Nur gut ein Drittel der Berufstätigen in Deutschland besitzt eine betriebliche Altersversorgung. Die Continentale-Studie 2026 zeigt, warum das bAV-Potenzial nicht allein an fehlenden Angeboten hängt.
Betriebliche Vorsorge erreicht nicht einmal jeden Zweiten
Betriebliche Vorsorge kann Beschäftigten einen einfachen Zugang zu zusätzlicher Absicherung eröffnen. In der Praxis kommt sie bislang jedoch eher nur bei einer Minderheit an. Das zeigt die Continentale-Studie 2026 „So versichert sich Deutschland: Zwischen Klassikern, Trends und blinden Flecken“. Nach der repräsentativen Befragung profitiert knapp die Hälfte der Berufstätigen von mindestens einer betrieblichen Vorsorgelösung ihres Arbeitgebers. Am stärksten verbreitet ist die klassische betriebliche Altersversorgung (bAV). Dennoch geben lediglich 37 Prozent der Berufstätigen an, eine bAV zu besitzen. Im Umkehrschluss haben 63 Prozent keine Betriebsrente. Damit bleibt erhebliches bAV-Potenzial (noch) ungenutzt. Das ist gerade mit Blick auf drohende Versorgungslücken im Alter relevant.Die Studienautoren sehen insbesondere in kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) weiterhin Nachholbedarf.
Auch andere Arbeitgeberleistungen bleiben selten
Die Lücke beschränkt sich allerdings nicht auf die finanzielle Altersvorsorge. Einen Unfallschutz über den Arbeitgeber haben auch nur 13 Prozent der Befragten. Eine betriebliche Krankenversicherung besitzen elf Prozent, eine betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung nur acht Prozent. Arbeitgeberleistungen zur Vorsorge sind mit derartigen Durchdringungsquoten insgesamt noch weit von einer flächendeckenden Verbreitung entfernt. Zumal ein attraktives bAV-Angebot zu den stärksten Argumenten in der Mitarbeitergewinnung und -bindung zählt.
bAV-Potenzial: Fehlende Information bremst die Nutzung
Das bAV-Potenzial entsteht jedoch nicht allein durch fehlende Angebote. Rund die Hälfte der Unternehmen bietet nach Einschätzung der Befragten entweder keine betriebliche Vorsorge an oder die Beschäftigten wissen nichts davon. Viele können nicht sicher sagen, welche Möglichkeiten ihr Arbeitgeber überhaupt eröffnet. Das weist auf ein innerbetriebliches Kommunikationsproblem hin: Ein bestehendes Angebot entfaltet kaum Wirkung, wenn Voraussetzungen, Zuschüsse und Nutzen unklar bleiben.
Beratung muss Arbeitgeber und Beschäftigte erreichen
Unternehmen benötigen Lösungen, die zu ihrer Größe, Personalstruktur und Organisation passen. Beschäftigte brauchen verständliche Informationen darüber, wie eine Betriebsrente funktioniert und finanziert wird beziehungsweise welche Folgen der Verzicht auf eine Betriebsrente für die spätere Versorgung hat. Auch Änderungen und Vorteile im bAV-Umfeld gehören direkter kommuniziert. Etwa, dass bei einer Entgeltumwandlung der Arbeitgeber grundsätzlich 15 Prozent des umgewandelten Gehalts zusätzlich an die Versorgungseinrichtung zahlen muss, soweit er Sozialversicherungsbeiträge einspart. Dadurch wird die betriebliche Altersversorgung für Beschäftigte zusätzlich attraktiver.
Vollständige Studie zum bAV-Potenzial folgt im September
Für den Hauptteil der Untersuchung wurden bundesweit 1.387 Erwachsene repräsentativ befragt. Die derzeit veröffentlichten Ergebnisse geben einen ersten Einblick in den Schwerpunkt „betriebliche Altersversorgung“. Die vollständige Continentale-Studie mit weiteren Trendfragen zur Altersvorsorge soll im September 2026 veröffentlicht werden. Dann lässt sich das bAV-Potenzial hierzulande noch detaillierter betrachten und genauer einordnen.
