Das Altersvorsorgedepot – eine systemische Einordung

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17. September 2026

Das Altersvorsorgedepot – eine systemische Einordung

Kapitalgedeckte Altersvorsorge kann sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Das zeigt sich aktuell auch im Altersvorsorgedepot. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Kapitalanlage, mehrere Garantieoptionen und Gestaltungsspielraum in der Auszahlphase. Aber lassen die regulatorischen Leitplanken, eine zeitgemäße Vorsorge zu? Grund genug, einmal auf aktuelle Standards der kapitalgedeckten Vorsorge im In- und Ausland zu blicken und mit den Möglichkeiten des Altersvorsorgedepots zu vergleichen.

Verschiedene Leistungsversprechen für den Ruhestand

Insbesondere in der betrieblichen Altersversorgung waren – nicht nur in Deutschland – lange sogenannte Leistungszusagen (Defined Benefits) üblich. Der Arbeitgeber verpflichtete sich z. B. in Abhängigkeit von den Jahren der Betriebszugehörigkeit und dem Gehalt zu einer bestimmten, oft lebenslangen Leistung. Der Arbeitgeber trug das damit verbundene Anlagerisiko. Der Arbeitnehmer konnte fest mit einer bestimmten Rente rechnen. Demgegenüber stehen (reine) „Beitragszusagen“ (Defined Contributions), in denen die künftigen Leistungen auf den geleisteten Beiträgen und den Renditen der Kapitalanlage basieren. Das Anlagerisiko trägt also der Arbeitnehmer.

In der Praxis traten in der jüngeren Vergangenheit auch Mischformen auf. So wurden um die Jahrtausendwende in Deutschland die beitragsorientierte Leistungszusage (kurz: BOLZ) und die Beitragszusage mit Mindestleistung (kurz: BZML) in der betrieblichen Altersversorgung eingeführt. Die Leistungen im Alter hängen von den Einzahlungen und vom Anlageerfolg ab, sind aber mit einer Mindestgarantie versehen. Bei privaten Rentenversicherungen kann man mittlerweile eine fondsbasierte Kapitalanlage mit einem frei wählbaren Garantieniveau kombinieren.

Die Mischformen sind Ausdruck eines Wandels. Die Risiken und Chancen der Kapitalanlage müssen vermehrt vom Sparer getragen werden. Exemplarisch stehen hierfür die DAX-Konzerne, deren aktuelle Pensionspläne überwiegend beitragsorientiert sind. Bei der privaten Altersvorsorge für Haushalte haben im Neugeschäft fondsgebundene Rentenversicherungen die Produkte mit Garantiezins weitestgehend abgelöst. Die Altersvorsorgereform nimmt diesen Trend mit der Möglichkeit auf Garantien auf, aber ohne einen Zwang dazu.

Verschiedene Gemeinschaften von Sparern

Kapitaldeckung heißt nicht zwingend allein zu sparen. Neben dem Sparen als Einzelsparer, kann man sich zusammenschließen. Im Vereinigten Königreich glätten „Collective Defined Contribution“-Pläne das jährliche Kapitalanlageergebnis einer Gemeinschaft, bevor es an die einzelnen Mitglieder weitergegeben wird.

In solchen Modellen wird typischerweise zu Beginn eine zu erwartende Durchschnittsrendite der Kapitalanlage festgelegt. Übersteigt die Rendite diesen Durchschnittsertrag wird daraus eine Reserve gebildet. Fällt die Rendite geringer aus, wird dies (zum Teil) durch die Reserve ausgeglichen. Somit erhalten zwei Sparer mit gleich langen und gleich hohen Einzahlungen, aber unterschiedlichen Start- und Endzeitpunkten, trotzdem eine ähnliche Rendite. Kursschwankungen gleichen sich untereinander aus und fallen für den Einzelnen weniger ins Gewicht.

In den bekannten 401(k) Plänen in den USA spielt diese Art des Risikoausgleichs dagegen keine Rolle. Risikosteuerung erfolgt dort meist nur durch „Life-Cycling“, d. h. die Umschichtung der Ersparnisse in den persönlichen Depots von Aktien in Anleihen kurz vor dem Ruhestand. Durch einen höheren Anteil von Anleihen sollen sich die Auszahlungen im Ruhestand stabilisieren. Im Gegenzug schmälert das geringere Risiko meist die Rendite.

Im Standardprodukt des Altersvorsorgedepot ist „Life-Cycling“ vorgesehen. Der Sparer kann aber auch darauf verzichten, was eine Anpassung an die persönliche Risikotragfähigkeit ermöglicht.

Verschiedene Auszahlungsformen im Ruhestand

Bei der Auszahlung von Ersparnissen unterscheidet man zwischen zwei Grundkonzepten. Lebenslange (garantierte) Renten werden (von einem Versicherer) bis zum Ableben bezahlt. Vererbt wird in der seltenen Reinform einer privaten Rente nichts, meist gibt es daher sogenannte Rentengarantiezeiten. In sogenannten Auszahlplänen entnimmt hingegen der Rentner aus seinem Angesparten (meist kontinuierlich) Kapital, bis alles aufgebraucht ist. Wenn am Lebensende etwas übrigbleibt, wird es vererbt.

Tontinen liefern einen interessanten Mittelweg. Mehrere Personen legen ihre Ersparnisse gemeinsam an. Das gemeinsam Angesparte wird nach Ablauf eines festen Zeitraums unter den noch Lebenden verteilt. Die Gruppe sichert so das individuelle Langlebigkeitsrisiko des Einzelnen ab. Im Vergleich zu klassischen Sparprodukten spielen sie in der Praxis jedoch eine untergeordnete Rolle.

Alle entwickelten Finanzmärkte bieten sowohl lebenslange Renten als auch Auszahlpläne an. Sparer sollten beide Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Für die Absicherung des subjektiv „minimalen“ persönlichen Lebensstandards bietet eine klassische private lebenslange Rente zwei Vorteile: Sie liefert eine garantierte monatliche Zahlung und diese Zahlung endet erst mit dem Tod. Variable Ausgaben, die nicht zwingend sind wie z. B. regelmäßig im Restaurant essen, eine schöne Urlaubsreise oder die Unterstützung der Kinder beim Hauskauf, lassen sich hingegen gut mit Auszahlplänen und Einmalzahlungen abbilden.

Das Altersvorsorgedepot enthält sowohl die Möglichkeit einer Rente als auch eines Auszahlplans mindestens bis 85, was grundsätzlich Wahlfreiheit gibt. Die recht detaillierte Regulierung beider Wege engt den Korridor der Möglichkeiten jedoch etwas ein.

Fazit

Das Altersvorsorgereformgesetz enthält alle Elemente moderner kapitalgedeckter Vorsorge. Die Kapitalanlage ist auf das persönliche Risikoprofil anpassbar. Wer möchte, kann einen Teil des Anlagerisikos in einem Altersvorsorgevertrag absichern, wer nicht möchte, der muss nicht und kann ein garantiefreies Altersvorsorgedepot nutzen. Und auch im Rentenalter existieren genug Möglichkeiten, um die Auszahlungen an die persönliche Lebenssituation anzupassen, wobei hier noch etwas mehr Freiheit möglich gewesen wäre.

Aber systemisch – und das ist die wichtigste Botschaft – ist das Altersvorsorgedepot auf dem neuesten Stand.


Autor: Dr. Sven Ebert ist Key Account Manager bei Flossbach von Storch