukturellen Belastungen liegt das Altersarmutsrisiko in Deutschland im europäischen Mittelfeld (ca. 20 Prozent). Private und betriebliche Vorsorge federn die Belastung ab, wirken aber nicht für alle ausreichend. Das DIA fordert daher auch eine deutlich stärkere Verbreitung privater Altersvorsorge gerade im unteren Einkommensdrittel.

Service & Download

Die vollständige DataPulse-Studie mit interaktiven Grafiken und internationalen Vergleichen findet sich hier. Die Pressemitteilung im Word-Format findet sich hier.

Pressekontakt

Dr. Peter Schwark, DIA-Sprecher
Tel.: 0151-514 701 02
E-Mail:

Über das DIA

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ist eine unabhängige Denkfabrik mit Sitz in Berlin. Es analysiert die wirtschaftlichen, rechtlichen und demografischen Rahmenbedingungen der Altersvorsorge und macht Reformvorschläge für eine generationengerechte Alterssicherung.