Nachhaltige Geldanlagen haben schwere Jahre hinter sich. Seit 2022 hinkten viele Fonds, die Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) berücksichtigen, klassischen Indizes hinterher. Mittelabflüsse und politische Gegenwinde prägten das Bild. In den USA geriet „ESG“ zum Kulturkampfthema, in Europa sorgten strengere Offenlegungspflichten und Greenwashing-Debatten für Ernüchterung.
Die Frage lautet daher: Steht 2026 eine Renaissance an – oder bleibt Nachhaltigkeit ein Nischenthema? Zunächst die Bestandsaufnahme. Die Underperformance vieler Nachhaltigkeitsfonds war weniger ein Scheitern der Idee, als ein Resultat der Marktstruktur. Hohe Gewichtungen in Technologie trafen auf steigende Zinsen, während fossile Energieunternehmen vom Ukrainekrieg profitierten. Wer Nachhaltigkeit ausschließlich als kurzfristigen Renditetreiber verstanden hat, wurde enttäuscht.

Strukturelle Ursachen statt Scheitern der Idee
Gleichzeitig ist der strukturelle Treiber nicht verschwunden. Die EU verschärft ihre Klimaziele, Investitionen in Netze, Speicher, Effizienz und Dekarbonisierung bleiben politisch gewollt – unabhängig von Konjunkturzyklen. Auch Unternehmen reagieren: Lieferketten werden transparenter, CO₂-Kosten fließen zunehmend in Investitionsentscheidungen ein. Für Investoren bedeutet das: Nachhaltigkeitskriterien wandeln sich vom Marketinglabel zum Risikofilter.
Wie ein Comeback 2026 aussehen könnte
Ein mögliches Comeback 2026 dürfte daher anders aussehen als der ESG-Boom von 2019 bis 2021. Weniger breite Nachhaltigkeitsfonds, mehr selektive Strategien. Statt pauschalem Ausschluss ganzer Branchen rücken Übergangsmodelle in den Fokus: Unternehmen, die heute noch hohe Emissionen haben, aber glaubwürdig in deren Reduktion investieren. Auch Private Markets, Infrastruktur und Anleihen könnten profitieren, weil dort reale Transformationsprojekte finanziert werden.
Ein weiterer Faktor ist die Regulierung. Die EU-Taxonomie und strengere Produktklassifizierungen reduzieren zwar die Zahl vermeintlich „grüner“ Fonds, erhöhen aber die Glaubwürdigkeit. Kurzfristig schmerzt das, langfristig könnte es Vertrauen zurückbringen – ein entscheidender Punkt für institutionelle Anleger.
Reifephase statt Hype
Skepsis bleibt angebracht. Nachhaltige Investments sind kein Selbstläufer und kein Garant für Überrenditen. Politische Rückschläge können Kapitalströme bremsen. Zudem bleibt die Messbarkeit von Nachhaltigkeit komplex und anfällig für Interpretationen.
Fazit: 2026 könnte ein Comeback bringen – nicht als Hype, sondern als Reifephase. Nachhaltigkeit wird weniger ideologisch, stärker ökonomisch begründet. Für Anleger heißt das: weniger Etikettenschwindel, mehr Analyse. Wer bereit ist, differenziert hinzusehen und langfristig zu denken, dürfte feststellen, dass nachhaltige Investments nicht verschwunden sind. Sie haben nur ihren naiven Glanz verloren – und genau darin liegt ihre zweite Chance.

Mathias Lebtig, Geschäftsführer der GFA FP Vermögensverwaltung GmbH in Freiburg i.B.