Mehr Mut zur Aktie – warum private Vorsorge zur Rentenfrage unserer Zeit wird

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30. Januar 2026

Mehr Mut zur Aktie – warum private Vorsorge zur Rentenfrage unserer Zeit wird

Es gibt Zahlen, die mehr sind als bloße Statistik. Sie zeugen von einem Stimmungswandel, von neuem Selbstbewusstsein und von der wachsenden Bereitschaft, Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen.

Laut neuester Veröffentlichung des Deutschen Aktieninstituts (Quelle: Aktionärszahlen 2025: Aktienanlage im Aufwind), besaßen im vorherigen Jahr 14,1 Millionen Menschen in Deutschland aktive Aktienfonds, ETFs oder Aktien. Das sind rund zwei Millionen mehr als noch im Jahr 2024. Damit hält inzwischen jede fünfte Person ab 14 Jahren direkte oder indirekte Aktieninvestments als Depotpositionen. Der positive Trend der vergangenen zehn Jahre hat sich nicht nur fortgesetzt, sondern gewann an Dynamik.

Besonders hervorzuheben ist diese Entwicklung bei jüngeren Menschen: 4,9 Millionen Menschen unter 40 Jahren halten mittlerweile Aktien, Aktienfonds oder ETFs – ein Plus von 1,2 Millionen innerhalb nur eines Jahres. Das ist bemerkenswert, denn es widerlegt das lange gepflegte Vorurteil, junge Menschen seien finanziell risikoscheu oder ausschließlich konsumorientiert. Im Gegenteil: Eine neue Generation erkennt, dass langfristiger Vermögensaufbau ohne Kapitalmarkt kaum möglich ist. Sie spart nicht nur, sie investiert – und denkt dabei zunehmend an morgen.

Auch andere Gruppen holen auf. Frauen investieren häufiger als je zuvor in Aktien und aktienbasierte Anlageprodukte, und in Ostdeutschland ist das Wachstum besonders stark. Die Aktie wird damit breiter, diverser und gesellschaftlich akzeptierter. Das Bild des Aktionärs als Ausnahmeerscheinung gehört hoffentlich endgültig der Vergangenheit an. Der gesellschaftliche Rückenwind für die Aktienanlage war in Deutschland selten so deutlich spürbar wie heute.

Demografischer Wandel als Treiber der privaten Vorsorge

Diese Entwicklung fällt nicht zufällig in eine Phase zunehmender Unsicherheit rund um die gesetzliche Rente. Der demografische Wandel setzt das Umlagesystem massiv unter Druck: Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Rentnerinnen und Rentner aufkommen, während die Lebenserwartung weiter steigt. Wer heute jung ist, kann kaum noch darauf vertrauen, dass die gesetzliche Rente allein den gewohnten Lebensstandard im Alter sichert. Private Altersvorsorge ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Gerade hier zeigt sich die Stärke der Aktienanlage: Langfristig bietet sie reale Renditechancen, Inflationsschutz und die Möglichkeit, vom wirtschaftlichen Wachstum zu profitieren. Dass immer mehr Menschen diesen Weg einschlagen, ist ein positives Signal – für die individuelle finanzielle Resilienz ebenso wie für die Stabilität des gesamten Alterssicherungssystems.

Politik sollte die positive Tendenz aufgreifen

Diesen Rückenwind sollten Politik und Gesellschaft nutzen. Die Aktie gehört stärker in alle drei Säulen der Altersvorsorge: als sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Rente, als fester Bestandteil der betrieblichen Altersvorsorge und als zentraler Baustein der privaten Vorsorge. Wenn Millionen Bürgerinnen und Bürger bereits heute den Mut zur Aktie aufbringen, dann ist das ein starkes Fundament. Die Richtung ist klar – jetzt gilt es, sie konsequent auszubauen.


Gastautor Dr. Andreas Schyra ist Vorstandsmitglied der PVV AG und Dozent an der FOM Hochschule Essen.